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Der Israelit · 1900-08-23 · Heft 68 (23.8.1900) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 68 (23.8.1900)
Date
1900-08-23
Page
– (sequence 30)
Language
German
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54 Guido Ubaldo von Urbino. Derselbe lagmit dem Papste im Interesse Spaniens in Streit. Um nun den Handel von Ancona zu .schädigen und gleichzeitig den von Pesaro zu heben, versprach Ubaldo den Juden Schutz zu gewähren vor den Nachstellungen des Papstes unter der Bedingung, dass alle Levantehandel treibenden Juden des Hafens von Pesaro sich bedienen, andernfalls würde er die Juden dem Papste ausliefern. Don Josef und seine Schwiegermutter Donna Gram wandten sich nun an die Eabbiuen mit der Bitte, den ('herein über Alle jene zu verhängen, die noch ferner den Hafen von Ancona für ihren Handel benützen.“ Nur einige Rabbinen konnten eine Lebensgefahr rnre: n^c für die Juden von Pesaro erblicken, so Rabbi Josef ben Leb und Rabbi Moses di Frani, die in sehr gelehrten Gutachten aus führten, dass man auch einem rvt: r»»e pce einer vielleicht eintreffenden Lebensgefahr die Juden von Pesaro nicht aussetzen dürfe. Der von den Juden in Ancona geltend gemachte Einwand, dass ihr Handel durch den weit schlechteren Hafen von Pesaro Schaden leide, sei wohl richtig, aber das sei erst eine weitere Frage, die nach dem talmudisehen Satze zu entscheiden sei '"22vnn wdass derjenige, der einen andern mit seinem Vermögen rettet, von dem andern Schadenersatz zu fordern habe.“ Anderer Meinung waren die Eabbiuen Josua Suncin und Josef, der Rabbiner der deutschen Gemeinde in Konstantinopel, welche in einem solchen Erlasse auch Gefahr für die Juden in Ancona erblickten, da der Papst diese dann wohl grausamer behandeln werde, wie bisher, und hier der Satz in Anwendung komme pm ps vt: "jce re: Lebensgefälirdung eines Menschen darf nicht zur Lebensrettung eines anderen benützen werden. Ausserdem, so machte man geltend, biete der (’harakter des Herzogs von Ubaldo keine genügende Garantie, dass er sein gegebenes Wort auch halte und die .luden genügend schütze. Don Josef und Donna Gracia gaben sich alle Mühe-, um diese Rabbinen zur Unterzeichnung des t'heiem zu bestimmen, aber umsonst. Selbst der Entzug des bisher von Don Josef gewährtem Lebensunterhalt konnte Rabbi Jos. nicht bestimmen, sich der Majorität der Unterschreibenden anzuscliUessen, und so konnte der ('herein nicht ausgesprochen werden und das Verbot des Hafens zu Ankona nict erfolgen. Hingegen wies man dem Herzog von Ubaldo eine reiche Geldentschädigung an. Dessenungeachtet lieferte er bald darauf die luden dem Pabste, mit dem er unterdessen sich ausgesöhnt hatte, aus. Bald darauf legte Don Josef den Grundstein zur Begründung seiner Gunst bei dem Nachfolger Solymans. Ein Streit um die Erbfolge in der Familie des Sultans zwischen Sei im und Bajazid, welche beide den türkischen Halbmond erben wollten, führte zum Krieg; Bajazid. der zum Schwert gegriffen hatte, musste nach Persien fliehen. (F. f.) Biographische Skizzen. 3. Elieser Heilbroim (Leser <Jhftrif). Der Name Heilbroim ist in der jüdischen Litteratur ziemlich stark vertreten und weist jeden falls auf die gleichnamige Stadt hin, wo im Mittelalter eine nicht unbedeutende jüdische Gemeinde sich befand. Der Name hat sich in verschiedenen Ländern, wo er vertreten ist, auch verschiedenartig gestaltet und erscheint unter den Formen Heilbroim, Ueilpern, Heilprin,Halpern und Alpern. Unser Elieser Heilbronn, der in Polen geboren ist, leitet seinen Ursprung zweifellos auch auf Deutschland zurück, da sein Urgrossvater sich auch tirtyx schrieb. Derselbe hiess sonst Mosche b. Sebulun Elieser Heilprin, war Rabbiner in Brisk (Litthauen) und ist \ erfasset' von rnra p-ct (Lublin DU 1); er war der Schwager des trenne. Sein Solm war Elieser Lipmann; sein Enkel Jsack, Rabbiner in Tiktin, war der Vater des Mordechai Heilprin in Ja ros law und dieser zeugte einen Sohn, unsern Elieser Heilbroim, der, 1048 in Jaroslaw geboren, gemeinschaftlich mit seinem Jugendgenossen R. Naftali Kolm (später Rabbiner in Frankfurt a, M.) bei dem damals berühmten Lehrer R. Josia in Przemysl seine Talmudkenntnis erweiterte, die er bei R. Saul Katzenellenbogen, Rabbiner in Pintsclio w, der später mit ihm in nähere Verwandtschaft trat, noch vervollkommnete. Elieser Heilbroim. dessen Scharfsinn ihm den Ehrennamen eines Uharif verschaffte (daher gewöhnlich R. Leser Uharif genannt), war zuerst Rabbiner in M e s e r i t z und dann in T omaszo w. Von liier erhielt er einen ehrenvollen Ruf nach Fürth, dem er Folge leistete. Am Donnerstag, 5. Nissan (25. März) 17001) wurde er mit grossen Ehrenbezeugungen in Fürth empfangen, wo er am folgenden Sabbat 'B) seine Antrittsdraschah hielt. Allein seine Wirksamkeit war nicht von langer Dauer. Nach einem halben Jahre fand seine verdienstvolle Thätigkeit ein schnelles Ende; im Alter von 52 Jahren starb er Freitag Abend 19. Tischri (29./.'F». September) 1700 und wurde Sonntag den 20. Tischri (8. Oktober) zur Erde bestattet. Die Inschrift 1) Unterwegs „auf der Reise zinn Antritt seines Rabbinats in Fürth“ erteilte er in Breslau am 25 Adar eine Approbation ziun nwN (Dyhornfurth 1702).

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