Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 63 (6.8.1900)
- Date
- 1900-08-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1294 mehrerer in hebräischer, französischer und deutscher Sprache verfaßten Werte war. Die Beerdigung fand unter großer Betheiligung Freitag Vormittags 11 Uhr statt. Die Leichenreden hielten der Oberrabbiner aus Straßburg und der benachbarte Rabbiner aus Oberehnheim, letzterer im Trauerhause, ersterer in der Synagoge. Der Verstorbene hinterläßt eine alte, unglückliche, trauernde Wittwe und zwei untröstliche, unversorgte Töchter, deren die Stütze und der Ernährer entrissen worden ist. Hoffentlich wird sowohl die Gemeinde Barr, als auch das israelit. Consistorium des Unter-Elsaß den unglücklichen Zurückgebliebenen hilfreichen Beistand leisten! — Um meinen Bericht mit der „wunderschönen Stadt Straßburg", mit der ich denselben begonnen habe, zu beenden, gebe ich Ihnen einen kurzen Auszug aus der mir vorliegenden Statistik der Eheschließungen des Jahres 1899 in der Stadt Straßburg, mitgetheilt vom Statistischen Amt der hiesigen Stadt. Mit dem Wachsthum der Bevölkerung ging auch die Steigerung der Eheschließungen in den letzten Jahren Hand in Hand. Während im Jahre 1894 nur 1027 Ehen geschlossen wurden, brachte es das Jahr 1899 auf 1434 Ehen. Nach dem Religionsbekenntniß waren 537 Ehen rein katholische, 416 rein evangelische, 31 rein israelitische. Die gemischten Ehen setzten sich folgendermaßen zusammen: 261 evangelische Männer heiratheten katholische Mädchen und bei 194 Ehen war der Mann katholisch und die Frau evangelisch. Ein Israelit führte eine Katholikin heim und zwei andere heiratheten evangelische Mädchen. Ein Mann des evangelischen und einer des katholischen Bekenntnisses erwählten je eine Israelitin zur Frau. Zum Schlüsse lege ich Ihnen einen soeben erhaltenen Aufruf zur gefälligen Veröffentlichung bei, den der Verwaltungsrath der hiesigen israelitischen Gewerbeschule an die Rabbinen und Synagogen-Verwalter des Unter-Elsaß unter gestrigem Datum gerichtet hat: Der Aufruf lautet: Straßburg. den 29. Juli I960. Sehr geehrter Herr Rabbiner! Der Verwaltungsrath der isr. Gewerbeschule zu Straßburg erlaubt sich hiermit, Ihnen einen Rechenschaftsbericht vom Jahre 1899 mit der Bitte zu übersenden, denselben einer geneigten Durchsicht zu würdigen. Wir würden uns glücklich schätzen, könnten wir Ihnen darin von einem steten Vorwärtsschreiten unserer Anstalt berichten. Statt dessen aber sind es ernste Besorgnisse für die Zukunft, die uns veranlassen, Ihnen einen Einblick in unsere finanzielle Lage zu geben. Schon seit einer Reihe von Jahren übersteigen regelmäßig die Ausgaben die Einnahmen um einige hundert Mark, trotz der größten Sparsamkeit, die wir uns auferlegen. Und auch im verflossenen Jahre wieder ließ sich ein Defizit nicht vermeiden. Schwierig, ja beinahe unmöglich ist es darum, unter den obwaltenden Verhältnissen die Leistungsfähigkeit unserer Schule auf dem bisherigen Niveau zu erhalten, abgesehen von den vielen Verbesserungen und Neuerungen, die von Nöthen wären. Wieviel Nützliches und Gutes müssen wir entbehren in Folge derJnteressenlosigkeit, die man uns gegenüber fast allenthalben an den Tag legt; ja, wird uns nicht Hilfe zu Theil, so sehen wir uns gezwungen, zu einem Mittel zu greifen, gegen das wir schon lange ankämpfen, und dem wir uns nur mit großer Betrübniß und nur der Noth gehorchend, unterwerfen, nämlich die Zahl unserer Schüler um 10 bis 12 zu verringern. Um vor diesem Schritt bewahrt zu sein, wenden wir uns hilfesuchend an Sie und an Ihre Herren Amtsbrüder. Sind wir doch fest überzeugt, daß es nur einer Anregung Ihrerseits bedarf, damit uns alle diejenigen, die uns bis jetzt fern gestanden, mit jährlichen Beiträgen unterstützen und die bisherigen Spender dieselben erhöhen. Sind doch in den letzten Jahren in Ihren Wirkungsorten eine Anzahl von jüngeren und zugezogenen Familien erstanden, die sich bereitwilligst den vielen Subscribenten anschlössen, wenn Ihnen Existens und Zweck, aber auch die gegenwärtige Nothlage unserer Anstalt klar gelegt würde. Möchten Sie, geehrter Herr Rabbiner, darum doch Ihren hohen Einfluß in den Ihnen unterstellten Gemeinden zu unseren Gunsten geltend machen, um die Schwierigkeiten zu überwinden, welche die weitere Entwickelung unserer früher so blühenden Anstalt hemmen. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß Sie, nachdem Sie uns bisher treu zur Seite gestanden, auch fernerhin uns Ihre so nöthige Mitwirkung nicht versagen werden, da Sie dadurch ein Werk der Menschenliebe vollbringen, von dessen Tragweite Sie überzeugt sind. Empfangen Sie, geehrter Herr Rabbiner, den Ausdruck unserer vorzüglichsten Hochachtung. I. A. des Verwaltungsrathes: Der Ober-Rabbiner: Der Präsident: U r y. Schwär z. Zuschriften wolle man gefälligst an die Direktion der israelitischen Gewerbeschule, Halbmondgasse 3, in Straßburg richten. Unterzeichneter Ober-Rabbiner bittet Sie dringend, diese heilige Sache von der Kanzel herab an das Herz der Glaubensgenossen Ihrer Gemeinde und Ihres Spengels legen zu wollen. A. U r y , Ober-Rabbiner. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 31. Juli. Von neuen Schandthaten der Felicianerinnen in Krakau, von einem abermaligen Kindesraub, berichten die Tageszeitungen: Am 14. September 1899, dem jüdischen Verohnungstage, wurde die 16jährige Tochter Esther der in Wola Szczucinska bei Tarnow wohnhaften Wittwe Chane Weiser, während die Mutter in der Synagoge zu