Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 65 (13.8.1900)
- Date
- 1900-08-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1327 mittelbar einzugreifen) in Deiner Höhe, o Gott, denn siehe, Deine Feinde o Gott richten Deine Feinde zu Grunde, es zersprengen sich selber alle Uebelthäter." Zeitungsnachrichten rrnd Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 8. Aug. (König H u m b e r t.) Der einem scheußlichen Meuchelmord zum Opfer gefallene König von Italien, dessen Fürsten- und Menschentugenden jetzt in allen Tonarten aufrichtiger Bewunderung auch von politischen Gegnern so rückhaltlos gerühmt werden, umfaßte mit gleicher Liebe auch seine jüdischen Unterthanen, u. ließ das durch Staatsgrundgesetz verbriefte Vollbürgerthum auch in ungeschmälertem Umfange ihnen zu Theil werden. Er hat den Juden ungehinderten Eintritt in den Wettbewerb für des Staates Heil und Wohlfahrt gewährt und kein Gebiet auf dem ihre Bürgertugend, ihr Bürgeredelmuth sich bethätigen konnte, ihnen verschloffen. Bis in die höchsten Chargen hinauf wurden jüdische Offiziere zugelassen, und es war der Divisionsgeneral Ottolenghi, dem er die militärische Ausbildung des einzigen Sohnes, des Thronerben, übertrug, was in keinem auch der allerkonstitutionellsten Staaten — vielleicht mit alleiniger Ausnahme des früheren England — der Fall war; wiederholt wurden Juden zu den verantwortungsreichsten Staatsämtern, zur Ministerwürde, so Luigi Luzzatti, zu Sektionschefs, so Malvano, Romanin-Jacur u. A., emporgehoben, und der Jude Vittorio Rava ist Leiter des römischen Schulwesens. Daß in untergeordneten Beamtenstellungen, und zwar in ausnahmslos allen, die Juden vertreten sind, ist ebenso bekannt, wie die Thatsache, daß König Humbert zehn Juden in den Senat berufen hat. Dieser vom Throne herab gegebenen Bekundung wahrhafter Duldung ist es sicherlich zu danken, daß an den Grenzen Jtalien's die Schlammwellen der Judenhetze ohnmächtig brandeten, der Antisemitismus dort keine Stätte fand. Aus Hannover, 8. Aug. In den Tagesblättern begegnet man des öftern Mittheilungen über Entscheidungen einzelner Bezirksregierungen, die zu denen anderer Regierungen in direktem Widerspruch stehen. Auch bei der jüdischen Volksschule herrscht bezüglich der Ausführung des Besoldungsgesetzes vom 3. März 1897 eine oft geradezu unerklärliche Auffassung der einzelnen Paragraphen. Während einige Regierungen überall da, wo mit dem Lehramt der Kirchendienst organisch verbunden ist, § 4 des Ges. vom 3. März 1897, eine Erhöhung des Grundgehaltes bezw. eine besondere Vergütung forderten, haben andere Regierungen erkannt, daß auf isr. Volksschulen der Z 4 des genannten Gesetzes keine Anwendung finden könne,, denn Kirchendienst sei kein Synagogendienst. Man ist allgemein der Ansicht, daß eine ministerielle Entscheidung die vorhandenen unklaren Auffassungen zu Gunsten der Lehrer zerstreuen wird, denn man muß annehmen, daß der Herr Minister eine derartige Gesetzesauslegung sich nicht zu eigen machen wird. S. Kolberg. Am 28. Juli wurde das 26. Stiftungsfest des Jüdischen Kurhospitals in Verbindung mit dem Sabbat-Gotesdienste in der Haus-Synagoge der Anstalt begangen. Herr Rabbiner Dr. G o l d s ch m i d t hielt im Anschluß an Jesaias 1,27 die Festpredigt und erwähnte am Schlüsse derselben die im Laufe des Jahres zugefallenen Legate bezw. die neugewonnenen „immerwährenden Mitglieder," sowie die verstorbenen Wohlthäter des Hauses. Auf die Festpredigt folgte eine Gedächtnißfeier für die verewigten Wohlthäter. Am 31. Juli fand zur Nachfeier im Festsaale des neuen Strandschlosses das zum Besten der Anstalt angekündigte Konzert vor einem zahlreichen, kunstsinnigen Auditorium statt. Dasselbe kann als ein durchaus gelungenes und ganz eigenartiges, wie es in dieser Weise bisher in Kolberg kaum zu Gehör gebracht wurde, bezeichnet werden. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 10. Aug. Dem „Wiener Tagblatt" wird aus Budapest gemeldet, daß nach dort aus Rumänien eingetroffenen Nachrichten die Hetzereien der Antisemitenliga in der Umgebung von Jassy und in Botoschani zu regelrechten Judenverfolgungen geführt haben, wobei in Botoschani 10—15 Juden getödtet und viele verwundet worden seien. Das aus Jassy herbeigekommene Militär sei zu spät gekommen, um das Blutbad zu verhindern, und habe diejenigen Juden, denen es nicht gelungen war, sich zu flüchten, verhaftet. Eine Bestätigung dieser Nachricht bleibt jedenfalls abzuwarten. Aus zahlreichen Judengemeinden sind, derselben Quelle zufolge, Bittschriften an den König Carol abgesendet worden. Das Gesuch der Gemeinde Roman, welches dem König am 6. August überreicht wurde, hatte folgenden Wortlaut: „Sire! Jetzt, wo Verfügungen getroffen wurden, daß die Juden nicht mehr auswandern können, wagen wir es in Demuth, uns den Stufen des Thrones zu nahen. Die Antisemitenliga bedroht uns mit Mord und Todtschlag. Ueberall, wo diese Liga organisirt ist — und sie ist es fast in allen Städten und Marktflecken — findet sie uns Arme und Elende. Bei uns in der Stadt Roman haben sie sich speziell dazu organisirt, um zu beweisen, daß die Grausamkeit der Christen jede Grenze überschreitet. An der Spitze der Liga steht der Bürgermeister und Senator C. Balaisti, der Oberst des hier garnisonirenden Regiments C. Garceanu, Post- und Telegraphendirektor Niczieste, ferner zahlreiche Be-