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Der Israelit · 1900-08-20 · Heft 67 (20.8.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 67 (20.8.1900)
Date
1900-08-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1370 \ Haupte entluden und der drohenden Gefahren, mit denen er den Kampf aufzunehmen hatte, zieht heute Kaiser Franz Josef, geschmückt nicht bloß mit der erblichen Krone des Königthums, sondern auch verherrlicht durch die Krone, die der große Neberwinder sich selbst erworben, in den ruhigen Hafen des Greisenalters ein. Wir wollen nicht wie jene Menge in stumpfem Gleichmuth an diesem großen Augenblicke Vorbeigehen. Mit dem Worte Salomos: fere er „Bester ist der selbsterworbene Ruf als die ererbte Krone," begreifen wir am besten seine große Bedeutung. Das Königtbum stellt den Menschen auf eine so hohe Stufe, über die hinaus es fast nichts mehr zu erreichen gibt. Der eine Gipfel, der von dieser Höhe aus von Menschen noch allenfalls erklommen werden kann — der Ruhm des hohen Dulders und Ueberwinders, — auch ihn hat Kaiser Franz Josef als ein strahlendes Diadem um sein Haupt gewunden. So erübrigt uns nur noch, unsere Herzen in dem einen Wunsche zu vereinigen, daß eine gütige Vorsehung es ihm vergönnen möge, eine dritte Krone —rrrr rpeybie des Greisenalters noch lange Zeit - - sich zum Ruhme, dem Vaterlande zum Segen zu tragen. Da wir nun heute gerade vom Kaiser gesprochen, so .sei die Gelegenheit wahrgenommen, ein wichtiges Ereigniß in Erinnerung zu bringen, das dainit in naher Beziehung steht. Wir sind nämlich allesammt zur Audienz bei Sr. Majestät befohlen. Dieselbe ist ganz nahe bevorstehend, — soll in fünf Wochen etwa schon stattfinden. Heute sind bereits die Einladungen dazu ausgcgeben worden. Wißt Ihr wo? Eben jetzt, hier in diesem Bethause. Ihr habt es doch alle vernommen, daß der Eintritt des Monats angelündigt worden, an dessen Ausgang die große Audienz stattfindet. Denket, wir hätten in fünf Wochen im kaiserlichen Hof unsere Aufwartung zu machen, was gäbe es da für eifervolles Schaffen, um alles recht in Ordnung zu bringen? Wie würden wir unsere Rede wohl setzen, um nur möglichst großen Eindruck damit zu erzielen! Die Wiener Damen gar könnten sich von ihrem Eifer leicht so weit hinreißen lasten, daß sie bei den zur Vorbereitung erforderlichen Arbeiten, wer weiß, in welche bedenkliche Verwickelungen mit den Sabbatgeboten geriethen. Run. da uns der große Audienztag bevorsteht, —. nicht bloß vor Sr. Majestät 2>em Kaiser Franz Josef, sondern vor Sr. Majestät dem Kaiser aller Kaiser — dem großen und heiligen Gotte, so werden wir um so weniger in stumpfer Nachlässigkeit die Tage verstreichen lassen. Wir müßten alsdann schließlich wie grobes Gesindel mit Sack und Pack einfach mit der Thür ins Haus stürzen. Das kann bei uns um so weniger angehen, als wir sonst moderne Menschen sind, die wissen, was Anstand und edle Sitten von uns verlangen. Wie könnten wir bei so unvortheilhaftem Auftreten erwarten, daß unsere Worte auch nur von irgend welchem Erfolge begleitet sein werden? — Wollte jemand sagen: Ach, was liegt mir an könig licher Gnade überhaupt? Ich bin ein Mann und verlange als solcher nur mein Recht! So sei dem gegenüber daran erinnert, daß auch ihnen ein Audicnztag bevorsteht, an dem sie zur Rechenschaft gefordert lverden. Als unser großer Weise, Rabbi Jochanan ben Sakkai, vor der eben erwähnten großen Audienz stand, besuchten ihn gerade seine Schüler. Sie fanden ihn weinend8 prnn irre rren -nvv brrir' 7 „Leuchte Israels, Du starke Säule, Du gewaltiger Hammer", redeten sie ihn an, „warum tveinst Du?" Er erwiderte: Würde man mich vor einen irdischen König zur Rechen schaft fordern, der heute zlvar hier regiert, morgen jedoch vielleicht schon im Grabe modert; - der mich zwar strafen kann, dessen Strafe jedoch keine unabwendbare; der mich zlvar tödten, dessen Tod jedoch keinen ewigen Tod bedeutet; den ich aber anderer scits durch Worte begütigen und durch Geschenke günstig für mich stimmen kann, tvie »stirde ich dennoch, ange sichtS dessen, toas mir bevorsteht, tveinen. Nun erst, da ich Rechenschaft vor dem König aller Könige ablegcn soll, den ich weder mit Worten begütigen, noch durch Geschenke umstimmen kann! Wenn er mich straft, so ist die Strafe unabwendbar, wenn er mich tödtet, so ist das ein Tod für alle Elvigkeit, sollte ich angesichts dessen nicht um so mehr tveinen? Wann toir zu dieser großen Audienz befohlen werden? Wer vermag es zu sagen? Da wir dies niemals vorher erfahren, so gibt uns Salomo den Rath: “p-es tt rv bee „Zu allen Zeiten sei dein Ge. tvand tveiß!" Wir nlüssen es damit so hallen, wie die Leute, tvenn sie aussahren wollen. Die zahlen können, brauchen um eine Fahrgelegenheit nicht besorgt zu sein. Sie lassen einen Fiacker Vorfahren und steigen ein, tvenn immer es ihnen beliebt. Die armen Leute aber müssen sich zeitlich an den Wegesrand stellen und warten, bis irgend eine Fahrgelegenheit sich bietet, die sie ausnimmt. So geht es auch uns auf dem Wege zur großen Audienz. Die genügend mit Tugend und frommen Werken versehen sind, brauchen nicht zu bangen, tvie sie mitkontmen. "isex^ --j -n-e- "pp-iir 7:2b “brr Ihre Tugenden fahren bei ihnen vor, und die Majestät Gottes nimmt sie in Empfang. Wir andern aber nlüssen an: Wege stehen, des Augenblickes getvärtig, da man uns — aufnimmt. Nur tvenn wir stets Wache halten, können wir durch die Tugend den Sieg über dieses Leben gewinnen. Nur so wird das Anrecht auf die Krone des Lebens er worben. Das hatte Salomo eben iin Auge, tvenn er lehrte: ,'vrv er e:e der Ruhm, den die selbsterworbene Krone verleiht, ist glänzender, als der einer bloß ererbten Krone. Da aber jene Krone erst verliehen wird, wenn das Leben zur Neige geht, so kann es kommen, bnfjjvcnci’i nbin ovo] der Todestag noch herrlicher erscheint, als der Geburtstag. Der Tag der Geburt ist schön,

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