Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-08-09 · Heft 64 (9.8.1900) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 64 (9.8.1900)
Date
1900-08-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449109--51297-2501802
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1308 ganze Wesen Berihold's fiel mir auf. Er hatte mich kaum eines Blickes gewürdigt. Seinen Hunger zu stillen, schien seine einzige Sorge. Er, der sonst übersprudelte von Mittheilungen der verschiedensten Art, von Neuigkeiten und Erlebnissen im Geschäft, der all sein Denken und Fühlen sonst offen vor mich hinlegte in seiner erstaunlichen Aufrichtigkeit, er schien heute verschloffen und einsilbig, daß ich ihn kaurn wiedererkannte. Nicht einmal ein Wort der Entschuldigung kam mir gegenüber aus seinem Munde. Er mußte doch wißen, daß ich ihn vor seinem Geschäfte erwartet hatte. Es mußte ihn doch interessiren, zu erfahren, ob ich lange wartete, es mußte ihm doch leid thun, daß er mich im Stiche ließ! Aber nichts —- kein Wort — keine Frage! Stumm aß er fertig, sprach sein Tischgebet und nahm sich dann den „Choreb" von Hirsch vor, den ich ihm zur Lektüre geliehen hatte. Ich selbst mußte bald nach Tisch zu einem Schiur bei Dr. H. und entfernte mich mit einem kurzen „Gut Schabbos!" Als ich zurückkehrte und meine Stube betrat, lag Berthold bereits zu Bett. Auch das war gegen seine Gewohnheit. Er pflegte sonst mit anerkennenswerthem Eifer am Freitag Abend nicht nur im „Choreb," sondern auch in anderen nützlichen Büchern zu lesen und ich hatte nrich sonst nach meiner Rückkehr vorn Schiur am Freitag Abend stets noch über dies und das mit ihm unterhalten. Was war das? Weßhalb war Berthold Spier mit einem Male wie umgewechselt? Ich hatte ihm doch nichts zu Leide gethan! Auch nicht das Allermindeste war zwischen uns vorgefallen, was sein Benehmen hätte erklären können! Also grübelnd kleidete ich mich aus und legte mich gleichfalls zu Bette. Licht hatten wir nicht in der Stube. Ich lauschte, ob Berthold wohl schliefe. Kein Athemzug war zu hören. Mit einem Male ruft er mich: „Du, Leo!" Es klang so zaghaft, seine Stimme war ganz verschleiert. „Ja!" gab ich zur Antwort. „Ich war gar nicht in der Südendsynagoge!" „Wo warst Du denn?" Keine Antwort. Ich denke mir: Er wird wahrscheinlich lieber spazieren gegangen sein oder sonst etwas getrieben haben. „Kannst mir's ruhig sagen!" munterte ich ihn auf, „ich werde Dich nicht verrathen!" „Ach was!" erwiederte er mit einem Anflug von Unmuth, „es ist gar nichts zum Verrathen dran. Ich war einfach in der „neuen" Synagoge!" (Fortsetzung folgt.) P>reis-Räthsel (Hebräisch.) Als noch jung ich war gewesen Lernen mußte, Schreiben, Lesen, Ward ich bald mit dem bekannt Das jetzt als Räthsel vor mir stand. Zwar bin ich in der Zahl recht wenig Jedoch in meinem Hause König, Auch kehr' ich jähtich bei Dir ein Und komm' ich, laß' die Freude sein. Bruchsal. Rechtskonsulent Lev in. Unter den Einsendern der richtigen Lösungen wird geloost und erhält der Etewinuer Ein Werk anö unserem Verlage gratis und franco zugesandt. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags and Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen au — Der Duchhandrl verkehrt durch V. M. S> lrinacher, Leipzig, Notzplatz Jß. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis ver Zeile im Reelametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für s Ausland 16 Reichs-Mark, an die Erpedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. Eine Rücksendung der an ole Redaetion eingcsandten Maunseripte findet nicht statt, «ran bittet deshalb, fich von allen Einsendunaen eine Eovie rnrück-rubebalten. Stellensuchende erhalten ans Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang gratis und franeo zugesandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung deS JnsertionSbetragS a« außer Steve Befindliche bis «ach Erlangung einer solchen. Inhalt: <Hauptblatt). Leitender Artikel: Die rumänischen Emigranten- — Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen: Deutschland: Coblenz. München. Stuttgart. Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. Debreze». Rußland: Odessa. Rumänien: Bukarest. Amerika: Montreal. — Personalien: Köln. Oppenheim a. Rh. — Feuilleton: Ein Schritt vom Wege. (Fortsetzung). — Preis-Räthsel. Inhalt der ersten Beilage: Leidender Artikel: Chinenche Juden. — Zeitungsnachrichten u. Cocrspondenzen: Deutschland: Könitz. Frankenberg. England: London. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Eorrepondenzen: Deutschland: Aachen. Oesterr.-Ung. Monarchie: Budapest. Rußland: Petersburg. Rumänien: Bukarest. Amerika: Newyork. Extra-Beilage: Sprüche der Väter. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien Gesellschaft in Mainz- Hierzu drei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.