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Der Israelit · 1900-08-30 · Heft 70 (30.8.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 70 (30.8.1900)
Date
1900-08-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1434 sind. Zwischen den Ausgewanderten und den in der Heimath Verbliebenen findet der briefliche und sonstige Verkehr statt, so daß jeder Tag einen neuen Knoten in dem Bande schürzt, das die fernen Länder verbindet. Deutsche und rusiische Sendboten suchen die Wohlhabenden in beiden Ländern auf, um für humanitäre Anstalten und sonstige ideale Zwecke thätige Sympathien zu erwecken. Unzählig sind die Anknüpfungspunkte und Beziehungen, welche es uns wünschcnswerth erscheinen lasten, über rustisch-jüdische Verhältnisse möglichst genau informirt zu sein. Die bei uns Eingewanderten erweisen sich in den meisten Fällen hierzu nicht immer als geeignet. Wer das jüdische Rußland nach Denjenigen beurtheilen wollte, die es verlassen, um sich in der Ferne eine Existenz zu gründen, würde einen großen Jrrthum begehen, in den in der That sehr Viele verfallen. Der Jude im Allgemeinen und der russische insbesondere hängt mit zahllosen innigen Fäden an dem Lande seiner Geburt, so wenig auch dessen Gesetzgebung den Juden günstig gesinnt ist, und hängt noch mehr an seiner Familie, seiner Gemeinde, seinem Bes-Hamidrasch und allen Institutionen des jüdischen öffentlichen Lebens mit solch treuer Anhänglichkeit, daß die Roth schon ungewöhnlich groß sein muß, von der sich Jemand zur Auswanderung drängen läßt. Auf demjenigen, der sich trotzdem dazu entschließt, ruht das Odium aller bessergesinnten Zurückgebliebenen. Es sind daher nichts weniger als die Besten der russischen Judenheit, welche dieselbe im Auslande vertreten. Wenn man daher die russischen Eingewanderten noch so gut kennt oder zu kennen glaubt, so kennt man doch deßhalb das jüdische Rußland noch nicht, an dessen richtiger Kenntniß und Beurtheilung wir doch alle ein mehr oder weniger großes Interesse haben. Am meisten leiden darunter die Eultusbeamten und speziell die Rabbiner, an welche sich naturgemäß die Hilfesuchenden aus dem Osten in erster Reihe wenden. Diese haben daher ein ganz besonderes Interesse daran, über alle die dortigen Verhältnisse berührenden Anliegen recht genau unterrichtet zu sein. Die jüdischen Zeitungen, die das Nächstliegende Medium wären, sind bei ihrer tendenziösen Einseitigkeit leider nicht dazu zu verwenden. Gerade für diese Kreise ist eine gediegene, wahrhaft jüdische Zeitschrift aus Rußland ein wirkliches Bedürfniß, dem nun endlich vollständig durch ein Organ entsprochen wird, dessen soeben erschienene erste Nummer uns vorliegt. Es ist dies die Monatsschrift („D i e Waag e"), herausgegeben von Rabbiner Rabinow i t s ch in P o l t a w a (Rußland). Der Herausgeber, dessen Name durch seine trefflichen gegen den Zionismus gerichteten Schriften bei allen Kennern dieser Litteratur bereits einen guten Klang hat, ist durch die Vielseitigkeit und Tiefe seiner Gedanken, sowie durch seine vollendete Meisterschaft in der Handhabung der heiligen Sprache, durch seine gründliche Thorakenntniß und durch seine ausgebreitete universelle Bildung wie dazu prädestinirt, ein solches Unternehmen in die Hand zu nehmen und mit Gottes Hilfe zu Ende zu führen. Der volle Titel dieser rabbinischen Monatsschrift lautet: D?g>n bz c'"cn rrrry*» ,7-1777^ "72"! PNI' X'.w pnn rcxn 'rx&2 vnxa «arx ^22 bxiv" rrtrr Das uns vorliegende, in Groß-Oktav vier Druckbogen umfassende erste Heft macht schon durch seine geschmackvolle äußere Ausstattund einen besonders wohlgefälligen Eindruck, der aber durch den gediegenen, vielseitigen Inhalt noch wesentlich erhöht wird. Angesichts dieser Fülle von Intelligenz und Formvollendung, die jeder einzelne Theil dieses Heftes bietet, treten die von uns Eingangs dieser Zeilen betonten Rücksichten ganz zurück. Hier wird zum ersten Male eine rabbinische Zeitschrift gereicht, welche um alle Kenner der heiligen Sprache, um alle Freunde von Thora und -sin px in allen Ländern aller Zonen ein Band schlingt, welches die weit Zerstreuten und räumlich Geschiedenen im Geiste und der Gesinnung verbrüdert und zur Mitarbeiterschaft in friedlichem Wettkampfe auffordert. Unter dem Titel bxiB"2 nrvm rxn wird das Programm der Zeitschrift in meisterhafter Weise entwickelt und die Gegenstände bezeichnet, die hier ihre Behandlung finden sollen. 1) rvßitrm rv6xtr Entscheidungen über Fragen und Verhältnisse, welche die Eigenart unserer Zeit geschaffen und die daher in den bisherigen Eodieis noch nicht behandelt werden konnten. Talmudische Abhandlungen über schwierige talmudische Probleme, die in der reichen hierhergehörigen Litteratur noch nicht allseitig behandelt sind. Hier sollen in erster Reihe die ungedruckten Forschungen unserer bereits Heimgegangener großen Koryphäen der Thorakunde zum Abdruck kommen, die sonst dem Moder und der Vergessenheit anheim fallen würden. ' Mit einer solchen Arbeit wird das vorliegende Heft unter den Titel |\2':2 rtp eröffnet, die von Rabbiner Binjamin Diskin rvn ^7 hcrrührt, Vater des in Jerusalem verstorbenen Vrisker Rabbi Josu Löb Diskin s. A., und Lehrer des kürzlich verstorbenen Rabbiners Rabbi Jzchak Elchanon Spektor s. A. von Kowno. Sie hat die noan nx ümtrn ro nncs hjipö und die "q-i "1 nxn rrs *p pin x'iia zum Gegenstand und legt von der tiefen Forschungsweise dieses Altmeisters der Talmudwissenschaft beredtes Zeugniß ab. — 2) m» '->2-7 Zutreffende, zeitgemäße Erklärung von Stellen der heiligen Schrift und der oft dunklen Aussprüche unserer Weisen in Agada und Midrasch. Unter dieser Rubrik soll jedes Monatsheft vier kurze homiletische Abhandlungen zu den entsprechenden rn-nc bringen.

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