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Der Israelit · 1900-08-20 · Heft 67 (20.8.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 67 (20.8.1900)
Date
1900-08-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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4U Jahrgang. j|g Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoxe IudentHum. Begründet von Dr. fe^mdttn in M«tnr Montag, den 20. Anguft 5060 (1900). s..r Eine lltavh abonnlrt matt bei allen Postanstalten für den Monat September »WSauf den „Israelit“. Tiefer Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrieftrLger aufgegeben werden. Ausland entsprechend höher. Pie GrprdUwn -es „AsraeM". Leitender Artikel. Drei Audienzen. Rede zum 70. Geburtstage des Kaisers Franz Josef s. Von Nabb. Dr. Daniel Fink, Wien. Am Hafen einer großen Seestadt war viel Volk versammelt. Zwei Schiffe in der unmittelbaren Nähe lenkten ihre Blicke auf sich. Das eine war eben im Begriff die Anker zu lichten, um auf die hohe See hinauszusteuern. Das andere dagegen kehrte gerade von einer weiten Seereise zurück und die Steuerleute gingen daran, Anker anzulegen. Freudiges Jauchzen scholl vom Ufer zu jenen hinüber, die auf das weite Meer hinaussteuern wollten, — und voll heller Freude tönte es zu ihnen zurück. Doch die im anderen Schiffe — saßen still in sich gekehrt da. Die Schrecken der langen Seereise lagen ihnen noch in den Gliedern. Kalt und theilnahmslos begegnete ihnen die am Ufer versammelte Menge. Da drängle sich ein Mann, desien graues Haar vorgerücktes Alter, dessen leuchtende Augen Geist verriethen, — aus dem Menschenknäuel hervor. Gegen die Menge sich wendend, redete er sie folgendermaßen an: „O, um dieses gedankenlose Geschlecht! Euer sreudiges Jauchzen gilt denen, die auf die hohe See hinaussteueru. Bedenket doch, lvelche Gefahren ihrer dort harren! Wer weiß, ob in dem Kampfe mit Stürmen und Unwettern sie bestehen werden? Warum grüßet ihr nicht jene, die nach langer stürmischer Fahrt glücklich das heimathliche Gestade erreicht haben?" Was die Fahrgäste dieser beiden Schiffe erlebt, das erfahren die meisten Menschen in ihrem Leben; der Tag der Geburt ist meist ein solcher der lichten Freude für Gltern und Angehörige. Wer da bedenkt, welche Gefahren im Schoße der Zeit sich bergen mögen, der kann kaum noch diese Freude ohne bange Vorahnung genießen. Wohl aber dem, der nach langer Fahrt durch die Jahre allen Stürmen und Gefahren entronnen und nun glücklich das heimathliche Gestade betritt. Dieser Gedanke ist es, welcher unsere heutige Feier in ihrer wahren Bedeutung würdigen lehrt. Von einer 70jährigen Fahrt auf dem Meere, das man Leben nennt, kehrt heute unser geliebter Kaiser heim. Am Gestade harren seiner alle Völker dieser weiten Reiche und empfangen ihn mit freudigem Gruß und Segen. Mehr als 50 Jahre dieser Seereise stand der erlauchte Fahrgast hoch oben auf der Steuerdrücke, mit wachsamem Auge ausschauend, um sein Schiff in die richtige Bahn zu lenken. Wer kennt die Macht der Meereswogen, gegen die er ankämpfen mußte? Wer zählt die Stürme, die ihn mit ihrer furchtbaren unheimlichen Gewalt bedroht? Wer weiß, in wieviel grauenvollen Nächten finstere Nebel ihre dichten undurchsichtigen Schleier um den Horizont ausgebreitet — indes der hohe Steuermann hoch oben stand, sorgenvoll in das Weite starrend, vergebens nach dem Strahl auch nur eines Sternes aus schauend, der ihm den Weg beleuchtete! Was wieder die Besatzung des Schiffes betrifft, — je stürmischer die Zeiten, je finsterer der Horizont, desto größer ihr Unmuth, desto mehr warf Verzweiflung an der guten Sache sie in die Gewalt trotziger Empörung. Trotz der schweren Unwetter, die sich über seinem

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