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Der Israelit · 1900-08-09 · Heft 64 (9.8.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 64 (9.8.1900)
Date
1900-08-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1304 Mit Widmungsurkunde, Paris, 22. November 1898, hat sie dieser Stiftung einen Betrag von Nom. fl. 1,600,000 Rente zugewendet. Diese Stiftung führt den Namen „Baronin Clara von Hirsch-Kaiser-Jubiläums-Stiftung zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich" und steht unter der Verwaltung des Curatoriums der Baron Hirsch-Stiftung. Der Stiftbrief erhielt am 30. März 1899 die staatliche Genehmigung. Nach erfolgter Genehmigung dieses Stiftbriefes hat das Curatorium sich constituirt und am 1. April die Verwaltung dieser neuen Stiftung übernommen. Im abgelaufenen Schuljahr wurde aus den Mitteln dieser neuen Stiftung bereits ein Theil der Kosten der Bekleidung und Beköstigung armer Schulkinder bestritten, und wurden die Vorarbeiten zur Errichtung von vier Mädchenarbeitsschulen in Tarnow, Stanislau, Kolomea und Buczacz getroffen. Die Eröffnung dieser vier Mädchenschulen erfolgte zu Beginn des Schuljahres 1899—1900. Aus demselben Fonds wurden zwanzig galizischen Mädchen, welche in dem vom Leopoldstädter Frauenwohlthätigkeitsverein in Wien erhaltenen Lehrmädchenhort untergebracht sind, Stipendien zu fl. 120 per Jahr gewährt, außerdem wurde eine Anzahl weiterer Stipendien für Mädchen, Handwerksgesellen und Knaben im Sinne der Bestimmungen des Stiftbriefes bewilligt. Die Stifterin, welche am 1. April 1899 verschied, hat zur Kräftigung dieser Stiftung derselben ein Legat von zwei Millionen Francs vermacht, welches aber erst am 1. April 1900 zur Auszahlung gelangte und demnach erst auf die Gebahrung der Schuljahre 1899 bis 1900 von Einfluß sein wird. Dcbrezeri, im August. Der hiesige röm.-kath. Bischof Wolafk a feierte diese Woche sein 26jähriges Priester-Jubiläum. Auf die Begrüßung des Oberrabbrners Kraus antwortete der liberale Kirchenfürst folgendes: „Für die gegenseitige Liebe und Achtung lebte ich mit meinen Getreuen, und wenn jemals Umstände eintreten sollten, welche diese Liebe gefährden, wenn sich verworfene Seelen träfen, die in böser, gottloser Weise dahin streben würden, daß sie den Christen auf den Juden Hetzen: ich würde dann nicht auf Stammes- und Religions-Unterschiede achten, sondern nur auf die Liebe, die ich selbst um den Preis meines Blutes zu vertheidigen bereit wäre." Nach dieser Ansprache umarmte der edle Priester den Rabbiner und küßte ihn herzlich. Rußland. Odessa, im Aug. Odessa war am 29., 30. und 31. Juli der Schauplatz einer argen Judenhetze, welche in ihren abscheulichen Details an die Odessaer Judenkrawalle von 1881 erinnert. In den „Nowosti," dem einzigen Petersburger Blatte, das den Muth hatte, über die Ausschreitungen der Odessaer Boxers gegen die Juden die Wahrheit zu berichten, veröffentlicht der in Odessa weilende russische Publizist Obolenskij einen ausführlichen Bericht über diese Unruhen. Es war am 29. Juli, gegen 4 Uhr Nachmittags. Auf dem Prochorowplatze, wo der Trödlermarkt sich befindet, entstand zwischen einem Soldaten und einem jüdischen Trödler ein Streit. Der anwesende Pöbel nahm für den Soldaten Partei und mißhandelte den Juden. Dies benützten aber die Hafenarbeiter dazu, um den angesammelten Volkshaufen zu Ausschreitungen gegen die Juden aufzufordern. Unter ohrenbetäubendem Geschrei und Gejohle warfen sich die Odessaer Boxers nach den naheliegenden Straßen Kossarka, Koloutajewska, Prochorowskaja und begannen dort das Werk der Zerstörung. Die Fensterscheiben in den von Juden bewohnten Häusern wurden eingeschlagen, die Thüren erbrochen, die Magazine demolirt und die Waaren geplündert. In der Koloutajewstraße wurde ein großes Kaufmannsmagazin total ausgeraubt. Von hier aus stürmten die Demonstranten nach der Tiraspoler-, Uspenskij- und Preobraschenskijstraße, wo sie alle jüdischen Geschäftsläden demolirten und die Waaren ausplllnderten. Die ihnen begegnenden Juden mißhandelten die Demonstranten äußerst schwer; eine Jüdin, welche ihr Hab und Gut beschützen wollte, wurde schwer verwundet. Ebenso arg wüthete die Volksmenge auf der Konnaja- und Neschimkajastraße, wo sie die Sodawasser-Kioske zertrümmerten und mit den Siphonflaschen die Juden mißhandelte. Ani folgenden Tage wiederholten sich die Ausschreitungen, wobei diesmal die Hauptstraßen von Odessa, die Deribassowskaja, Puschkinskaja u. A. zum Schauplatze der Verwüstungen gewählt wurden. Auch hier wurde Alles in den jüdischen Wohnhäusern demolirt. zerstört und geplündert. Halbwüchsige Bursche im Alter von 10 und 11 Jahren bildeten den Demonstranten die Avantgarde und schleppten Alles weg, was sie in den Häusern der Juden fanden. Die Polizei erwies sich als zu schwach, wiewohl sie schon am ersten Tage der Ausschreitungen viele Verhaftungen vornahm. Erst als auch am 31. Juli die Unruhen sich wiederholt hatten, wurde Militär aufgeboten. dem es endlich gelang, die Ruhe wieder herzustellen und 1041 Demonstranten in Haft zu nehmen. Die Stadt Odessa bietet jetzt ein Bild arger Verwüstung. Die Geschäfte sind geschlossen, die Juden wagen es nicht, ihrer Beschäftigung in der Stadt nachzugehen, und viele Häuser in verschiedenen Straßen stehen demolirt und zerstört da. — Die nach Depeschen der „Now. Wremja" mitgetheilte Nachricht über Ausweisungen der Juden aus dem Gouvernement Nishegorod wird von kompetenter Seite erfreulicherweise als stark übertrieben bezeichnet. Es handelt sich nicht um Hunderte von Juden, sondern nur um etwa 30 Familien. Odessa. Ueber die jüdischen Colonien in Palästina, namentlich über die bisher unter der Rothschild'schen Administration gestandenen, hat Herr

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