Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 64 (9.8.1900)
- Date
- 1900-08-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Vorsitzenden des Vorstandes Herrn Raphael Löb, sowie von dem Vorsitzenden der Repräsentanten Herrn Andreas Nathan in de» Mund gelegte Bemerkung bezügl. des Thoravorhanges frei erfunden ist. Das jetzige Vorstandsmitglied Herr Raphael Löb kann gar nicht im Stande sein, über eine Bemerkung, die ich damals gemacht haben soll, zu berichten, da zu dieser Zeit Herr Löb weder Vorstand noch Repräsentant der hiegen Gemeinde gewesen ist. München, 7. Aug. Das kgl. Maximilians-Gymnasium war von 680 Schülern besucht. Hiervon waren 389 katholisch, 269 protestantisch, 21 israelitisch, 6 altkatholisch, je 1 konfessionslos. Das neue Schuljahr beginnt am 18. September. Das kgl. Wilhelms-Gymnasium zählte am Schlüsse dieses Schuljahres im Ganzen 664 Schüler, hierunter 26 Edelknaben. Von den Schülern waren 413 katholisch, 176 protestantisch, 60 israelitisch und 5 anderer Konfession. Das neue Schuljahr beginnt am 18. September. Das kgl. Realgymnasium hatte eine Frequenz von 266 Schülern, davon gehörten 109 dem katholischen, 106 dem protestantischen, 32 dem israelitischen, 7 dem altkatholischen Bekenntnisse an, 1 war konfessionslos. Das neue Schuljahr beginnt am 18. September. Stuttgart, 7. Aug. In Mühringen entstand vor einigen Tagen ein Brand in einem großen, von mehreren Familien bewohnten Gebäude. Starker Rauch und Feuerflammen drangen aus der zu ebener Erde liegenden Wohnung der alleinstehenden Israelitin Raiz. Die Feuerwehr mußte die Thür aufbrechen und fand die 7l jährige Raiz stark verkohlt halb aufgerichtet im Bette. Während anfänglich alles an ein Unglück glaubte, fand man bei der Leichenschau einen Tuchknebel im Munde der Todten eingepreßt. Da außerdem nur Nickelmünzen im Betrag von mehreren Mark sich vorfanden, während die Verstorbene als vermöglich galt, wurde, wie das "Deutsche Volksbl." schreibt, sofort der Verdacht laut, es liege Raubmord vor, und das Feuer sei gelegt, um die Spuren des Verbrechens zu verwischen. Die gerichtliche Obduktion förderte bei der starken Verkohlung des Leichnams (namentlich am Hals und Kopf) keine weiteren Zeichen eines gewaltsamen Todes zu Tage; es wurde nur konstatirt, daß die Mundhöle mit einem zusammengeballten Luchfetzen ausgefüllt und die Zunge breitgedrückt war; der Tod war durch Ersticken eingetreten. Eine Nachbarsfrau behauptet, vor Ausbruch des Brandes unterdrücktes Jammergeschrei gehört zu haben. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 6. Aug. (So entsteht dasBlutm är ch e n.) Vor einigen Tagen wurde aus Jungbunzlau gemeldet, daß aus dem Orte Alt-Benatek ein dreizehnjähriger Knabe Namens Franz Jirta verschwunden sei und seit dem 19. Juli vermißt werde. Obwohl durch die Nachforschungen der Behörden festgestellt wurde, daß der Knabe nach seinem Verschwinden sich mehrere Tage lang in einem nicht weit entfernten Dorfe bei einem Bauer aufgehalten, aber von dort wieder entfernt habe, wurde dieser Fall doch benützt, um unter der Bevölkerung abenteuerliche Gerüchte zu verbreiten und dadurch eine Aufregung zu erzeugen, die sich gegen die Juden richtete. Es ist auch in der That in Alt-Benatek schon zu Demonstrationen gekommen. Dies mußte nach den in den czechischen Bezirken Böhmens gemachten Erfahrungen um so gefährlicher erscheinen, als der Jungbunzlauer Bezirk eine zahlreiche jüdische Bevölkerung hat. Nun ist aber das Verschwinden des Franz Jirta in jener Weise aufgeklärt worden, die bei einer ruhigen Beurtheilung des Falles vorauszusehen war. Der Bursche ist vor einigen Tagen bei Nimburg, also gar nicht weit von seinem Heimathsorte, aufgegriffen und der Gendarmerie übergeben worden. Er gab an, daß er aus dem Elternhause durchgegangen sei, und zwar schlechter Behandlung wegen. Wien, im Aug. Dem Bericht über die Stiftungs- Thätigkeit für die Zeit vom 1. April bis 31. August 1899 der Baron Hirsch-Stiftung entnehmen wir: Seit dem Bestehen der Baron Hirsch-Stiftung hat der hochherzige, selige Stifter für Zwecke, die den Tendenzen der Baron Hirsch-Stiftung nahe standen, die aber in den Statuten dieser Stiftung nicht bedacht waren, in munificenter Weise gesorgt. So wurde in erster Linie israelitischen Kindern, welche zur Erlernung eines Handwerkes körperlich zu schwach waren, durch Ertheilung von Stipendien die Möglichkeit zur Erlernung eines anderen Berufszweiges geboten. Ueberdies wurde armen Kindern, welche die Schulen der Baron Hirsch-Stiftung in Galizien und in der Bukowina besuchten. Mittagskost gewährt und Kleidungsstücke für dieselben beschafft. Nach dem Hinscheiden des seligen Herrn Baron von Hirsch hat die nunmehr in Gott ruhende Frau Baronin Clara von Hirsch diese so wohlthätige Action noch in erhöhtem Maße fortgesetzt und in ihrer großen Vorsorge dahin ausgedehnt, daß sie den durch die Baron Hirsch-Stiftung zu Handwerksgesellen herangebildeten, in Galizen und in der Bukowina wohnenden israelit. Kindern Unterstützungen behufs weiterer Ausbildung in ihrem Handwerke, insbesondere durch Reisen in das Ausland gewährte. Anläßlich der Feier des 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. beschloß die sel. Frau Baronin eine Stiftung für die hier bezeichneten Zwecke zu creiren, aus deren Mitteln auch Arbeitsschulen für israelitische, insbesondere in Galizien und in der Bukowina wohnhafte Mädchen errichtet oder denselben Stipendien zum Besuche von Handelsschulen und Unterstützungen zur Erlernung und Ausübung einer Erwerbsbeschäftigung gewährt werden sollten.