Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 66 (16.8.1900)
- Date
- 1900-08-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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i--i dv .-iv „Sieh, wie das Volk es treibt!" In zweifelhaften Fällen, wo die Auslegung des Gesetzes unsicher ist, richte man sich nach dem lebendigen Volksbrauch. Sein Lebensglück fand er in seiner Lehrthätigteit. Wenn die Schüler in dichtgedrängten Schaaren seinen Worten lauschten, fühlte er sich für alle Mühen reichlich belohnt npnn t6d-i n>rn Der herzige Abschiedssegen der pumbeditanischen Jünger ist uns aufbewahrt: D'ipinai D'2iv dw« cn iÄ s?>' D"n N"nv „Er, der Leben spendet, gewähre uns ein langes, glückliches, heilvolles Leben'." Seine Schüler ermahnt er, den den Wortstnn von r*n der bildlichen Deutung wohl zu unterscheiden und gibt ihnen für Schriftauslegung die Regel x'ipo ":i D’ojJto 71122b xtfi’ -!nrr ein Vers kann vielerlei Lehren geben, aber viele Verse können niemals lediglich eine schon bekannte Lehre mittheilen. Veilseitigkeit ist bei einem so beweglichen Geiste leicht begreiflich. Der hervorragende Halachaforscher hat so großes Interesse für die agadischen Deutungen der palästinischen Volkslehrer, daß ihm der aus dem heiligen Lande ausgewanderte Rab Dimi die palästinischen Auslegungen berichten muß. Die Liebe und Verehrung, die Abaji bei Genoffen und Jüngern gefunden hatte, läßt ihn an jedem Vorabend des Sabbats den himmlischen Friedensgruß vernehmen, den Raba nur einmal am Vorabend des Versöhnungstages vernahm. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Corrspondenzcn. Deutschland. Könitz, 8. Aug. Heute Nachmittag wurde einem jüdischen Kaufmann von zwei Leuten, anscheinend Handwerksburschen, unter Ausstoßung antisemitischer Rufe die große Scheibe seines Schaufensters eingeschlagen. Die Exzedenten wurden verhaftet. Die Haltung des bei der That anwesenden Publikums war musterhaft. Bnchsweiler, i. Cls. Hier starb letzte Woche in dem hohen Alter von 94 Jahren der frühere Schirmfabrikant Aron O t t. Trotz seines hohen Alters war er noch so rüstig, daß er morgens und Abends täglich dem Gottesdienste in der Synagoge beiwohnen konnte. Ihr Straßburger Correspondent berichtete Ihnen in Nr. 63 Ihres Blattes von einer noch älteren hier lebenden Wittwe, der Frau Cerf. Dieselbe ist jedoch nicht 99, wie die Straßburger Post schrieb, sondern erst 95 Jahre alt.*) Das hiesige Gymnasium mit Realklassen wurde im *) Von dritter Sei'e wird u»S mitgeiheilt, sie sei bereits Ina Jahre Red. verflossenen Schuljahre im Ganzen von 246 Schülern besucht: hiervon fallen der Religion nach auf das Gymnasium 18 katholische. 93 evangelische, 10 israelitische, in die Realschule 17 katholische, 100 evangelische und 18 israelitische Schüler. Der jüdische Religionsunterricht an der Anstalt wurde von Rabbiner Dr. Weill in zwei Abtheilungen zu je zwei Stunden wöchentlich ertheilt. Es wurden durchgenommen in der ersten Abtheilung: 40 Psalmen, aus den drei ersten Büchern wurde im Urtext gelesen und besprochen, die ethischen Grundsätze der Bibel in Anlehnung an den Text entwickelt und die Geschichte der Juden von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zum Abschluß der Periode der Gaonen durchgenommen. In der zweiten Abtheilung: Deuteron, Cap. 6—21 und meherere Psalmen, aus dem Gebetbuche wurde gelesen und erklärt und im Anschluß daran Belehrungen über wichtige Abschnitte aus der Pslichtenlehre gegeben; die biblische Geschichte von der Theilung des Reiches bis zur Zerstörung des ersten Tempels wurde durchgenommen und die Eintheilung der Bibel und der Cyclus der Fest- und Fasttage wiederholt. — Der jetzt in Lauterburg amtirende Rabbiner ist zum Rabbiner in Vrumath ernannt worden. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 9. Aug. (Ein Staatsanwalt als antisemitischer Agitator.) Der Abgeordnete Dr. B y k hat nachstehendes Schreiben an den Justizminister gerichtet: Eure Excellenz! In meiner Eigenschaft als Reichsrathsabgeordneter und als Präsident der Lemberger israelitischen Cultusgemeinde, erachte ich es als meine Pflicht, die Aufmerksamkeit Eurer Excellenz auf einen übereinstimmenden und von keiner Seite bisnun widersprochenen Bericht mehrerer polnischer Tagesblätter über das von einem Vertreter der k. k. Staatsanwaltschaft in Ausübung seines Amtes gehaltene höchst eigentümliche Plaidoyer zu lenken. Nach Inhalt dieser Berichte und so namentlich der angeschlossenen Nummern 323 des in Lemberg herausgegebenen „Slowo Polslie" vom 13. Juli l. I. und Nr. 104 des in Krakau erscheinenden „Naprzod" vom 16. Juli l. I. hat der öffentliche Ankläger bei der vor den Geschworenen des k. k. Tarnopoler Kreisgerichts Wider den russischen Staatsangehörigen Leib Kwasman wegen betrügerischer Crida am 12. Juli l. I. ftattgefundenen Hauptverhandlung seinen Schlußantrag wie folgt eingeleitet: „Nach dem gänzlichen Niedergange des Handels und Gewerbes in Galizien verblieb uns blos der Kleinhandel, welcher sich in der schmutzigen jüdischen Masse, die sich uns sogar aus dem Auslande eindrängt, conzentrirt; diese hat nicht blos den ganzen Adel um dessen Erbe gebracht, sondern auch in den Städten und Dör-