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Der Israelit · 1900-08-06 · Heft 63 (6.8.1900) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 63 (6.8.1900)
Date
1900-08-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1292 Der Vater hatte für mich geantwortet: „Du darfst nicht böse sein, liebe Cäcilie, aber einmal wird Leo wenig Zeit haben, Besuche zu machen, da er am Werktag im Geschäft ist und den Sabbat seiner geistigen Fortbildung widmen soll, zweitens aber soll Leo — das ift mein Wunsch — nur in strengreligiösen Häusern verkehren, da ich das religiöse Vorbild, welches der Mensch in seiner Jugend genießt, als entscheidend für seine Zukunft betrachte!" „Aber, lieber Papa —" fiel Cäcilie entrüstet ein, „wir sind doch keine Menschenfresser, wenn wir auch nicht so fromm sind. Man kann deßhalb doch recht brav und kann ein guter Mensch sein, wenn man auch nicht den Wein aus einem Glase verschmäht, das ein Christ angerührt hat!" „Gewiß kann man das, liebe Cäcilie, aber wir sind nicht nur Menschen, wir sind auch Juden. Wir haben nicht nur von unseren Eltern eine Aufgabe überkommen, der wir nachleben sollen als gute, gerechte und liebevolle Wesen, nein — eine weit größere Aufgabe reicht uns die graue Vorzeit, reicht uns das Volt, dem wir angehören, die Geschichte unserer Väter, die Aufgabe, I s r a e l i t e n zu sein, im echten Sinne, und so lange wir das nicht sind, werden wir auch unserer Aufgabe als Menschen nicht vollauf gerecht-" Der Vater hatte hier abgebrochen, und der Eintritt Salomon's, der aus dem Geschäft kam und uns begrüßte, hatte dem Gespräch eine andere Wendung gegeben. Ich wußte also, daß es dem Wunsche der Eltern durchaus entsprach, wenn ich den Verkehr bei Salomon nach Möglichkeit einschränkte, und ich muß sagen, eine instinktive Scheu vor all den Stätten, in denen eine Versuchung irgend welcher Art meiner warten konnte, hätte mich ohnedies zur Vorsicht gemahnt. So blieb denn mein Leben nur auf die wenigen Stätten beschränkt, von denen ich bereits gesprochen: Auf Familie Münz, in deren Mitte ich zu Hause war, wo ich wohnte und speiste, auf das Geschäft, in dem ich mit Eifer und Fleiß meine kaufmännische Ausbildung betrieb, auf die Familie meines Chefs, der mit väterlicher Liebe meine Schritte überwachte, und endlich auf die Studierstube des Rabbiners, in der ich die reichen Geistesschätze unserer Ahnen nach und nach in mich aufnehmen und den sichersten und festesten Grund für alle Frömmigkeit legen sollte: das Wissen. Es war eine Fügung Gottes, daß ich an diesen vier Stätten im Grunde genommen Alles fand, dessen ich bedurfte, um meinen Vorsätzen treu zu bleiben. Trotzdem hätte mich wohl in der ersten Zeit das Heimweh stärker geplagt, wenn ich nicht alsbald bei Münz einen Leidensgefährten gefunden hätte. Es war gleichfalls ein Lehrling, nicht weit von M. zu Hause, auch sein Vater hatte eine fromme Pension gesucht. Eine gemeinsame Stube erhielten wir als Wohnung. Das gleiche Schicksal half uns Beiden bald über die ersten wehmüthigen Gefühle hinweg, wenn wir mitten in dem Getriebe der großen Stadt an die trauten Räume der Heimath zurückdachten. Wir sprachen uns gegenseitig aus, erzählten uns von unserer Jugend und schmiedeten Zukunftspläne. (Fortsetzung folgt.) Wochen-Galenöer. Freitag, 10. August, 15. Ab, n&y nE'on. Sabbat - Anfang in Mainz und Frankfurt a. M 7 Uhr 25 Min. Samstag, 11. Au,ust, 16. Ab. ieiu 'w .pnrm Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt a. M. 8 Uhr 45 Min. — Berlin 8 Uhr 30 Min. — München 8 Uhr 17 Min. — Hannover 8 Uhr 40 Min. — Stuttgart 8 38 Min. — Prag 8 Uhr 10 Min. — Slraßbnrg 8 Uhr 40 Min. — Posen 8 Uhr 16 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — &ev Vuchhandrl verkehrt durch V. jjf. Slrrnstkrr, Leipzig, Notzplatz jb. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzei'le ober deren Raum. Preis ver Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Dirccte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. Eine Rücksendung der an vte Redaktion eingesandten Wauufevipte findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von allen Einiendnuaen eine Eovie znrücktnbebalten Stellensuchende erhalte« ans Wunsch die Inserate» Beilage vier Wochen lang gratis und franco zngesandt. Ebenso stunden wir ans Wnnsch die Zahlung des JnsertionsbetragS an außer Stelle Befindliche bis «ach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt). Leitender Artikel: Entsagung und Hoffnung. — Zeitungsnachrichten und Correjpondenzen: Deutschland: Berlin. 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