Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 70 (30.8.1900)
- Date
- 1900-08-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1436 wirklich so heiß, wie sie schwören zu jeglicher Stund', so sotten sie nicht erst mit den Thieren beginnen. Fängt sie eben mit den Thieren an und hört sie so vollständig bei ihnen auf, daß für Menschen, sobald sie Juden sind, nichts davon übrig bleibt, so dürfen sich Agitatoren dieses Schlages nicht wundern, wenn die Juden nicht auf ihren Leim gehen. Mainz, 29. Aug. Hundert Jahre waren am 22. d. Mts. verflossen, seit der berühmte Orientalist und Bibelforscher Samuel David L u z z a t o das Licht der Welt erblickte. Als Kind eines armen jüdischen Handwerkers am 22. August 1800 in Triest geboren, entwickelte der kleine Luzzato schon frühzeitig eminente geistige Fähigkeiten, die durch den Besuch der Gemeindeschule in Triest nach Möglichkeit gefördert wurden. Nach Absolvirung der Schule, die dem talentirten Knaben die erstrebte Bildung nicht bieten konnte, studirte der jugendliche Luzzato ohne Hilfe eines Lehrers unermüdlich weiter und verfaßte schon im Alter von fünfzehn Jahren hebräische Gedichte, die in der gelehrten Welt bedeutendes Aufsehen erregten. Der Vater hatte seinen Sohn trotzdem für ein Handwerk bestimmt, gab aber den Bitten seines Einzigen schließlich nach und ertheilte die Erlaubniß zu ferneren Studien. In späteren Jahren widmete sich Luzzato im Besonderen der Bibelforschung. Der berühmte deutsche Hebraist und Bibelforscher Wilhelm Gesenius bezeichnete Luzzato als den besten Orientalisten Italiens. Später feierte ihn Franz Delitzsch in seiner epochemachenden Schrift „Zur Geschichte der jüdischen Poesie," wodurch Luzzato's Name in weiteren Kreisen bekannt wurde. Er galt bald als einer der gründlichsten Bibelforscher und Hebraisten und wurde 1829, trotzdem er niemals eine wissenschafliche Prüfung abgelegt hatte, zum Professor an dem Kollegium Rabbinicum in Padua ernannt, das Kaiser Franz t. von Oesterreich in's Leben gerufen hatte. Die Zahl von Luzzato's Schriften und wissenschaftlichen Abhandlungen, die in verschiedenen Sprachen abgefaßt und in unzähligen Zeitschriften verstreut sind, ist erstaunlich groß, wobei noch Vieles aus seinem litterarischen Nachlaß der Veröffentlichung harrt. Fast erblindet und von der Arbeit erschöpft, starb Luzzato am 29. September 1866. Frankfurt a. M.. 26. Aug. Der „Israelit" brachte jüngst nach der „Franks. Zeitg." eine Correspondenz aus Bad-Nauheim, die man nicht unbeantwortet lassen darf. Es heißt da u. A., daß sich unter der Zahl der Kurgäste viele Israeliten befinden und daß für die Aufbewahrung israelitischer Leichen gar keine Vorsorge getroffen sei, ein Uebelstand, der von den vielen Israeliten in Bad-Nauheim in sehr unangenehmer Weise empfunden würde. Anläßlich eines Todesfalles hätte ein Russe 1000 Rubel zur Errichtung einer israelitischen Leichenhalle gespendet und es fehlten jetzt noch 3—4000 Mk.. um eine zweckmäßige Leichenhalle errichten zu können. Nun würden sich gewiß in der großen, israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. Männer finden, die in Bälde die Herstellung der entbehrten Leichenhalle herbeiführen könnten.-Also sonst nichts? Der Einsender des Artikels meint es sicherlich gut, aber in der Zumuthung liegt doch — gelinde ausgedrückt — eine große Kühnheit. Die Frankfurter israelitische Gemeinde, die ohndies ganz kolossal in Anspruch genommen ist, soll dem vielbesuchten und reich gewordenen Badeort Nauheim Mk. 4000 schenken! Bekanntlich haben gerade in Bad-Nauheim durch sein schnelles Emporblühen die Einwohner riesige Summen verdient an Terrainverkäufen und gerade die jüdischen Bürger dort zählen ein Vermögen nach Hunderttausenden. Dann verdienen die dortigen jüdischen Geschäftsleute, Metzger, Restaurateure, Kaufleute lt. f. w. viel Geld, ganz zu schweigen von den jüdischen Hotels und nicht zu vergessen die beiden Haupt-Aerzte, die Herren Professor Dr. Schott und Dr. Krödel, beide Juden, deren Einkommen zusammen auf Mk. 260,000 taxiert wird. Können alle diese Leute, die in Nauheim ihr Glück machten, die nothwendigen Mk. 4000 nicht aus eigenen Mitteln aufbringen? Und da geht man nach Frankfurt und schämt sich nicht! Wahrlich, es ist weit gekommen mit der Bettelei, welche Frankfurt auszustehen hat. Reiche Männer von Bad-Nauheim verhüllt Euer Antlitz und — schämt Euch! Berlin, 27. Aug. (Erbauliches a u s K o - n i tz.) In dem westpreußischen Städtchen, das durch den Mord am Gymnasiasten Winter eine so traurige Berühmtheit erlangt hat, wimmelte es noch vor Kurzem von Agitatoren und „Rechercheuren" von mitunter recht zweifelhaftem Kaliber. Was da an Lügennachrichten in die Welt gesetzt wurde, ist unglaublich. Dein „Berl. Tageblatt" ging nun ein ergötzliches Schriftstück zu, das eine hübsche Illustration zu den Preßtreibereien bildet, die sich ein gewisser W. geleistet hat, der ein paar Wochen in Könitz weilte und im Dienste einer hiesigen Korrespondenz stand, die mit Vorliebe von antisemitischen Blättern benutzt wird. Es ist die Abschrift einer Postkarte. die W. aus Könitz an das Korrespondenzbüreau gerichtet hat. Es heißt da unter Anderem: „Heute die zwanzig Mark erhalten, erwarte natürlich die andern dreißig Mark. Heute liegt nichts vor. „Schwindeln Sie, so gut Sie können, aber keinen Blödsinn .....!" Ein Kommentar hierzu ist wohl überflüssig. Konih, 23. Aug. Vor der Strafkammer stand heute als Angeklagter ein Arbeiter aus Görsdorf bei Könitz, der an einem Tage im Juni einen armen jüdischen Händler aus Kamin, einen alten schwachen Mann, in überaus roher Weise mit einer Forke mißhandelt hatte. Der Ueberfallene blieb damals wie todt liegen, mußte nach Könitz in's Krankenhaus gebracht werden, wo er mehrere Wochen darniederlag, und ist heute ein gebrochener Mensch, dessen Geisteskräfte vollständig geschwunden sind. Der Gerichtshof verurtheilte, lt. Frkf. Ztg., den rohen Patron, dessen That als eine