Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1900)
- Date
- 1900-08-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1327 desselben wird weniger die englische Regierung, als englische Handwerker und Arbeiter sein, welche noch weit gründlicher als der Russe die Juden hassen. T. London, lieber die Beni-Jsrael in Bombay machte deren geistiges Oberhaupt, Mr. Joseph Ezekiel, einem Vertreter der „Jewish Cronicle" gegenüber eine Reihe von interessanten Mittheilungen. Die erste Synagoge der Beni-Jsrael wurde in Bombay 1796 von einem Mr. Samuel Ezekiel, einem Offizier der ostindischen Eompagnie gebaut. Derselbe wurde im Kampfe gegen die Maharatten unter Tippu-Sahib gefangen genommen und that ein Gelübde, eine Synagoge zu bauen, wenn er heil und gesund aus den Klauen des „indischen Tigers" entkommen sollte. Zu dieser Zeit standen die Beni-Jsrael noch auf sehr niedriger kulturellen und ökonomischen Stufe. Die ganze Gemeinde bestand aus Maurern, Handwerkern und Soldaten; ihr jüdisches Wissen war gleich Rull und sie hatten weder Lehrer noch Schulen. Die Berührung mit europäischen Juden flößte ihnen neues jüdisches Leben ein und jetzt haben sie mehrere Synagogen, einige Schulen, in denen hebräisch. arabisch und englisch gelehrt wird, sieben wohlthätige Vereine und Institutionen, sowie ein in englischer u. maharattischer Sprache erscheinendes Wochenblatt. Die Einwanderung der Juden in Indien datiert Mr. Ezekiel um 1000 Jahre zurück. Eine Anzahl an der Westküste von Indien schiffbrüchig gewordener arabischer Juden ließ sich in Chaul und Alibagh nieder, wo heute noch Ueberreste alter Gemeinden vegetiren. Zu ihnen wurde vor ca. 900 Jahren ein Rabbi namens David Rabbabia aus Cochien verschlagen und da er fand, daß sie die mosaischen Gesetze halten und zweifellos Juden sind, blieb er bei ihnen, gründete eine Jeschiwo und unterrichtete die Jugend. Bor seinem Tode ordnete er an, daß zwei seiner besten Zöglinge unter dem Titel „Kajis" ihm in seinem Amte folgen sollten, der eine als Dajan, der Andere als Chasan. Die Beni Israel betrachteten sich selbst keineswegs als Nachkommen der zehn Stämme, sie halten sich vielmehr für arabische Juden aus dem Stamme Juda, die sich erst später aus Zweckmäßigkeitsgrllnden Beni-Jsrael nannten. Die Mohamedaner, welche aus Centralasien in Indien eindrangen, um hier das mongolische Reich des Großmogul zu gründen, brachten nämlich aus Mittelasien einen so wüthenden Judenhaß mit, daß die Juden in Bombay es rathsam fanden, sich als Beni Israel zu bezeichnen. Sic sind dadurch der sicheren Vernichtung entgangen. Die Beni-Jsrael beobachten streng alle jüdischen Gesetze, ihre Gebete verrichten sie nach dem sephardischen Ritus und Ehen zwischen ihnen und anderen Juden ist keine ganz ungewöhnliche Erscheinung. Nur mit den schwarzen Beni-Jsrael, welche sie Kala Israel nennen, werden keine Ehen eingegangen. Sie halten diese für Bastarde, erzeugt von den weißen Beni Israel im Verkehr mit heidnischen Frauen. Von der Belästigung durch zudringliche Missionäre haben auch die Beni-Jsrael zu leiden gehabt. Die ungebetenen Alleinseligmacher haben aber mit ihren Bekehrungsversuchen bei den Beni-Jsrael nie biel Glück gehabt, jetzt aber, da die Kenntnisse des Judenthums unter ihnen im Wachsen begriffen sind, kommen Taufen gar nicht mehr vor. Türkei. Konstantinopel. Für die Feier des 26jährigen Jubläums der Thronbesteigung des Sultans Abdul Hamid II., welches am 1. September stattfindet, treffen auch die türkischen Juden ihre Vorbereitungen. Eine in hebräischer und türkischer Sprache verfaßte Adresse in Versen, die den bekannten Orientalisten Rabbi Abraham Danon, Direktor des Konstantinopeler Rabbinerseminars zum Autor hat, wird im Namen der türkischen Judenheit vom Vorstand der Konstantinopeler jüdischen Gemeinde dem Sultan überreicht werden. Die aus Velin geschriebene Adresse wird die Form einer Megillah haben und in werthvollen Steinen gefaßt sein. Zu den Kosten dieser Adresse haben alle jüdischen Gemeinden des türkischen Reiches beigesteuert. — Am 2. September findet im Stadttheile Balata zu Ehren des hohen Jubilars die feierliche Eröffnung des großen jüdischen Krankenhauses Orach-Chaim statt, dessen Bau einen Kostenaufwand von 300,000 Frcs. erfordert hat. T. Rußland. Orgjejew. (Zur Hungersnoth in Bessarabien.) Auf die erste Partie von 126 Personen, die, wie wir s. Z. berichtet haben, auf dem dem Baron Günzburg im Kreise Balta gelegenen Gute Mogilnaj als Landarbeiter Beschäftigung fanden, ist jetzt eine zweite 100 Personen starke Partie gefolgt. Die Juden habensich als fleißige, gewissenhafte und zuverlässige Arbeiter so bewährt, daß gegenwärtig der Inspektor des Gutes in Orgjejew weilt, um eine aus Männern, Frauen und Knaben bestehende dritte Partie zu organisiren. Die Leute erhalten 26 Kopeken Tagelohn, nebst freier Station und werden bei der Rübenernte beschäftigt. T. Oermischtes Berlin. AIS jüdische China-Freiwillige werden «fl* ferner genannt: tforl (Äroddek aus Landsberg a. W.» dient auf dem Torpedobot '.>4, Torvedomaschinenmaat bei der n. Torpedoabtheilung, 1. Kompagnie und hat kapitulirt. — .» eymann ans Altona vom 50. Infanterieregiment befindet sich an Bord der „Phoenicia" «4. Ofiasiatfich. Inf.-Reg. t. Bat., 8. Komv ) — Fröhlich vom 58. Inf.-Reg. in Kalk, der Artillerist Isaac Buchhctm (geboren in Frankenb.rg in Hessen» in Saarbnrg. — Julius Rofenthol aus Rothenburg a. d. Tauber, meldete sich bet der bayerischen Frei-