Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 65 (13.8.1900)
- Date
- 1900-08-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1328 amte, darunter auch dichter am hiesigen Gerichtshöfe. Diesen Männern ist cs leicht, zu Hunderten Leute zu dingen, darunter zahlreiche Vagabunden, die im gegebenenMomente wie wilde Thiere sich aus uns stürzen und die entsetzlichsten Grausamkeiten verüben, uns Folterqualen zufügen. Destbalb bitten wir Eure Niajesiät, sich unser zu erbarmen und uns zu retten, daß, >venn wir schon an den Bettelstab gebracht sind, wir wenigstens das nackte Leben erhalten. Retten Sie uns, lUtajefräf, aus den Händen dieser Bluthunde. Was haben Ivir gethan? Nichts, als daß lvir in diesem Lande geboren wurden. Wir thun Niemandem etwas zu Leide, nur wollen nur arbeiten, um im Rahmen des Gesetzes leben zu können. Im Namen der Juden des Bezirks Roman: Der Oberrabiner der Kultusgemeinde." Eine ähnliche Bittschrift sei auch dem Minister Präsidenten Earp überreicht worden. Wenn solche herzerreißende, steinerweichende Aufschreie eines zu Tode gehetzten Volkes noch immer nicht im Stande sind, die europäische Diplomatie zu einer energischen Interpellation bei der rumänischen Re gierung anzuregen, dann müssen wir aus jegliche Hülfe von dieser Seite verzichten. Aber die Frage tritt an uns deutsche Juden heran: Können wir für die unglücklichen Brüder nichts anders thun. als Geld sammeln, das, wie sich ja zeigt, tvenn es noch so reichlich gespendet lvird, dem Jammer doch kein Ende machen kann? Ist denn lein Montefiore mehr da, der dem Fürsten persönlich entgegentritt und ihn iiber die Vorgänge in seinem Lande aufklärt? Budapest, 7. Aug. Der „Magbr Slo" bringt haarsträubende Details über Judenverfolgungen in Rumänien, die förmlich einen revolutionären Charakter tragen. In Podnl Jlvaei wurden gestern Inden von bewaffneten Bauernbanden überfallen und ihre Häuser und Einrichtung zerstört. Angeblich sind zehn Juden getödtet und viele verletzt. Das ans Jaffh requirirte Militär kam zu spät an. Die Belvegnng gelvinnt eine immer größere Ausdehnung. Prag, 6. Aug. Das „Prager Sagblatt" bringt in seiner heutigen Nummer zivei hochinteressante ^Notizen: Der Rabbiner <?!) Tillinger aus Galizien, der seine Stelle bei der „Israelischen Wohlthätigreitsgeineinde in Berlin hatte niederlegen m üssen und, wie der Eas verrathen hat, den „Antisemiten beim Nachweise des angeblichen Bestandes eines Ritual mordes behiilflich sein will," hat sich auch bei dem Präsesstellvertreter der israelitischen Cultusgemeinde in Smichow, Herrn Ernst Wiener, eingefunden und devot um die Stelle des Smichower Rabbiners petitionlrt. Als man ihm bedeutete, daß diese Stelle kürzlich an den Rabbiner in Mähr. Ostra vergeben lvurde, lvollte er wenigstens Empfehlungen für Mähr. Ostra und eine lknterstützung. Herr Wiener war so vorsichtig, weder das Eine noch das Andere zu thun. (Siehe beit Leitartikel in heutiger Nummer.t Wicliczka, 9. Aug. (M ä d ch e n r a u b i n G a - l i z i e n.) Das hiesige Bezirksgericht verhandelte dieser Tage iiber das Ansuchen der 1.7jährigen Rochine Weiß, Tochter des Wieliezkaer MatrikenführerS und Reli gionslehrers Marens Weiß, um Entziehung der väterlichen Gewalt. Rochine Weiß hatte im August vorigen Jahres das elterliche Haus verlassen, sich in das Kloster der Felieianerinnen zu Krakau begeben und sich dort taufen lassen. Protokollarisch hatte sie beim hiesigen Gerichte um Aberkennung der väterlichen Gewalt angesucht und dies damit motivirt, daß ihr Vater sie mit einem Messer bedroht und beschimpft habe. In dem Protokolle hatte sie tveiters angegeben, sie wolle nicht mehr nach Hause zurückkehren, sondern in der katholischen Religion, die sie als die einzig richtige anerkenne, verbleiben. Die Vertretung des Vaters bei der Verhandlung hatte auf Ersuchen der österreichisch israelitischen Union der Krakauer Landes und Gerichtsadvoeat Herr Dr. R. Landauer übernommen. Der Vater MareuS Weiß erklärte auf Befragen des Richters entschieden, er habe seine Tochter niemals mit einem Messer bedroht noch beschimpft, er verzeihe ihr den Diebstahl, den sie beim Verlassen des Hauses an ihm verübt, und den sie auch bei Gericht eingestanden hatte; er verlange, daß sie in das elterliche Haus zurückkehre, mag sie auch fernerhin Christin bleiben. Die Mutter und Schwester des Mädchens bestätigen, daß Rochme weder bedroht noch beschimpft lvurde. Die schiverkranke Mutter gab überdies an, sie und ihre Tochter hätten wiederholt um eine Zusammenkunft mit Rochme ersucht, seien aber stets von der Oberin abgewiesen worden. Zwei Schwestern und die Mutter deponirten ferner, daß sie einige Male heimlich, von der Oberin unbemerkt, mit Rochme durch das Gitter des Klosters gesprochen haben, wobei Rochme heftig weinte und sich bereit erklärte, zu den Eltern zurückzukehren, jedoch hinzufügte, daß man sie im Kloster gewaltsam daran bindere. Aus Grund dieser Aussagen stellte Dr. Landau den Antrag, das Gericht möge die sofortige Herausnahme der Rochme Weiß aus dem Kloster und deren ilebergabe an den Vater verfügen. Dr. Landau verlangte ferner, für den Fall, als das Gericht noch weitere Erhebungen pflegen sollte, daß zur nächsten Verhandlung Rochme Weiß persönlich erscheine, da der Vater befürchte, daß sie nicht freiwillig handle, sondern unter dem Einflüsse fremder Personen stehe. Sie soll ihm, dem Vater, in's Gesicht sagen, daß sie thatsächlich nicht mehr zurückkehren lvolle, da er diesbezüglich begründete Zlveifel hege. Der Richter vertagte die Verhandlung mit dem Bemerken, daß er über diese, auch juristisch eingehend rnotivirten Anträge schriftlich entscheiden werde. Der Fall ist insoferne von principieller Tragweite, weil