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Der Israelit · 1900-08-30 · Heft 70 (30.8.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 70 (30.8.1900)
Date
1900-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1435 o) Abhandlungen geschichtlichen und feuilletonistischen Inhaltes, welche geeignet sind, die Geister und Gemüther für Thora und Aboda zu gewinnen. 4) Behandlung aller Juden und Judenthum berührenden Zeit- und Streitfragen, vom religionsgesetzlichen, ökonomischen und socialen Gesichtspunkte aus betrachtet, mit besonderer Berücksichtigung aller Anliegen, welche speziell Rabbinen und Thoragelehrte der ge-- sammten Diaspora betreffen; also Nachrichten über Jeschiboth, neue nach dieser Seite hin getroffene Vorkehrungen und Einrichtungen, (lieber diesen Gegenstand enthält das erste Heft unter dem Titel riibmz nypn eine hochinteressante Zusammenstellung der Bestimmungen, welche vor Jahresfrist die xv'b ’Xju getroffen haben, um die auch in Rußland sehr im Argen liegende Institution der neu zu regeln. Bei der Aufmerksamkeit, welche diesem Gegenstand auch in Deutschland entgegengebracht wurde, dürfte diese Abhandlung besonders geeignet sein, das Interesse der Rabbinen Deutschlands anzuregen.) 6) Kritische Beleuchtung neu erschienener Schriften, mit besonderer Berücksichtigung der neuen jüdischen Litteratur, insofern sie die Herabwürdigung der alten zur Tendenz hat. 6) Beigaben in Poesie und Prosa, geflügelte Worte von hervorragenden Thoragelehrten, Bereicherung der heiligen Sprache durch die talmudische Litteratur und die Werke der Paitanim. Man sieht, es ist eine vielseitige Aufgabe, die sich diese originelle Zeitschrift gestellt hat, aber die vorliegende Probe berechtigt zu den schönsten Hoffnungen für ihre glückliche Lösung. Unter den Mitarbeitern finden wir außer ruffischen Namen von gutem Klang auch die Herren Rabbiner Dr. Breuer in Frankfurt a. M. und Dr. Cohn in Basel, die geistvolle Beiträge zur Midrasch- und Schrifterklärung beigesteuert haben. Es ist unmöglich, in dem Rahmen dieser Zeilen auch nur den reichen Inhalt des Probeheftes flüchtig zu skizziren. Um so angelegentlicher seien die Interessenten, und unter ihnen besonders die Herren Rabbiner Deutschlands auf die Zeitschrift selbst verwiesen, die durch die Verlagsbuchhandlung von A. I. H o f m a n n in Frankfurt a. M. zu dem Preise von 13 Mk. per Jahr zu beziehen ist. Auf eine recht rege Betheiligung von Abonnenten ist nächst dem göttlichen Beistände das junge, hoffnungsvolle Unternehmen ganz besonders angewiesen; möge diese Betheiligung in dem Maße erfolgen, wie es das vielversprechende Unternehmen in hohem Grade verdient, das in der That geeignet erscheint, ein geistiges Band des Rabbinerstandes aller Länder zu werden. Zeitungsnachrichten und Correfpondenren. Deutschland. Mainz, 29. Aug. Von dem Berliner Thierschutzverein geht uns eine Fluth von Drucksachen zu, welche die Redaktion des „Israelit" für die Bekämpfung der Vivisektion gewinnen möchten. Unter Vivisektion versteht man Experimente und Operationen an lebendigen Thieren zur Verwerthung der dabei gemachten wissenschaftlichen Beobachtung für die menschliche Heilkunde. Wir besitzen nicht die erforderliche fachwissenschaftlichen Kenntnisse, um den wissenschaftlichen Werth der Vivisektion beurtheilen zu können. Aber wir wissen, daß die ersten Autoritäten der Phisiologie und Anatomie Vivisektioren sind und den wissenschaftlichen Erfolg der Vivisektion sehr hoch anschlagen. Das ist für uns entscheidend. Wir halten die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen, daß das wissenschaftliche Streben, an lebendigen Thierkörpern zu experimentiren, zu weit gehen kann. Sollte dies wirklich der Fall sein, so wäre es allerdings Sache der Gesetzgebung, hier einzuschreiten. Uns interessirten an dieser Agitation speziell die Persönlichkeiten, welche an der Spitze stehen. Es sind dies die Herren V e ri n g e r , Dr. F ö r st e r und Consorten, also ausgesprochene Antisemiten und Gegner des rituellen jüdischen Schlachtverfahrens. Vor die Alternative gestellt, ob man sich auf Seite dieser Herren oder auf die der erleuchtetsten Vertreter der Wissenschaft stellen soll, kann die Entscheidung nicht zweifelhaft sein. Wir kennen die Jgnorirung und Verachtung dieser Herren für alle Voten der Wissenschaft von der Schächt-Champagne her und wissen, wie es mit der Wahrhaftigekit und Redlichkeit auf dieser Seite bestellt ist. Lediglich für diejenigen unserer Leser, die dies nicht wissen sollten, machen wir an dieser Stelle darauf aufmerksam, damit sie sich dieser Propaganda nicht anschließen. Das Mitleid mit Thieren ist bei uns Juden so verbreitet, und jede Anregung zur Abstellung von Leiden der Thiere findet in jüdischen Herzen so viel Verständniß und Empfänglichkeit, daß wir diese Mahnung für überflüssig halten. Wenn durch die Erfahrungen, die mit schmerzlichen Experimenten an tausenden von Kaninchen und Meerschweinchen gewonnen werden, ein einziges Menschenleben gerettet werden kann, so ist dieses Menschenleben durch jenen Thierschmerz nicht zu theuer erkauft. Das ist eine primitive Forderung der Humanität. Die Vorbeugung und Bekämpfung dieser Humanität verdiente, als „Animali tät" bezeichnet zu werden. So lange die Feinde der Juden auch die Feinde der Wissenschaft sind, befinden wir uns in guter Gesellschaft, wenn wir von den Verfechtern dieses Thierkultus angefeindet werden. Ist aber die Liebe der Herren

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