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Der Israelit · 1900-08-16 · Heft 66 (16.8.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 66 (16.8.1900)
Date
1900-08-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1346 in das Centrum der Stadt zu dringen und in der Deribassowskajastraße durch Demolirung der reichen Magazine und Prachtläden dieser haupsächlichsten Geschäfts straße von Odessa ihr Müthchen zu kühlen. Der „P o - g o n u m" oder die Zerschmetterung richtete sich dieses Mal gegen „Juden und Ausländer", denn auch zahlreiche christliche Läden wurden demolirt. . . . Die christlich griechisch-orthodoxen Ladenbesitzer standen mit ihrem gesummten mit Heiligenbilder bewaffneten Personal vor ihren Laden, die auf dieses Zeichen hin verschont wurden. Dem Buchhändler Rasow aber, weil er ein Jude war, half dieser Talisman nichts. Sein Laden wurde gänzlich demolirt, die Fenster zertrümmert und die Thüren zerbrochen. Die Polizei kam schließlich herbei und nahm weitere 4M Verhaftungen vor. Durch diese Massenverhaftungen war schließlich ein großer Theil der Rädelsführer aus dem Verkehr gezogen und der Krawall sank, nachdem er noch in der Nacht vom 30. zum 31. sowie am nächsten Vormittag in der Kriwaja Balka und einigen anderen Vorstädten gewüthet hatte, in sich selbst zusammen. England. London. (Juden in China.) In Shanghai fand unter dem Vorsitz des Mr. Simon A. Levy eine von 30 europäischen und indischen Juden besuchte Versammlung statt, in welcher der Vorsitzende den Anwesenden über die von ihm gemachten Versuche, mit den Juden von Kai-Fen-Fu in Verbindung zu treten, Mittheilung machte. Danach hätte General Messny den in der Versammlung anwesenden Herrn Gensburger aufgefordert, nach Kai-Feng-Fu zu gehen, um von da einige Juden nach Shanghai zu bringen. Nach einigen Debatten wurde ein „Verein zur Rettung der Juden in China" (crrri \)2 nmxb mr) gebildet, dessen Mitglieder monatlich einen Dollar beizutragen haben. Der neue Verein hat sich sofort mit der „Anglo Jewish Association" in Verbindung gesetzt. T. Feuilleton. Gin Schritt vom Wege. Zrröische Wovelte von Arnold Mann. 7] Ich verehrte sie mit meinen sechzehn Jahren — sie war nicht jünger als ich — wie eben solch ein empfängliches Jünglingsherz ein reines Mädchenbild verehrt, das ihm mit so süßer Freundlichkeit entgegentritt, wie Jda Fromann mir. Dazu wußte ich, wie fromm sie war, wie sie trotz ihrer Jugend bereits den allerdings nicht sehr großen Hausstand ihres Vaters mit Umsicht versah, wie sie einem Jeden voll herzlicher Liebenswürdigkeit und doch mit jener würdigen Zurückhaltung gegenübertrat, die das richtige Maß dessen, was sie bieten darf, stets mit glücklichem Instinkte traf —■ Grund genug, daß Jda Fromann für mich der Inbegriff weiblicher Schönheit und weiblicher Würde war und ich mir nichts Lieblicheres zu denken vermochte, als dieses Mädchenbild. Mögen Sie mich nun auslachen oder nicht — genug, an jenem Sabbat Mittag wurde die in meinem Herzen aufkeimende Neigung zu Jda Fromann auf eine harte Probe gestellt. Ihr Cousin, Herr Darmstädter, der, wie ich später erfuhr, alle paar Jahre einmal Geschäftshalber aus Newyork nach Deutschland kam, machte Jda Fromann in einer Weise den Hof, daß ich mit meinen sechzehn Jahren und mit meinem Jünglingsgesicht auf den stattlichen Herrn mit dem flotten rothblonden Schnurrbart eifersüchtig wurde. Die feurigen Blicke, mit denen er die schöne Cousine betrachtete, die kleinen Zärtlichkeiten, die er ihr erwies, die drolligen Scherze, mit denen er ihr mehr als einmal ein silberhelles Lachen entlockte — meinem Herzen waren es Dolchstiche, deren Wunden mich quälten und schmerzten. Allerdings — was hatte ich denn für Rechte an das Mädchen? War ich nicht wahnsinnig, mir selbst den Kopf wirr zu machen um eines Phantoms willen. Und doch, der Schwadroneur da an Jda Fromann's Seite erschien mir wie ein Einbrecher und Jda's Herz erschien mir wie der kostbare Schatz, um den er sich mühte, und der arme Bestohlene — das \mx ich-! Unter diesen Umständen trat selbst das Interesse an der Frage, über die ich heute Näheres zu hören hoffte, für mich in den Hintergrund. Ich vergaß völlig daran, sie auf's Tapet zu bringen und war nicht wenig überrascht, als ich sie trotzdem mit einem Male als Gegenstand des Gespräches wahrnahm. „Sind Sie ein Verwandter des Teilhabers der Firma Gottschalk und Treu?" hatte mich der Vetter aus Amerika gefragt, als wir uns eben zu Tische setzten. „Er ist mein Bruder!" gab ich zur Antwort. „Und sind Sie auch ein solcher Freigeist, wie Ihr Bruder?" eraminirte er weiter, „wissen Sie," setzte er dann gleich hinzu, „so etwas von radikalem Gottesleugner ist mir noch nicht vorgekommen! Wenn man mit dem spricht, wird einem angst und bang. Alles, was einem lieb und traut ist von Jugend an, zerpflückt er unbarmherzig. Ihm gibt es nur Naturgesetze — das ist seine Religion!" Unser Gastgeber mochte wohl ahnen, wie mir diese Worte weh thun mußten. Auch liebte er es nicht, wenn über dritte Personen in irgend einer Weise abfällig gesprochen wurde. Dazu wußte er gewiß, daß sein Neffe in religiöser Beziehung um kein Haar besser war als mein Bruder Salomon und nur heute an diesem Tische

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