Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 67 (20.8.1900)
- Date
- 1900-08-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1372 .7pb'^ *5«?agrygg Adaß Jsroel bei der Berufung eines Rabbiners rühmlichst hervorzuheben. Sie veranstaltete nicht ein usuelles Wettpredigen, welches unseres Trachtens ganz und gar nicht am Platze ist, überhaupt nahm sie von einer Probepredigt Abstand und berief einen Mann zu ihrem Rabbiner, ohne das', er sich darum beivorben hätte. So ist es dem heiligen Amte und der Thora würdig, möge dies allseits Nachahmung finden. Durch dieses Vorgehen, welches in jeder Weise ehrenhaft ist, entschloß sich imser Rabbiner nach langem Zögern, der Berufung Folge zu leisten. -Aust Ostpreusrcn. Die Eidesvertveigerung des Leutnants und Rittergutsbesitzers List vor einem jüdischen Assessor in Saalfeld, Ostpr., hat vor Kurzem ihren Abschluß gefunden. Nachdem Herr L. am 12. Juli c. zu 200 Mk. Geldbuße und zur Tragung der Kosten eines neuen Termines verurtheilt wurde u. seine Beschwerde darüber vom Kgl. Landgericht Braunsberg zurückgewiesen wurde, erschien Herr L. zum neuen Termin von demselben jüdischen Affessor mit den Worten: Gezwungen von der Gewalt des Staates lvill ich den Eid leisten und schwur. Der fromme Herr L., der noch Zusätze zur Gidesformel murmelte, wurde lvegen Un gebühr vor Gericht zu 100 Ml. Geldbuße verurtheilt, die er sofort entrichtete. I. S. Ans- Thüringen, 16. Aug. Es dürfte vielen Ihrer Leser unbekannt sein, daß in dem idyllisch gelegenen Städtchen Arnstadt — Schw. Sondershausen — die Schechitah verboten ist. Man hat hier nicht etwa aus Humanitätsdusel gehandelt, man führt vielmehr das Verbot auf das verspätete Anmelden seitens der völligen Synagogengemeinde zurück. Alle Bemühungen selbst hervorragender Rabbinen und sonstiger Männer von Ruf, ja selbst Audienzen beim Fürsten von Schwarzburg Sondershausen vermochten nicht, die in das religiöse Leben der Arnstädter Gemeinde tief einschneidende Maßregel des dortigen Magistrates rückgängig zu machen. Die ja schon stark vorhandene Lauigkeit in allen religiösen Dingen bei einem großen Theile der Gemeindemitglieder, genährt durch dcu geringen Ginfluß einzelner Kultusbeamtcn, fand durch das Schächtverbot neue Nahrung und so kam es, daß in dein sonst gut religiösen Arnstadt heute nur noch wenige Familien vorhanden sind, deren Haushalt streng koscher ist. Wenn Schreiber dieser Zeilen von den betrübenden Zuständen einer ziemlich großen Gemeinde weiteren Kreisen Kenntnis; gibt, so geschieht es nur, um eine Anregung nach der einen oder anderen Richtung zu geben, hier rathend und helfend beizuspringen. Vielleicht gelingt cs noch, das schreiende Unrecht wieder gutzumachen. S. Ariedrichstadt, 16. Aug. Die Antwort der Kgl. Regierung auf die Eingabe des Verbandes schlesw.- holst. Thierschutzvereine betr. das Verfahren beim Viehschlachten lautet mit Bezug auf das Schächten: „Der weiteren Forderung, auch beim Schächten nach mosaischem Ritus die Schlachtthiere vorher zu betäuben, steht an sich nichts entgegen, doch halte ich es nicht für richtig, für den ganzen Umfang des Regierungsbezirkes schon jetzt eine Polizeiverordnung hierüber zu erlassen. In einer ganzen Reihe von Kreisen unserer Provinz kommt das Schächten überhaupt nicht vor, und wo es stattfindet, sind die Ansichten darüber, ob das Thier bei dieser Proeetur größere Qualen zu erleiden hat, als bei der sonstigen Schlachtmethode, sehr getheilt. Ich glaube, daß es angezeigt ist, mit einem Vorgehen in obigem Sinne zu warten, bis sich die Meinungen weiter geklärt haben. Im klebrigen bemerke ich, daß durch die in Folge Ihrer Eingabe angestellten Erhebungen die Behörden von Neuem angeregt sind, der bestehenden Polizeiverordnung ihr Augenmerk zuzuwenden. Sollte sich im Laufe der Zeit die Nothwendigkeit einer wiederholten Publikation Herausstellen, so werde ich dabei die dankenswerthen Anregungen des Verbandes soweit möglich verwerthen. Oe st er r. -Ungar. Monarchie. Prag. Am 19. Ab feierte der in unserer Gemeinde und weit über deren Grenzen hinaus allseits bekannte und geschätzte Stiftungsrabbiner Herr Löb A u st e r - l i tz sein 60. Geburtssest. Einer berühmten, alten Prager Familie entstammend, steht auch der Jubilar auf dem Boden des unverfälschten, traditionellen Judenthums. Wir schätzen in ihm den Menschenfreund, der es versteht, altjüdisches Gemilus chasodim u. wahre Zedakah zu üben, den gewandten Mohel, der bereits gegen 1600 Kinder eingeführt hat in den Bund unseres Vaters Abraham. Wir schätzen in ihm den aufrichtigen Jehudi, der, ohne mit Glücksgütern gesegnet zu sein, keine Mühe und kein Opfer scheut, wo es gilt, eine Mizwah zu üben. Trotzdem nun der Jubilar in rührender Bescheidenheit seines Festes nirgends Erwähnung that, konnte er dennoch nicht hindern, daß seine zahlreichen Freunde und Verehrer Kenntniß davon erhielten und gerne Gelegenheit nahmen, ihm von neuem ihre Verehrung zu erweisen, so daß er bereits am verflossenen Sabbat Nachmu beim Morgengottesdienste in der Jerusalem - Synagoge zum Gegenstände herzlicher Ovationen gemacht wurde, die wiederum neues Zeugniß dafür ablegten, daß seine Verdienste als Jude und Mensch bei allen Jenen Anerkennung gefunden haben, die an der Wahrung des väterlichen, ewig unwandelbaren Glaubens wahrhaften Antheil nehmen. Auch wir rufen dem Jubilar ein herzliches Masseltof zu und wünschen, daß es ihm vergönnt sein möge, noch eine lange, lange Reihe von Jahren in gleicher körperlicher und geistiger Frische thätig zu sein zur Freude seiner Verehrer, ein leuchtendes Vorbild eines wahren Jehudi! Frankreich. Pari«!, 16. Aug. Eine Verherrlichung der russ. Juden auf der Pariser Weltausstellung hat der bekannte Bankier Bloch aus Warschau geliefert. Unter der Ueberschrift „Etudes sur les Jsraelites" hat er eine