Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1900)
- Date
- 1900-08-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1^2Ü und volksthümlichste Name einer Partei nichts nützen, wenn diese nicht einem politischen Bedürfniß entspricht und den Beweis zu liefern versteht, daß sie das von ihr Erwartete zu leisten vermag. Die Antisemiten, die nicht so genannt sein wollen, haben bis jetzt nur bewiesen. daß sie selbst nicht wissen, was sie wollen." Schneidemühl, 20. Aug. Bei dem am 14. d. M. in Lübben (Lausitz) stattgehabten Königsschießen des dort garnisonirenden Jägerbataillons errang Hugo Le- Witzki aus Berlin, Sohn des Kantors Lewitzki, der augenblicklich die hiesige Kantorstelle vertretungsweise verwaltet, alle drei ausgesetzte Preise. Der erste von der Inspektion gestiftete Preis bestand in einem prachtvollen Bilderalbum, der zweite, von der Kompagnie gestiftete, ebenfalls in einem Album mit Silberbeschlägen, und der dritte, der Staatspreis, aus einer Butterglocke mit silbernem Untersatz. Lewitzki wurde mit Guirlanden geschmückt und mit Musik nach der Kaserne gebracht, wo selbst das Bataillon i:n Parademarsch vor dem glück lichen Schützen vorbeimarschirte. — Felix Sommerfeld, Sohn des Mühlenbesitzers Isidor Sommerfeld, aus dem eine halbe Stunde von hier liegenden Borkendorf, der in Bromberg bei dem dortigen Infanterie-Regiment seiner Militärpflicht genügte, hat sich freiwillig nach China gemeldet und ist bereits auf dem Wege dorthin. Oe st e r r. - U n g a r. Monarchie. Baden b. Wien. Wenn man das rege, bewegte Leben, das hier seit Beginn der Hochsaison herrscht, nur so im Vorübergehen betrachtet, man wäre versucht, zu glauben, es hätten hier ausschließlich die Reichen der Welt, die vom Glücke besonders Begünstigten, ihre Sommerresidenz aufgeschlagen, und selbst die Leidenden und Invaliden unter ihnen, jene Jammergestalten, denen man auf Schritt und Tritt begegnet, zählen zu jener Sorte Unglücklicher, die tvenigstens in dem einen Glück haben, daß sie Geld und Gut besitzen, womit sie sich das Dasein trotz Leiden und Beschwerden so bequem und erträglich als möglich gestalten können. In Wirklichkeit ist dem nicht so. Genauer betrachtet, zeigt das große licht- und glanzvolle Bild auch so manche pekuniäre Schattenpunkte. In seiner Aeußerlichkeit einfach, bescheiden und fast verschüchtert auftretenv, sticht nämlich ein gewisser Theil der Curwelt förmlich von der Menge ab und bildet gleichsam ein loses, unzusammenhängendes Glied in der eleganten, farbenreichen Menschenkette, die schier endlos nach allen Ecken und Enden der Fremdenstadt dahinzieht. Es sind dies die Besitzlosen, die Enterbten des Glückes, die sich den kurzen Aufenthalt in der kostspieligen Thermenstadt geradezu erkämpfen und erringen müssen, und wenn sie dies zuwege gebracht, nur die Leidens-, aber nicht die Freudengenossen der Curgäste sind. Und doch schätzen sich diese Leute glücklich, wenn sie die ihnen dringende Badecur recht und schlecht durchmachen können, gleichviel, ob sie dies aus Eigenem oder durch Inanspruchnahme der Wohlthätigkeit bewerkstelligen. Und daß hier auf humanitärem Gebiete, speziell für unsere Glaubensgenossen, wenn auch nur im Kleinen, Vieles nach dem Musterbilde der Hauptu. Muttergemeinde des Reiches nach der nahen Wiener Cultusgemeinde geleistet wird, mag aus der Thatsache erhellen, daß die hiesige Cultusgemeinde mit ihrem wackeren, vielverdienten Vorstände an der Spitze, eine Armeneassa in's Leben gerufen hat, aus welcher alljährlich »nährend der Sommersaison arme, zur Cur hier weilende Kranke, ohne Unterschied des Standes und Ranges, vier bis sechs Wochen hin durch mit entsprechenden Geldbeträgen bedacht werden. Leider aber erweist sich dieser Quell echter Gemillas chassodim, dieser Born echter Humanität und Nächstenliebe, namentlich in den letzten Jahren, infolge des immensen Zuzuges armer Curbedürftiger als viel zu klein und unzureichend, und der Erweiterung, die nur mittelst Spenden und Beträgen seitens edler Wohlthäter und humaner Menschenfreunde ermöglicht werden kann, dringend bedürftig. Wie schon oft hat der ehrwürdige Rabbiner Reich, der um das Aufblühen der hiesigen Gemeinde vielverdiente Seelsorger, auch am verflossenen Sabbat in seinem gediegenen, beifällig aufgenommenen Kanzelvortrage dieser humanen EinrichtungErwähnung gethan und derselben warme, aus dem Herzen stammende Worte gewidmet. Mögen dieselben auch in die Herzen der begeisterten Zuhörerschaft Eingang gefunden und auf fruchtbaren Boden gefallen sein, mögen insbesondere bei unseren zur Cur hier lveilenden, mit Glücks giitern gesegneten Glaubensbriidern und Glaubens schwestern Mitleid und Mitgefühl für ihre armen, hilfsbedürftigen Leidensgenossen ertvecken. Daniel S k u t e z k y. England. London. Ueber die Behandlung der Juden seitens der Buren berichtet ein Herr Gourewitsche im Jewish Chronikle: Seit zehn Jahren lebe ich unter den Buren und versichere Sie, daß die Juden es in der ganzen Welt nirgends besser haben können, als im Qranjefreistaat und in Transvaal. In Rußland wird der Jude von der Intelligenz, in England vom Volke gehaßt, in den beiden Burenstaaten dagegen kommen uns alle Klassen der Bevölkerung freundlichst entgegen! Ich habe in Deutschland, Frankreich, England, Amerika u. selbst in Australien gewohnt, überall wurde ich daran gemahnt, daß ich Jude bin. Nicht so unter den Buren. Der Jude verkehrt mit ihm geschäftlich, lebt in ihrer Mitte und niemals wird er von ihnen hören, was er so oft in England zu hören bekommt: „Geht doch hin, woher Ihr gekommen seid!" „Niemand hat Euch gebeten, zu uns zu kommen. . . ." Unter englischer Flagge werden es die Juden hier weit schlechter haben, denn mit den Engländern wird auch der Antisemitismus in den beiden Burenstaaten seinen Einzug halten. Die Träger