Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 67 (20.8.1900)
- Date
- 1900-08-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1373 Serie von statistischen Tabellen und graphischen Darstellungen ausgestellt, durch welche der durch die Juden im Lande gestistete große Segen aus's Evidenteste nachgewiesen wird. Durch die erste Tafel wird nachgewiesen, daß im Ansiedelungsration der Preis von Grund und Boden 19 pEt. höher ist, als in den Gouvernelnents, wo den Juden der ständige Aufenthalt verboten ist; Syphilis und Prostitution graffiren unter der Bevölkerung des Ansiedelungsrahons weit weniger, als im übrigen Rußland und selbst die Zahl der Verbrecher ist da geringer. Eine weitere Reihe von Tafeln beweist, daß im Rayon die rückständigen Steuern geringer, der Viehreichthum aber größer ist, als in den „judenreinen" Gouvernements, und daß ferner in den 25 Gouvernements des Ansiedelungsrayon jährlich für acht Million Rubel weniger Schnaps verbraucht wird, eine Ersparniß, welche die Bauern zur Verbesierung ihres lebenden und todten landwirthschaftlichen Inventars, sowie zur Zahlung von Steuern verwenden. Was die Juden selber anbelangt, so wird durch statistische Ziffern der unwiderlegliche zahlenmäßige Beweis geführt, daß e i n jüdischer Verbrecher auf 2170 Menschen kommt, während bei der übrigen Bevölkerung Rußlands ein Verbrecher schon auf 715 Menschen kommt. Eine weitere Reihe von Tabellen schildert den Juden als .Kaufmann, wobei Herr Bloch zu überraschenden Resultaten kommt: Die Juden sind nur im Kleinhandel groß, während sie sich mit großen Handelsunternehmen ungern abgeben. Im Ansiedelungsrayon stellen die Juden die größte Hälfte der gesummten Handeltreibenden dar. der von ihnen erzielte Umsatz beträgt aber nur 456 Million Rubel, während der Umsatz der kleineren Hälfte, der christlichen Handeltreibenden, sich auf 489 Million beläuft. Der größte Theil der jüdischen Händler sind kleine Detalisten, deren tägliche Loosung 1—o Rubel beträgt, woran 20—60 Kopeken (0,40 bis 1,20 Mk.) verdient wird. Und um einen solchen kläglichen Gelvinn zu erzielen, muß der jüdische Detailist 12—16 Stunden täglich arbeiten und „handeln." Wahrlich kein beneidenslverthes Loos. Die Zahl der jüdischen Handwerker im Ansiedeluugsrayon beziffert Herr Bloch auf 3,101,560, gleich 78 pEt. aller Handwerker. Diese Ziffern reden eine unzweideutige Sprache! Die Juden im Ansiedelungsrayon bilden kaum 20 pCt. der Gesammtbevölkerung, dafür aber 78 pCt. aller Handwerker. Und da reden unsere „guten Freunde" von Mangel an Handwerker unter den Juden! Die Lage dieser Handwerker ist äußerst traurig. Ihr Jabresverdienst beträgt durchschnittlich 171 Rubel. Rußland. Warschau. Vierzig Prozent jüdische Schüler darf die am 29. März d. I. konzessionirte Handelsschule aufnehmen. Dieselbe ist von der „Warschauer Kaufmannschaft", d. h. von den Juden Warschaus errichtet und besitzt alle Rechte eines Realgymnasiums. Seine Absolvirung berechtigt zum Eintritt in eine technische Hochschule, gewährt beim Militär das Privilegium der 1' ^.jährigen Dienstzeit und verleiht ihren Abiturienten den Titel eines Ehrenbürgers. Da die 10 Prozent Juden, lvelche die Mit'clschulen aufnehmen dürfen, erreicht waren, so daß auf je eine in irgend einer Mittelschule frei werdende Stelle sich 12—15 Bewerber fanden, so bedeutet die Eröffnung der neuen Handelsschule für die Juden Warschaus eine große Erleichterung. Ist es doch ein öffentliches Geheimnis; in Warschau, daß das Unterbringen eines jüdischen Knaben in einem Gymnasium oder Realschule 500 Rubel Bakschisch kostet! Ob aber durch die neue Schule, welche am 1. September eröffnet werden soll, dem dringenden Bedürfniß der Juden nach einer Mittelschule auch nur für die erste Zeit abgeholfen werden wird, hängt leider von der Zahl der sich meldenden Christen ab. Bleiben diese letzteren der neuen Schule fern, was bei dem Umstande, daß den Nichtjuden ja der Zutritt zu den anderen Schulen offen steht, nicht ausgeschlossen ist, so ist den Juden bei der Beschränkung der aufzunehmenden Juden auf 40 pEt. der nichtjüdischen Schüler mit der fast ausschließlich auf ihre Kosten gegründeten Handelsschule wenig gedient. T. Amerika. Montrcal (Eanada), 6. Aug. Gestern Abend brachte der englische Dampfer „Lake Ehamplain" von Liverpool etwa 350 rumänischer Einwanderer hierher. Seit 1891 sind hier keine Einwanderer mehr gelandet worden, da alle Einwanderer stets schon in Ouebee an's Land geschafft, abgefcrtigt und von da per Bahn nach den verschiedenen Gegenden Eanadas und Amerikas gesandt wurden. Es verlautete denn auch bald, daß diese 350 Rumänen auf Befehl der Regierung in Ottawa vorläufig noch festzuhalten seien und keine Erlaubniß erhalten dürften, den Dampfer zu verlassen, noch mit Freunden und Religionsgenossen anders als vom Schiffe aus sich zu unterhalten. Bon Letzteren waren eine große Anzahl erschienen, ebenso Vertreter der Baron Hirsch-Gesellschaft sowie anderer jüdischen Uuterstützungsvereine, aber Niemand durfte an Bord und der Verkehr geschah denn auch lediglich aus einiger Entfernung mündlich oder schriftlich. Genannte Vereine haben einen sehr energischen Protest nach Ottawa gesandt und sie erklären darin die Behauptung, daß die Einwanderer „Paupers" seien, für unbegründet; dieselben hätten Geld genug, um ihre Reise nach dem Innern des Landes eventuell selbst bezahlen zu können und außerdem wären sie als Handwerker im Stande, sich selbst durchzuschlagen, sie würden dem Lande nicht zur Last fallen. Es ist möglich, daß man in diesem Falle die 350 Leute in's Land hineinlassen wird, daß aber in Zukunft besonders strenge Maßregeln getroffen werden, um einen weiteren Zufluß von Leuten, die nicht in der