Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 68 (23.8.1900)
- Date
- 1900-08-23
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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93,000, nach anderen Berichten sogar 120,000 dieser Unglücklichen lenkten ihren Fuss nach dem nahen Portugal, um auch dort nach ganz kurzer Zeit wiederum den Kelch hitterslen Elends bis zur N ei ge zu leeren, ln der ersten Zeit wohl konnten die Juden in Portugal sich glücklich fühlen. Als aber Hon Manuel der König von Portugal um die Hand einer spanischen Infantin bei Isabella anhielt, hatte die letzte glückliche »Stunde der portugiesischen-Juden geschlagen. Hon Manuel erhielt die Zusage der Königin unter der Bedingung, dass er ein Sehut-z- und Trutzbündnis »Spaniens mit Portugal gegen Frankreich schliesse und sämnitliehe Juden, Eingeborene wie Eilige wunderte, aus dem Lande jage. Am 30. November 1396 wui de der Heiratlisvertrag unterzeichnet- und am 24. Dezember am fünften Tage des Ghanukafestes erschien die königliche Ordonanz, wonach ..innerhalb einer Frist von zehn Monaten alle .Juden, die sich nicht die Taufe reichen lassen wollen. Portugal zu verlassen haben'1. Einen Teil der Juden zwang man zur Taufe, andere, die sich diesem Ansinnen widersetzten, schlachtete man unbarmherzig hin, der grösste Teil der Juden nahm den Wanderstab — teilweise schon zum zweiten Male zur Hand, um das unfreundliche Land zu verlassen. Den in Portugal zuriickbleibenden Juden, welche der Gewalt erlagen, das christliche Bekenntniss auf der Zunge und die Liebe zum Judentum im Herzen trugen, wurde durch ein königliches Gesetz vom 30. Mai 1497 Amnestie gewährt und ihnen sogar gestattet, noch 20 Jahre Anhänger des Judentums bleiben zu dürfen, wenn nur äusserlich als gute Katholiken sie erscheinen. Don Manuel, dem es darum zu tliun war, die Juden ihrer Reichtümer und ihrer Geschicklichkeit wegen nicht aus dem Lande zu lassen, sorgte dafür, dass diese, denen die heuchlerische Maske des Katholicisimis zuwider war, diese nicht so leicht von sich abwerfen konnten, indem sie das Land verlassen. Er verbot deshalb den Katholiken mit den Marannen Tausch- oder Kaufgeschäfte abzuschliessen, insbesondere wenn sie liegende Güter betreffen, und endlich, dass kein Maranne mit Weib und Kind, ohne Genehmigung des Königs, das Land verlasse. Schwer wie ein Damoklesschwert lastete diese drakonische Bestimmung auch auf den Häuptern der Familie Mendez-Xasi. Im Jahre 1510 wurde einem Marannen, Namens Bevenisti, eine Tochter geboren, die in das Taufregister mit dem Namen Beatrice eingetragen wurde, die aber als eigentlichen jüdischen Namen die Benennung Gracia (f’hanna) erhielt. Zar blühenden Jungfrau herangereift, wurde Gracia mit einem Leidensgefährten Francisco Mendez-Nasi veiheicathet. Nach dem bald erfolgten Ableben ihres Gatten, der in Lissabon ein weitverzweigtes Bankgeschäft betrieben hatte, wollte sie den schon lange gehegten Wunsch ihres für Judas Glauben tieffühlenden Heizens in Erfüllung bringen und öffentlich zuni Judentum zuriirkkeliren. ln Portugal konnte sie dies unmöglich wagen, Auswanderung von da ohne Erlaubnis batte den Verlust ihres Ungeheuern Vermögens für sie bedeutet. So musste denn eine Inst ihr aus der Verlegenheit helfen. Unter dem Vorwände, dass ihr Bankgescldift in Antwerpen, dem ihr Schwager Diogo Mendez bevorstand, ihrer Gegenwart, bedürfe, verliess sie mit ihrer einzigen Tochter Reyna Lissabon, um nach Flandern zu ziehen. Aber auch in Antwerpen konnte sich Donna Gracia nicht glücklich fühlen, da sie es noch immer nicht wagen durfte, öffentlich abzulegen, das Bekenntnis vom einzig einigen Gotte, da Häscher sie auf »Schritt und Tritt verfolgten, um zu beobachten, ob sie die Ceremonien der katholischen Kirche nicht vernachlässige, Ceremonien, die ihr doch in der Seele verhasst sein mussten, wie es ihr überhaupt zuwider sein musste „Hass zu zeigen, wo sie dämmend, «nd Liebe zu verrathen, wo sie hassen musste", wie es ihr denn zuwider war, durch Lug und Trug ihr Leben zu fristen. Donna Gracia war, wie jüdische und nichtjüdische Schriftsteller ihrer Zeit uns berichten, „ein tugendhaft Weib mit hellem Sinn für alles Edle, Gute und Wahre empfänglich, sonder Lug und Trug, hilfsbereit allen denen, die um ihre Hilfe sie baten.“ Rabbi Joseph ibn Leb in der Vorrede zu seinen RGA. gedenkt ihrer mit ehrenden Epitheta’s. „Die rulimgekrünte Herrin, ausgezeichnet durch Familienadel und Seelengrösse, die Tochter der Könige der Urzeit“ und Rabbi Josua Zunzin in seinen R.G.A. nennt sie schwungvoll „die Herrin, die Krone der S(haaren Israel’s, die weise Frau, die das Haus Israel s mit Reinheit, Weisheit und Heiligkeit errichtet, die den Armen und Dürftigen stützet, die ihnen hehülflich für Ruhe, in dieser und jener Welt, sie die edle Förderin der jüdischen Lehre und ihrer Lehrer, die Lehrhäuser errichtet und ihren Gelehrten Unterhalt giebt.- In gleicher Weise sprachen mit Liebe und Anerkennung von ihr die berühmten Rabbiner Samuel di Modena, Moses di Trani, Salomon Häkchen, Mose.s Almosnino. Imanuel Abaab, der