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Der Israelit · 1900-08-16 · Heft 66 (16.8.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 66 (16.8.1900)
Date
1900-08-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Im nächsten Sommer soll zum Bau von gleichen Häusern in anderen Städten geschritten werden, was eine Vermehrung des Acticnkapitals erforderlich machen wird. Um auch weniger reichem Personen den Erwerb von Actien zu erleichtern, sind beim Finanzminister Schritte unternommen ivorden, den Nennwerth der Aktien auf 250 Rubel zu ermäßigen, woraus junge Aktien edirt werden sollen. Die Gesellschaft behält sich vor, unbewegliches Eigenthum auch außerhalb des Ansiedclungsrayon zu erwerben resp. zu pachten, jedoch bedarf eine solche Erwerbung jedesmal der Genehmigung des Finanzministers. T. Odessa. (Die I u d e n k r a w a l l e vom 29., 30. u n d 31. Jul i.) Die viertgrößte Stadt Rußlands, unser schönes Odessa, zählt unter ihren 431 000 Einwohnern 150 000 Juden, durch deren Betriebsamkeit Odessa seine jetzige Größe erlangt hat. Einen großen Theil seines Getreidehandels, die große Mühlenindustrie, den umfangreichen Weinhandel, seinen Buckerexport, sowie sein florirendes Baugeschäft hat Odessa ausschließlich den Juden zu verdanken. Ohne sie wäre die „Perle des Südens" heute noch das, was sic vor 100 Jahren war, nämlich ein elendes griechisches Fischerdorf. Bon den 11 000 Fabriken, Speichern, Magazinen und sonstigen Etablissements in und um Odessa sind nicht weniger als 10 000 von Juden gegründet resp. werden sie von Juden geleitet. Daneben stellen die Juden 80 pCt. aller Handwerker in Odessa dar. Diese glänzende Lichtseite hat aber für die Juden von Odessa auch ihre dunklen Schattenseiten. Ihre Erfolge haben von jeher den Neid und die Mißgunst der in Odessa massenhaft wohnenden Griechen erregt, die nicht müde werden gegen die Juden zu hetzen und die sonst so harmlose russische Bevölkerung gegen ste aufzustacheln. Namentlich sind es die griechischen Getreidehändler, die. voll Wuth darüber, daß sie den Odessaer Getreidehandel mit den Juden theilen müssen, unermüdlich in Antisemitismus machne. Und diesen Griechen, diesen verkommenen Epigonen großer Vorfahren, haben die Juden jetzt wie damals im Jahre 1881 die schweren Judenkrawalle vom 29. bis 31. Juli zu verdanken: ihnen hat es die Stadt Odessa zu verdanken, daß sie die Beute einer Boxerhorde ward, welche drei Tage lang raubend und sengend die Stadt nach allen Richtungen durchzog, die Fensterscheiben zertrümmerte, Läden demolirte und so unermeßliche Verluste an Eigenthum verursachten. Daß die Judenkrawalle vom 29.—31. Juli b e st e l l t e Arbeit war, dafür spricht nebst der fabelhaften Entwickelung derselben noch die große Zahl der verhafteten „Nichtarbeiter" oder sagen wir lieber besser gekleideten „Nicht xentelmens." Ferner die Thatsache, daß am zweiten Krawalltage alle als gut griechisch orthodoxen bekannten Ladeninhabern von unbekannten Emissären der christlichen Odessaer Boxer aufgefordert wurden, als Erkennungszeichen Heiligenbilder in den Schaufenstern anzubringen, damit sie von dem Pöbel verschont werden. Als Ausgangspunkt der Krawalle diente, wie anno 1881, der Trödelmarkt, auf dem es stets von Menschen wimmelte und der am 29. Juli des Sonntags wegen noch von zahllosen Bau- und Hafenarbeitern, sowie von Soldaten der zur Einschiffung nach China bestimmten 4 Brigade bevölkert war. Die Soldaten suchten entbehrlich gewordene Monturstücke sowie sonstigen redlich erworbenen und — gemausten Plunder los zu werden. Dabei kam ein Soldat mit einem Juden, dem er ein Bündel alter Sachen verkauft hatte, in Streit. Der Soldat behauptete, daß der Jude ihm noch nicht bezahlt habe, und forderte nochmalige Bezahlung oder die Rückgabe des Bündels. Der Jude verweigerte beides, worauf der Soldat dem Juden mit Gewalt das Bündel zu entreißen versuchte. Andere Juden kamen hinzu, Hafenarbeiter eilten dem Soldaten zu Hülfe und im nächsten Moment war der bis dahin so friedliche Trödelmarkt in einen wogenden Strudel verwandelt, in dessen Mitte sich ein Knäuel von Menschen wälzte. Hüte wirbelten in der Luft, Bretter flogen und ein Hagel von Steinen sauste auf die sich prügelnde Masse herab. Jetzt hielten die Rädelsführer ihre Zeit für gekommen. Denn plötzlich wälzte sich eine neue Menschenmasse wie eine mächtige Welle über den Trödelmarkt. Große Arbeiterschaaren aus der Vorstadt Moldawarka tauchten, alles mit sich fortreißend, auf dem Kriegsschauplatz auf, in den nächsten 10 Minuten waren sämmtliche armseligen jüdischen Läden in der Nähe des Trödelmarktes demolirt und ihre Besitzer arg verprügelt. Nach vollzogener Heldenthat wollte die Masse sich über die nächsten Straßen ergießen, allein die Polizei, welche bis dahin vor Ueberraschung wie versteinert war, ermannte sich und eilte in die bedrohten Straßen, der Polizei-Präsident, Graf Schuwalow, kam persönlich herbei und hielt an das Volk eine Ansprache. Militär wurde herbeigerufen und reitende Kosaken stürzten mit eingelegten Lanzen in die Masse. Heulend und pfeifend flüchtete die Menge, sammelte sich aber bald darauf in die benachbarten Straßen zu kleinen Trupps und wollten die jüdischen Häuser demoliren. Allein von Gendarmen, Kosaken und Militär überall verfolgt, mußten sie sich damit begnügen, einige Fensterscheiben zu zertrümmern und eine Anzahl Schilder herunterzureißen. Verhaftungen wurden an diesem Tage nicht vorgenommen und so konnte der Pöbel, der zwar vom Centrum der Stadt vertrieben ward, im Uebrigen aber ungeschwächt blieb, mit verdoppelter Wuth in den Vorstädten seine Demolirungsarbeit fortsetzen. Gegen 4 Uhr Morgens sah sich die Polizei genöthigt frisches Militär zu requeriren, mit dessen Hilfe es ihr gelang, 000 Mann von den Straßen weg zu verhaften. Obgleich durch diesen Aderlaß sehr geschwächt, blieben die Ruhestörer noch stark genug, um am nächsten Morgen gegen 11 Uhr bis an das Ziel ihrer Sehnsucht,

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