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Der Israelit · 1900-08-16 · Heft 66 (16.8.1900) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 66 (16.8.1900)
Date
1900-08-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1348 Ihnen gesucht! Aber in der That, lieber Alfred" — er wendete sich zu seinem Neffen, „Du wirst mir doch zugeben. daß die öffentlichen Gottesdienste nur für Diejenigen da sind, die wirklich beten wollen, und nicht für die, die nicht beten wollen. Gemeinsames Gebet ist nicht nur nach unserer Weisen Ansicht eine höhere Ehrenbezeugung Gott gegenüber, sondern hat auch eine tiefere Wirkung auf unser eigenes Gemüth. Wieso, das brauche ich Dir wahrlich nicht des Näheren zu erklären. So ist denn auch der einzige Zweck unseres gemeinsamen Gottesdienstes, diese tiefere Wirkung auf unser Gemüth in der That hervorzurufen, wobei jedoch oberste Bedingung bleibt, daß wir selbst der gottgebotenen Pflicht des Gebetes im Gotteshause genügen. Wer in's Gotteshaus geht, ohne dort zu beten, der ist für mich wie Einer, der sich zu Tische setzt, ohne zu effen. Du wirst einwenden.' Vielleicht hat er keinen Appetit! Nun, dann ist er in einem anormalen Zustand, ist krank, zum mindesten nicht in einer Verfassung, wie man sie von einem Menschen erwartet, der sich zu Tische nicht minder krank! Nur zum Gebet ist das Gotteshaus da, wie der gedeckte Tisch, daß man an ihm esse! Nun lvill ich gar nicht davon reden, daß musikalische Aufführungen, wie die, für welche Du Dich begeisterst, in den Konzertsaal gehören und daß es für jeden Vernünftigen eine Entweihung des Gotteshauses bedeutet, wenn man es zum Konzertsaal erniedrigt, ich will auch gar nicht näher darauf eingehen, daß speziell die Orgel ein Kircheninstrument ist und abgesehen von allem ansetzt. Wer in's Gotteshaus geht, ohne zu beten, der ist dern schon deßhalb nicht in die Synagoge gehört. — Für mich liegt der Schwerpunkt in dieser ganzen Frage darin, daß die ganze Art dieses reformirten Gottesdienstes dem Charakter der Synagoge als eines Bet- Hauses direkt in's Antlitz schlägt. Dieser Gottesdienst ist ausschließlich auf Diejenigen zugeschnitten, welche n i ch t beten, auf jene innerlich Erkalteten, die kein tieferes Gefühl vor das Angesicht ihres Gottes hindrängt, die vielmehr erst von außen her, durch künstliche Mittel, in einen Zustand versetzt zu werden wünschen, den s i e Andacht nennen, der aber nichts weiter ist, als im günstigsten Falle, ein Zustand momentaner Rührung, meistens aber eine durch Selbstsuggestion erweckte, eingebildete Stimmung, der im Herzen selbst nichts Wirkliches entspricht! Was man so gemeinhin unter „Andacht" versteht, das ist etwas durchaus „Unjüdisches." Das Judenthum ist eine Religion der „That," im Leben draußen soll die Religion des Juden zur Erscheinung kommen, das Gebet aber ist nur die Blüthe, die ganz von selbst aus dem von gesunden Säften erfüllten Stamm des religiösen Lebens hervortreibt und selbst wieder zur lebendigen Frucht zu reisen bestimmt ist. So wenig aber eine Blüthe an einem dürren Stamm hervortreibt, so wenig kennt das Judenthum ein Gebet, das nicht aus dem Lebensbaum der Religion selbst herauswächst und nicht minder seine Erfrischung und Festigung im Gefolge hat! Wenn wir nun sehen, wie der reformirte Gottesdienst auf die rein äußerliche Wirkung zugeschnitten ist, wie er in dem vergeblichen Bemühen, die „Andacht" zu erhöhen, thatsächlich nur einem Tausendkünstler gleicht, der sich anheischig macht, aus dürren Stämmen lebendige Blüthen hervorzuzaubern-so müssen wir sagen: ein solcher Gottesdienst ist unjüdisch, er ist widerjüdisch; denn er fördert die gefährliche Anschauung, als könne ein duftiger Strauß frischer Blüthen, die in der freien Gottesnatur gediehen sind, durch ein loses Bouquet künstlicher, im dumpfen Fabriksaal mühsam hergestellter Blumen würdig ersetzt werden-" (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag« and Donnerstag«, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — Dev Vuchhandrl verkehrt durch V. Jjf. Stein ackrr, Leipzig, Noßplatz sb. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., fürs Ausland 16 Reichs-Mark, an die E. pedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuscripte findet nicht statt, man vittct deshalb, fich von allen Einsendungen eine Eopie zurückznbehalten. Gtellensnchende erhalten ans Wunsch die Inseraten-Beilage vier Wochen lang gratis und franco zugesandt Ebenso stunden wir aus Wunsch die Zahlung des Jnsertionsbeteags an nutzer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt). Leitender Artikel: D e Hochschulhäupter in Babylon. — ZeitungSuachrich'.en und Corrcjpondenzen: Deutschland: .ttonitz. BuchSwciler i. Eli. Oesterr-Ung. Monorchie: Wien. Holland: Amsterdam. Rußland: Petersburg. Odessa. England: London. — Feuilleton: Ein Sckritt vom Wege. (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Zionskirche und die Zionisten. — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Deutschland: Oesterr -Ung. Monarchie: Budapest. Rumänien: Bukarest. Jassy. England. London. Rußland: Odessa. Palästina: Safed. Inhalt der zweiten Beilage: Lcitenber Artilel: Rcisebriese aus der Schweiz. — Zeitungsnachrichten und Correpondenzen: Deutschland: Danzig, König i. O. Oesterr.-Ung. Monarchie: S.-A. Ujhely. Inhalt der dritten Beilage: Vierter Zionisten Eongreß. Extra-Beilage r Spenden-Verzeichnisse._ Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirt-'scheu HofbuchdruckereiActien-Gesellschast in Mainz. Hleri« vier Beilagtn.

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