Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 68 (23.8.1900)
- Date
- 1900-08-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1397 Inner, Dr. No s e n a k, auch für sein unermüdliches Streben Dank, ebenso zeigt die Regierungsbehörde sich so loyal, daß es gelungen ist, eine Verfügung zu erlangen, die nicht nur für Bremen, sondern für den gesammten Rabbinerstand von weittragendster Bedeutung ist. Die Verfügung lautet: Sternen, 20. August 1900. Auf Ihre am 14. d. Mts. an uns gerichtete, von dem Vorstand der hiesigen Israelitischen Gemeinde befürwortete Vorstellung eröffnen wir Ihnen — bei Rückgabe der eingereichten Denkschrift — mit Genehmigung des Senats, daß Ihnen, als dem obrigkeitlich anerkannten Rabbiner und Prediger der israelitischen Gemeinde in Bremen, die ausschließliche Befugniß zusteht, im Bezirk dieser Gemeinde die religiöse Einsegnung (Trauung) israelitischer Ehepaare vorzunehmen, soweit Sie nicht in einzelnen Jütten einem anderen israelitischen Religionslehrer die Vollziehung einer solchen Handlung gestatten. Sollten künftig noch Eingriffe in diese Ihre Amtsbefugniß Vorkommen, so bleibt Ihnen anhcimgestettt, zur Veranlassung des lveiter Erforderlichen uns ^Anzeige zu machen. Dem Vorstand Ihrer Gemeinde lassen wir eine Abschrift dieser Verfügung zugehen. Die Senatskommission für die kirchl. Angelegenheiten, (gez.) E h nt ck. An den Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Herrn Dr. L. R o s e n a k hier. — Daß die Gemeinde in Bremen durch die zahlreichen Auswanderer auch auf dem Gebiete der Wohlthütiglcit mehr als jede andere Gemeinde in Anspruch genommen ist, kann man sich leicht denken. Es ist geradezu herrlich, wie der Vorstand hier mit Einsetzung der persönlichen Kraft dem Rabbiner zur Seite steht. Da wurden diese Woche an einem Tage 280 rumänische Auswanderer in der jüdischen Volksküche gespeist, und sah man den ersten Vorsteher, Herrn Nathan Abra - 1) ö nt und die drei anderen Vorsteher, die Herren E. A b r a h a m *, Ker n und Aschendorf u. s. lu. persönlich Kellnerdienste leisten, unermüdlich helfend bis zum späten Abend. Es war ein rührendes und erhebendes Schauspiel. Der Norddeutsche Lloyd steht in jeder Beziehung helfend zur Seite. Derselbe stellt Räume zur Verfügung, ja, will sich sogar für Unterbringung der Rumänen intereffiren, eine Aussicht, die eine schöne Lösung der rumänischen Frage bedeuten könnte, wenn sie sich verwirklicht. Jedenfalls herrscht hier in der Gemeinde ein herrliches ideales Leben, das für die Zukunft zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. M. Nccö. In der Voraussetzung, daß eine berufenere Feder schon in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes den geehrten Lesern desselben von der Jubiläumsfestlichkeit des weit über die Grenzen unseres Vaterlandes bekannten Lehrers L. Cohen in Rees, welche am 8. August gefeiert wurde, erzählen lvürde, sehe ich mich getäuscht und nehme dcßhalb erst heute Veranlassung, Sie zu bitten, meinen an Ort und Stelle gemachten Aufzeichnungen in den Spalten Ihres gesch. Blattes Raum zu geben. Wie mir, mag es so Manchem ergangen sein, der sich zu schwach fühlte, das Gesehene und Gehörte in würdiger Weise zu schildern und deßhalb unterblieb bis jetzt wohl ein Bericht, ein Versäum niß, welches ich heute nachhvlcn möchte. Die kleine, saubere Kreisstadt Rees hatte Festschmuck angelegt, überall sah man Fahnen, überall erwartungsfrohe heitere Gesichter, es schien ein Festtag hier zu sein. Vor dem wunderschön mit Grün beschmückten Hause des Jubilars war ein Drängen und Wogen, als lvürde eine hohe Persönlichkeit in der zehnten Morgenstunde erivartet. Um diese Zeit erschien denn auch der Herr Superintendent Greevcu und der Herr Bürgermeister, sowie die Honoratioren der Stadt, um ihre Glückwünsche darzubringen. Der Herr Superinteitdent leitete seine Ansprache mit den Bibclwortcn „Bis hierher hat mir Gott geholfen" etc. ein, und beglückwünschte den Jubilar auf's Herzlichste. In amtlicher Eigenschaft sprach der Herr Bürgermeister seine Glückwünsche ans itnd schloß mit der Mitthcilung, daß Se. Majestät dem Jubilar als Anerkeitnung für sein Wirken zum Wohle von Gemeinde und Staat den Adler der Inhaber des hohcnzollernschen Hausordens mit der Jahreszahl 50 verliehen habe. Hieran reihten sich andere Gratulanten; Mädchen aus anderen Lehranstalten gratulierten in sinnreicher poetischer Sprache. Der Vorsteher der isr. Gemeinde überreichte im Austrage dieser, sowie der früheren Reeser Schülerinnen und Schüler des Herrn Cohn ein herrliches Geschenk. Hieran schloß sich ein Festgottesdienst, in dem Herr Lehrer Spier Wesel, die Festrede hielt. Die Worte dieses Herrn lvirkten in ihrer magischen Gelvalt auf alle Zuhörer. Das Festdiner fand im engeren Familienkreise statt. Um 8'- Uhr Nachmittags waren die weiten Räume des Restaurants Fischer, welches hart am Ufer des Rheins liegt, schon gefüllt, und als gegen 4 Uhr der Jubilar den Saal betrat, intonirtc die Militär-Kapelle den Willkommen Gruß. Wie ein Patriarch sah der Gefeierte aus, als er neben seiner Gemahlin, zwischen dem Herrn Supcrin tenden und dem Herrn Bürgermeister an der Festtafel saß. Als er mit seiner wunderbar mächtigen Stimme seine Danksagung mit n ->-rr ar;r p-i-i-H a^tr e^e* vrwen beginnend, abstattcte, schien es, als wohne in dem 70-Jährigen jene Jünglingskraft, die einst unfern Ahnen in gleichem Alter noch inne war. Es wechselten dann Lieder und Reden und das Fest schien den Höhepunkt erreicht zu haben, als gegen 7 Uhr eine Abordnung von 25 Lehrer der Rees-Emp ler Lehrer-Converenz, unter Führer des Oberlehrers Herrn Schwarzkops, kamen. Nachdem diese Herren zwei Lieder vorgetragen und in den bunten Reihen Platz genommen, nahm Herr Lilienfeld, Lehrer ans Steele,