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Der Israelit · 1900-08-27 · Heft 69 (27.8.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 69 (27.8.1900)
Date
1900-08-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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«.»J»»' ...V; 1423 Selbstverständlich mußte man sich doch auch revanchieren, und sv öffneten sich alljährlich mehreremale die glänzenden Salons des Hauses Gottschalk zu jenen zauberhaften Veranstaltungen, in deren origineller Dctaillirung Eäcilie ihre ganze gesellschaftliche Kunstfertigkeit entfaltete. Sie lvar aber auch — darüber herrschte nur eine Stimme — in der That Meisterin darin und wochenlang vorher und nachher sprach man in der vornehmen Gesellschaft von den Festen im Hause Gottschalk. 'Namentlich das Gcburtstagsfest der Hausfrau vildete alljährlich lvitlkommenen Anlaß zu großer Glanzentfaltung. Rur fiel der Tag in die Frühsommerzeit, wo meist die Lust zu derartigen Festlichkeiten keine so intensive war wie iin Winter. Frau Eäcilie verstand es iminer und immer »nieder, das Interesse rege zu halten lind erst ihr Geburtstagsfest bildete in jedem Jahre den Abschluß der Wintersaison, und zwar den denkbar glänzendsten Abschluß. Ich selbst hatte ivährend all der Jahre an keinem dieser Feste theilgenommen. Ich hörte nur immer in Worten des höchsten Entzückens von ihnen reden. Allerdings, ich tvurde jedesmal eingeladen, schriftlich und mündlich, aber — mir fehlte jede Lust, den Einladungen Folge zu leisten. Wozu auch sollte ich Zeuge sein der religiösen Verfehlungen im Hause ineines eigenen Bruders! Nun geschah es in jenem Jahre, daß mich meine Schivägerin eine Woche vor ihrem Geburtstagsfeste auf der Straße traf. „Diesmal mußt Du aber bestimmt kommen, Leo!" fiel sic sofort mit der Thüre in's Haus, als sie mich kaum begrüßt hatte. Ich wußte, was sie meinte. Für diese Frau gab cs überhaupt nichts anderes mehr; all ihr Sinnen und Sorgen galt ausschließlich diesem Einen. Kinder hatte sie ja nicht, sonst wäre es wohl anders um sie bestellt gewesen. „Warum diesmal gerade?" fragte ich. „Na, diesmal ist doch ein Jubiläum! Das erste Vierteljahrhundert meines Lebens schließe ich ab! Da gibt's was ganz Besonderes!" Und sie lachte geheimnißvoll. Dann fügte sie flüsternd hinzu und sah mich schelmisch dabei an: „Ein Kostümfest gibt's! Aber natürlich. Dich dispensire ich vom Kostüm. Einige wenige Ausnahmen werden zugelassen, unter anderen der Allerweltsmeper, den kennst Du doch? Und rathe einmal, wer noch? Sie ließ mich aber gar nicht mitrathen, sondern platzte sofort heraus: „Der neue Herr Rabbiner!" Vor wenigen Monaten hatte nämlich wirtlich an der neuen Synagoge nach dem Plötzlichen Tode des bis herigen Rabbiners ein neuer sein Amt angetreten, ein blutjunger, unverheiratheter Mensch, der sich durch sein vorzügliches Rednertalent die große Stelle im Fluge erobert hatte. „Das könnte mich fast reizen, diesmal zu kommen!" sagte ich, „ein 'Rabbiner im Kostüm — bic Erscheinung ist sc he ns werth!" „Aber rede doch nicht!" fiel Eäeilie ein, „im Kostüm lvird er doch nicht kommen! Was denkst Du denn? Aber zugesagt hat er mir ganz bestimmt! Fein, tvas? Das Souper lvird ertra seinetlvegeil inehrere Fischgerichte und ähnliche harmlose Dinge aufweisen! Da kannst Du dann doch auch mitessen!" „Liebe Eäcilie," erlviederte ich energisch, „Du lvcißt doch, loie penibel ich in dieser Sache bin! Bitte, verschone mich!" ,,'Ra ja! Aber kommen uiuftt Du doch! Wenigstens auf ein paar Stunden! Ja?" „'Run, ich lverdc sehen!" Damit lvar sie zufrieden und verabschiedete sich mit einem srendestrahlenden Gesicht von mir. Der Tag des Festes kam heran und ich lvar thatsächlich entschlossen, hinzugehen. Ich hatte die Sache Herrn Fromann vorgetragen und er gab mir den Rath: „Run, es ist doch immer Ihr Bruder! Und Sic sind doch schon ein erwachsener Mensch! Riskircn Sie's einmal!" Als er mich nun gar nach dem Termin des Festes fragte und überrascht konstatirte, daß dasselbe gerade auf Rosch chodcsch Sivan siel, da lvar bei mir der Würfel gefallen. Schließlich aber, loie der Abend herankam, stand mir gar nicht der Kopf darnach, eine Festlichkeit mitzulnachcn, und das hing folgendermaßen zusamnien: Seit etwa einein Jahre batte ich cs probirt, mit einem Theilc ln.cines ersparten Geldes an der Börse zu spekulieren. Ein Bekannter, den ich in jahrelangem Verkehr — wir „lernten" zusammen bei Dr. H. — als aufrichtigen Freund und Berather lieb gelvonnen hatte, ermunterte mich dazu und da er, loie ich wußte, rege Verbindungen zu Börsenkreisen unterhielt, lvar er stets über die Konjunktur auf's Vorzüglichste unterrichtet, und in der That, bereits einige Male lvar mir das Glück hold gewesen. itm jene Zeit jedoch begannen die Papiere, die ich gekauft hatte, rapide zli fallen. Just an jenem Abend gerade ging mir ein Schreiben von meiner Bank zu, lvelche mir nur noch eine Frist von acht Tagen gab, innerhalb deren neuer Zuschuß zu dem Depots erfolgen inüste, wenn sich die Papiere nicht ivieder erholten. Das war für mich ein schlimmer Trost, und mit dieser Sorge im Herzen machte ich mich, festlich gekleidet, auf den Weg zu der glänzenden Soiree im Hause ineines Bruders Salomon. Mein Brnder und meine Schivägerin lvaren aufrichtig erfreut, mich bei sich zu sehen. Ich hatte für meine Schwägerin ein schönes Geburtstagsgeschenk getalift. eine kostbare Rippsache, mit der sich Eäcilie wie eiil Kind [reute. Als sie mir in den» Kostüm einer schivarzivälder Bäuerin, in dein rothseidenen Rock und der blendend lveißen Bluse, die riesige schwarze Schleife

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