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Der Israelit · 1900-08-23 · Heft 68 (23.8.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 68 (23.8.1900)
Date
1900-08-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1396 setzte und hier unserm Leben das Gesetz zur freien Erfüllung schrieb. — So wie jene Gesetze unwandelbar bestehen, wie wandelbar auch der Menschen Ansicht zu ihrer Erfassung sein möge, also ist auch solches Streben hier nur Aufhellung des Gesetzes für unser Auge, und Mitaufnahme desselben als Thatsache. Zur Erkenntnis; der Natur und unserer selber, nimmer aber Begründung derselben; beim hier wie dort steht uns als Gründer Gott!" Zeitungsnachrichten nnd (Korrespondenzen. Deutschland. Breslau, im Aug. Obwohl es für einen sich nur vorübergehend hier Aufhaltenden, >vie Schreiber dieser Zeilen, eine undankbare Aufgabe ist, über die religiösen Verhältnisse und Zustande der alten und großen Gemeinde Breslau zu berichten, an deren Spitze in früheren Jahren berühmte Rabbiner und Dajonim in streng-orthodoxem Sinn gelehrt und gewirkt haben, so gibt ein schwerer Verlust, den leider diese Gemeinde in den jüngsten Tagen erlitten, Veranlasiung, die Oeffentlichkeit mit demselben zu beschäftigen. Am Sonntag, den 25. Tamus (22.Juli), reiste der Dajan Reb Schve Lewinski nach Bad Salzbrunn, um seine dort weilende Gemahlin zu besuchen und gleich zeitig die einzige in den schlesischen Bädern unter seiner Aussicht stehende Restauration zu inspizieren. Während der Fahrt kühlte sich derselbe Plötzlich so unpäßlich, daß er aus der Zwischenstation Eanth gezwungen war, einen dortigen Arzt zu konsultiren. .Kaum in besten Wohnung angelangt, lvurde er von einem Gehirnschlag getroffen, der den Tod herbeiführte. Der Arzt sandte sofort zu einem Glaubensgenossen des Verstorbenen, der außer einem kleinen Geldbetrag nur noch ein Thilim mit sich führte, das den Namen Schye Letviuski mit Bleistift geschrieben, enthielt. Nachdem die Trauerkunde sich gegen Abend in Breslau rasch verbreitete, fuhren einige Herren nach Eanth, um die Ileberführung der Leiche am Montag zu bewerkstelligen. Die Lewajoh fand Dienstag Nachmittag 4 Uhr statt. Im Trauerhause sprach der Reffe und Schüler des Verstorbenen, Rabb. Dr. Wreschner, Samter, welcher einen würdigen Hesped hielt. Die ungemein große Bethciligung an dem Leichenzuge gab ein Zeugniß von der Beliebtheit des Verstorbenen und von der innigen Theilnahme des schweren Verlustes, den die ^ntnilie erlitten. Auf dem Friedhöfe angelangt, hielt in der Leichenhalle die eigentliche Trauerrede Herr Rabbiner Dr. R o s e n t h a l. welcher in beredten Worten die großen und herrlichen Eigenschaften dieses Talmid chochom, der er im wahrsten Sinne des Wortes gewesen, schilderte. Der Redner hob in glänzender Weise besonders hervor, daß der Verblichene ein ausgezeichneter Mauroh haurooh, speziell Trefoth-Angelegcnheiteu betreffend, gewesen, sowie dessen unübertrefflichen Gerechtigkeitssinn, dessen Liebenswürdigkeit gegen Jedermann, sowie dessen imposante Erscheinung, so daß man mit Recht sagen konnte, daß sich ein schöner Geist in einer schönen Hülle befand, welche Tugenden und Eigenschaften auch von Andersgläubigen vollauf gewürdigt wurden. Hierauf fand die Kewuroh unter Astistenz der heil. Brüderschaft statt. Das Andenken an diesen großen Mann wird sicher bei sämmtlichen Mitgliedern der Gemeinde Breslau's, sowie bei allen Fremden, die denselben kannten, ein dauerndes sein. Am besten wird jedoch dieses Andenken dadurch gewahrt, wenn die maßgebenden Herren unter Mitwirkung des Rabbinats und der leider sehr wenigen strengorthodoxen Mitglieder der Gemeinde, einen Mann als N'achfolgcr berufen, der im Sinne des Verstorbenen weiter wirkt. Allerdings wird es für den Nachfolger sehr schwer sein, diesen Posten voll und ganz auszufüllen, denn hierzu bedarf cs in erster Linie eines eisernen Jehudis, der mit aller Strenge den Gegenströmungen die Stirne zu bieten vermag; wohl kann er auf die Unterstützung des Herrn Rabb. Dr. Rosenthal rechnen, allein dieser in allen Kreisen so sehr beliebte Rabbiner ist durch sein Amt, als auch in und außer seinem Berufe derart in Anspruch genommen, daß man bei dem zukünftigen Dajan eine gewisse Selbstständigkeit voraussetzen muß. Eine große, aber dankbare Aufgabe harrt desselben auch außer seiner begrenzten Amtsthätigkeit. Wenn auch bei einem winzig kleinen Theile dieser großen Gemeinde noch ein gewisser religiöser Sinn herrscht, so liegt doch die Befürchtung nahe, daß derselbe mit der Zeit ganz verschwinden werde, zumal die jetzt bestehenden Zustände einen wirklich orthodoxen Jehudi knapp befriedigen können. Talmud Thora wird hier nur in beschränktem Maße von älteren Leuten gepflegt. Die Heranwachsende Jugend aber gibt in dieser Beziehung ein unerfreuliches Bild. Mit dem frommen Wunsche, daß der Posten eines Dajan durch einen Mann besetzt wird, der die so dringend nötbige Abhilfe schafft, schließe ich in der Hoffnung, Ihnen, m. g. H., bald Günstiges hierüber berichten zu können. Bremen. Es gibt eine Art Gemeinden, in denen die Keime des Guten schlummern u. die nur des befruchtenden Regens harren, um hervorzubrechen und ihre Blüthen zu entfalten. Eine solche jüdische Gemeinde ist Bremen. Wie hier in den letzten Jahren die Religiosität sich entfaltet hat und wie die Institutionen zu gemeinsamen edlen Werken hier entstanden sind, das vermag nur derjenige zu beurtheilen, der wie ich Gelegenheit hat, solche Fortschritte immer von Neuem zu beobachten. Die Gemeinde weiß wenigstens ihrem Rab-

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