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Der Israelit · 1900-08-23 · Heft 68 (23.8.1900) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 68 (23.8.1900)
Date
1900-08-23
Page
– (sequence 28)
Language
German
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52 Dichter und Geschichtsschreiber Samuel Usque und R. Jos. Karo, der Verfasser des Schulchan Aruch. Einem solchen Weibe wie Donna Gracia konnte also eine Sicherheit, die nur auf Täuschung anderer beruhte, unmöglich Zusagen. Ihr ganzes Sinnen und Trachten ging deshalb da hinaus, sobald wie möglich nach Konstantinopel zu entkommen. in die Stadt, wo ihren Glaubensgenossen das goldene Frühroth der religiösen Duldung und der freien Religionsübung aufgegangen war, wo sie unbewacht von den Argusaugen der heiligen Hermandad ruhig ihren Sabbat und ihre Festtage feiern durften, ohne die Festtage der katholischen Kirche mitfeiern zu müssen. Um ihr Vorhaben zur Ausführung zu bringen, musste Donna Gracia sich wieder einer List bedienen. Tn Antwerpen weilte ausser Donna Gracia jüngerer Schwester noch ein Verwandter derselben, ihr Neffe Don Josef Nasi, der als Maranne den Namen Don Juan Miguez führte. Vnsern Don Josef, einen mit den vorzüglichsten Gaben des Geistes und des Körpers ausgestatteten Mann, der in der Antwerpener Filiale Gracias thätig war, hatte diese wohl schon früher als Schwiegersohn, als Gatten für ihre Tochter Reyna, bestimmt. Eine Trauung nach jüdischem Ritus liess sich in Antwerpen nicht vollziehen, ohne alle daran Beteiligten dadurch in Lebensgefahr zu bringen. Don dosef und seine Braut reisten deshalb zusammen von Antwerpen ab, und in Antwerpen entstand das Gerücht, Don Josef habe Reyna entführt. Ja Stephan Gerl ach, der Don Josef am türkischen Hofe kennen gelernt hatte, glaubte auch an eine solche Entführungsgeschichte. Er schreibt darüber am 7. Januar 1577 in sein türkisches Tagebuch: ..Don Josef, der grosse Jude, ist aus Portugal!; und weil seines Weibes so sehr reich gewesenen Freunde den Heurath mit ihm nicht zulassen wollten, sie aber ihn als einen sehr schönen Jüngling gar lieb gehabt, sind sie beide mit einem grossen Schatz davongegangen “ Dem ist jedoch nicht so; wir haben hier nicht an eine Entführung Reynas zu denken, sondern mit grosser Ueberlegung und wohlweislichem Vorbedachte wurde die Abreise Don Josefs und seiner Braut durch Donna Gracia veranlasst, damit auch sie unauffällig. angeblich um die »Spuren der entflohenen Tochter aufzufinden, Flandern verlassen könne. Zunächst wandte sich Don Josef mit seiner Begleiterin nach Venedig, woselbst er, der in der Oeffentliclikeit noch als guter Katholik galt, einen herrlichen Beweis lieferte, dass sein Herz warm fühle für das Geschick seiner Glaubensgenossen, zu denen sich zu bekennen er noch nicht einmal wagen durfte. Tn Venedig lernte Juan Miguez — unter diesem Namen lebte er dort - - viele Juden kennen; er sah bald ein, dass deren »Sicherheit nur eine geringe, von den Launen der Ratsherren des Senats zu Venedig abhängige war. Er wandte sich deshalb, wie der Historiker Famianos Strada berichtet , an den Senat von Venedig mit der Bitte, dass dieser ihm eine Insel im venetiaiiischen Gebiete behufs Niederlassung von Juden und Maranneii an weisen möge. Der Senat schlug diese Bitte ohne Begründung ab, wahrscheinlich damit der venetianische Handel durch die jüdische Nation keine Einbusse erleide. Dieses Moment, bitte ich zu beachten; denn durch diesen abschlägigen Bescheid haben sich die Venetianer Don Josefs Feindschaft zugezogen, wofür er ihnen, wie wir weiter sehen werden, einen harten Schlag beibrachte, Don Josef verlies« hierauf Venedig und mit ihm, wahrscheinlich von ihm unterstützt noch 500 spanische Juden, als Reiseziel Konstantinopel im Auge habend, woselbst, wie Steph. Gerlach am 5. Mai 1575 in sein Tagebuch einträgt, ..über 10.000 Juden sein sollen, welche alle Christen gewesen, und der grosse Jud oder Herzog Josef soll deren 500, meistenteils Spanier, Italiener oder Welschen mit sich dahin gebracht haben.“ Donna Gracia war damals immer noch in Antwerpen, denn ihre Abreise wurde durch verschiedene Intriguen noch um zwei Jahre hinausgeschoben. Die immer an Ueberfluss von Geldmangel leidende Regierung hatte viele Verpflichtungen an das reiche Haus Nasi, und unter dem Deckmantel der heiligen Religion wollte man diese abschütteln, und nebenbei noch bedeutende Reichtümer einstreichen. ..Der verstorbene Schuldner der Staatskasse, der Schwager Donna Gracias ist Marrane gewesen, und sein Vermögen ist aus diesem Grunde dem Staate verfallen“ machte man geltend. Durch eine bedeutende Summe wusste Beatrice di Luna, wie Gracia in Antwerpen hiess, die geldgierige Regierung zufrieden zu stellen, damit sie wenigstens nicht das ganze Vermögen an sich ziehe. Nachdem Donna Gracia sich endlich mit dem Staate abgefunden hatte, richtete sie ihren Blick nach Konstantinopel, glücklich in der Hoffnung, in der Stadt am Bosporus mit ihren bereits zum Judentume zurückgekehrten Verwandten vereinigt zu werden. Donna Gracia verliess nun in Begleitung ihrer jüngeren Schwester, die testamentarisch ihrer Vormundschaft unterstellt war, Antwerpen, und reiste nach Venedig. Hier i

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