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Der Israelit · 1900-08-27 · Heft 69 (27.8.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 69 (27.8.1900)
Date
1900-08-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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w«»r - v im tausend Jährchen vorher schon gesagt, daß Gott der große lUieifter ist, der afft’v zum Streifen bringt 11. selbst Sturen und Verbrecher in seinen, Dienste hat. (Mischte 26,10.) Herr Zangwill meint ferner, es müsse im heiligen Lande erst 01 o l d entdeckt werden, um die Juden für die Rückkehr nach dem Lande der Väter zu begeistern. Wenn Herrn Zangwill diese Möglichkeit vorgeschwebt hat, als er für seine Person sich bereit erklärte, gleich morgen mit Israel nach Palästina zu ziehen, so wird er das am besten wissen, und wir wollen mit diesem seinem Geschmack nicht rechten. Der Judenheit diesen Krämergeist zu insinuiren, war bislang das Privilegiuin unserer Antisemiten. Daß sich dieselben für ihre Verleumdungen nun aus das Zeugnis; eines der hervorragendsten Wortführer der Zionisten berufen können, wird auch unter die Errungenschaften des vierten Zivnisten- Kongresses zu buchen sein. Noch bedenklicher ersmeinen die paradoxen Veilletäten des Herrn Dr. Max N o r d a u. Ich greife hier nur eine einzige heraus, die ich nach dem Expose einer mir vorliegenden Zeitung wiedergebe. Er sprach von der Unerträglichkeit des gegenwärtigen Zustandes, der nicht länger andauern könne und führte zum Vergleich einen Reisenden an, der auf einem Dceandampfer zum Kapitän gekommen sei und eine Lagerstätte verlangt habe. Der Kapitän erwiderte, er solle dort schlafen, wo er ivährend der vier letzten Nächte geschlafen habe. „Das ist unmöglich," entgegnete der Reisende, „ich habe auf einem Kranken geschlafen; nun ist derselbe gesund geworden und will es sich nicht niehr gefallen lassen." Wenn dieses Gleichniß einen Sinn haben soll, so vertritt der Petent um eine Ruhestätte die jüdischen Zerstreuten und der frühere Kranke und nunmehr Gesunde tvird von den Völkern repräsentirt, bei welchen die jüdischen Zerstreuten Aufnahme gesunden haben. Welche fixe, verbohrte Idee gehört doch dazu, ein so unglücklich gewähltes Gleichniß auszuhecken, um die Unerträglichkeit unserer Lage in recht krassen Farben zu schildern! Ich mag die Details, die Nutzanwendung und Consequenzen dieses Bildes hier nicht ausführen, seine Unmöglichkeit und Wahrheitswidrigkeit liegt zu faustdick vor aller Augen da, als daß es nöthig wäre, den Widersinn zu detailliren. Herzl, Nordau, Zangwill, drei Feuilletonisten als Führer der Judenheit in die ihr verheißene Zukunft, drei Männer, die mit dem' positiven Judenthum und seinen Satzungen in Praxi vollkommen zerfallen sind, wir glauben nicht, daß das große jüdische Welt-Drama mit einer solchen Farce zu enden bestimmt ist. Daran werden alle Reden, aller Pomp und alle Reklame nichts ändern. Wenn Gott die Heimkehr Israels in das Land seiner Bestiiumung vollziehen wird, dann tvird er sich ganz sicher dazu keines Führers bedienen, der diese Rückkehr nach Jerusalem, wie dies Herzl in seinem „Judenstaat" thut, als königlichen Traum erklärt. Wenn Gottes gnädige Fügung die jüdischen Zerstreuten von dem Wahne der Assimilation befreien will, der in dem Ausgehen in die Masse der uns umfluthenden Völker und Religionen und in dem Aufgeben unserer jüdischen Eigenart alles Heil erblickt, so wird Er das ganz gewiß nicht durch einen Mittler thun, der wie Nordau andern Wasser predigt und selber Wein trinkt, der theoretisch gegen die Assimilation eifert und in 1r;ixi mit einer Nichtjüdin verheirathet ist. Für uns gibt es keine nd'x: ohne .-rsnwi, keine Erlösung ohne Rückkehr zu unserer vernachlässigten, gottgebotenen Lebenspflicht. Auf diesen einzigen zur Erlösung führenden Weg bringen uns ganz gewiß keine Spötter und Verächter des göttlichen Gesetzes und der heiligen Vätexsitte, deren Typus Zangwill darstellt. Männer dieses Schlages sind ganz sicher wie nichts anderes n^xr; rs* So schadet uns kein Judenfeind, so bitterbös leiden wir durch keine antisemitische Rohheit und Vergewaltigung, wie wir durch die Männer leiden, die mit schönen Worten für die jüdischen Ideale schwärmen, die sie durch die That ihres Lebens verleugnen und verlachen. Es ist gewiß kein Zufall, daß die Führer der Zionisten, Novellisten, Feuilletonisten, mit einem Worte, Redekünstler sind. '^2'db ncx ^L>x' ncn xdx DS3 pxtr T2;: Um der Menschheit die höchste Wahrheit zu bringen, wählte Gott einen Boten, der ungefügiger Lippen und schwerer Zunge war. Die Wahrheit kann der Zungenkünste entbehren. Der Zionismus muß rede- und federgewandte Eauseurs und Romanciers haben, sonst würde er nicht einmal für den Augenblick trotz des allmächtigen Schekels Vorhalten. Feuilleton. Lin Schritt vom Wege. Jüdische Wovelke von Arnold Mann. 10] S. Das Kostümfest. Mein Bruder Salomon führte ein großes Haus. Die Creme der jüdischen Gesellschaft von M. ging bei ihm aus und ein. Cäcilie, meine liebenswürdige Schwägerin, zog mit ihrem bezaubernden Wesen alles zu sich hinan, was Namen, Rang und Geld besaß. Das Vergnügen, das Amüsement, war ihr Lebenselement, in dem sie fast völlig aufging. Salomon selber sah das nicht gern; er war ernster angelegt, besaß jedoch nicht die Kraft, vielleicht auch nicht die Lust, die Lebensweise, die seit seiner Verheirathung in sein Haus eingezogen war, abzuändern. Wohl oder übel mußte er — wenn er nicht auf Reisen lvar — an der Seite seiner Gattin die rauschenden Feste, die .Hausbälle und Geburtstagsfeiern, und wie sie sonst alle hießen, als treuer Ehegatte mitbesuchen.

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