Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 68 (23.8.1900)
- Date
- 1900-08-23
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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53 hielten sich Donna Gracia und ihre Schwester noch einige Zeit auf, um einige Geschäfte zu erledigen. Unbesonnenheit und Missgunst der jüngeren Schwester, sowie deren schlechte Berater verführten diese infolge eines unglückseligen Streites mit Donna Gracia, diese dem venetianischen Staate als geheime Jüdin zu verraten, welche die Absicht habe, in Konstantinopel zum Judentume zurückzukehren, während sie sich als Judenchristin ausgab, die auch ferner bei der katholischen Religion verbleiben wollte. Dadurch hoffte sie den Erfolg zu erzielen, dass durch einen Machtspruch des venetianischen Senates Donna Gracia gezwungen werde, ihr das ihrige auszuhändigen. Allein sie hatte die Rechnung ohne die französische Regierung — in deren Länder ein Teil des Vermögens der Familie Nasi sich befand — gemacht, denn diese wollte sich solch einen fetten Bissen nicht so rasch aus dem Rachen reissen lassen. Der Staat von Venedig liess sofort Donna Gracia in Gewahrsam bringen und deren Vermögen einziehen; aber auch das Vermögen der jüngeren Schwester wurde staatlich eingezogen. Der Vermittler der Verläumdung war mit dem Sündenlohn, den er für sein ruchloses Werk erhalten hatte, nicht zufrieden und gab deshalb die jüngere Schwester der französischen Regierung an, die nun nichts Eiligeres zu thun hatte, als das Vermögen der jungen Mendezia in Schutz zu nehmen. Durch den beiden drohenden Ver mögensverlust reichten sich die Schwestern versöhnt die Hand, um gemeinsam die drohende Gefahr abzuwenden. Mit der französischen Regierung fanden sich die Schwestern dadurch ab, dass dieselbe ihnen ihr schweres Vermögen um ein bedeutendes erleichterte. Interessant sind die Anfragen der Schwestern bei den Rabbineu Moses di Frani, Josef ibn Leb und Josua Suncin wer von beiden die entstandenen Kosten zu tragen habe, oder ob sie gemeinsam zur Deckung derselben verpflichtet seien. Die betreffenden, sehr ausführlichen Antworten sind uns noch erhalten, wir wollen jedoch hier nicht weiter darauf eingehen, da sie uns hier doch nicht weiter interessiren. Die venetianische Regierung konnte sich immer noch nicht entschliessen, das Vermögen Gracias herauszugeben, selbst nachdem die französische Regierung das an sich gezogene fremde Gut zurückgegeben hatte. Donna Gracia schickte deshalb einen Boten an ihren Neffen und Schwiegersohn, damit er bei dem Sultan sich für sie verwende. Durch des jüdischen Leibarztes Moses Hamons und Don Josefs Bitten liess sich der Sultan Solymann bestimmen, einen eigenen Staatsboten nach Venedig zu schicken, mit dem kurzen und gemessenen Befehle „die Fremden nebst ihren Begleitern unverzüglich nach der Türkei abziehen zu lassen“. Im Jahre 1552 endlich konnte Donna Gracia mit ihrem Gefolge nach der Türkei, dem Lande ihrer Sehnsucht, übersiedeln und öffentlich zum Judentum sich bekennen. Sie lebte nun glücklich in Konstantinopel, sich des Glückes erfreuend, andern wohlthun zu können. Wir hören von ihr, dass sie überall, wo von ihrer Brüder Not ihr Kunde wurde, mit Rat und Thal ihnen zu helfen suchte, dass sie in Konstantinopel ein Lehrhaus errichtete und die Gelehrten reichlich unterstützte, dass sie in hohem Maasse ihre Liebe für das heilige Land bekundete, und endlich auch ihre Liebe zur heiligen Thora dadurch an den Tag legte, dass sie eine jüdische Druckerei in Konstantinopel einrichten liess, um jüdische Wissenschaft zu fördern. Don Josef Nasi war zur Zeit der Ankunft Donna Gracias in Konstantinopel am Hofe des Sultans bereits eine gern gesehene Persönlichkeit. Don Josef war nämlich durch Empfehlungsschreiben französischer Diplomaten dem Sultan So ly mau empfohlen worden. Der Sultan, ein feiner Menschenkenner, erkannte bald die vorzügliche Brauchbarkeit Don Josefs für diplomatische Geschäfte; er wusste dessen Kenntnis der Verhältnisse dev europäischen Höfe zu schätzen und wendete ihm Beweise seiner Gunst in reichem Masse zu. Don Josef stellte die Gunst, die sein Gebieter ihm zuwendete, in den Dienst seiner Glaubensgenossen. In Italien und den Staaten, die dem römischem Stuhle gehörten, hielten sich viele Juden, auch Marianen, auf und hatten dort den levantischen Handel bald zur Blüte gebracht. Die Beherrscher dieser Staaten wussten die ihnen daraus entstehenden Vorteile zu schätzen, und hatten aus diesem Grunde den Juden Schutz gegen die Inquisition zugesichert. Als aber Paul IV. am 12. Mai 1555 den päpstlichen Stuhl bestieg, hatte auch dort die religiöse Duldung aufgehört. Bereits in den ersten Juli tagen erliess der Papst ein Judenedict, des Inhalts, „dass kein portugiesischer Jude zum Zwecke des Handels den Hafen von Ancona besuche.“ Don Josef rief die Hilfe des Sultans an, der auch in der That ein eigenhändiges Schreiben an den Papst richtete, damit er das Verbot aufhebe, aber ohne Erfolg. Don Josef trachtete nun danach, dem Papste auf anderem Wege einen Hieb zu versetzen, und gleichzeitig die Juden vor dessen Unbilligkeiten zu schützen. Ganz erwünscht kam ihm dazu ein Anerbieten des Herzogs