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Der Israelit · 1900-08-06 · Heft 63 (6.8.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 63 (6.8.1900)
Date
1900-08-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ry •.sjpfrwt^sjv'T' - 1SS6 Oe ft er r. Ungar. Monarchie. Polna, 31. Juli. Am 7. d. Mts. fand hier ein Lokalangenschein des Piseker Gerichtes unter Zuziehung zweier Gerichtsärzte statt, welche der Ueberprüfung der Aussage des Zeugen Peschak galt. Mit dieser Besichtigung des Thatortes ist nunmehr auch die neue Untersuchung gegen Hilsner formell zu Ende, und das gesammte Material wurde an die Prager Oberstaatsanwaltschast gesendet, wo in erster Linie entschieden werden wird, ob gegen Leopold Hilsner auch die Anklage wegen Ermordung der Maria Klima, deren Leiche bekanntlich im Juli 1898 in der Nähe von Polna aufgefunden wurde, erhoben werden wird. Die Eltern der Klima wurden veranlaßt, für diese Eventualität in der Person des Dr. Pewny aus Prag einen zweiten Privatvertreter neben Dr. Baxa zu bestellen. Hilsner wird in dem zweiten Prozesse, der Anfangs November für vierzehn Tage in Aussicht genommen ist, von Dr. Autedniczek und dem Piseker Advokaten Dr. Bodicka vertreten sein. England. London, 20. Juli. (E h r e n g a b e.) Der Verband der jüdischen Schlächter und Geflügelhändler, die Schochtim und Aufseher der Schlachthäuser, haben Sir Samuel Montagu M. P. eine kunstvoll ausgesührte Dankadresse überreicht. Sir Samuel Montagu ist seit 20 Jahren Vorsitzender der Schechita-Kommisiion und hat dieses Amtes mit der größten Gewissenhaftigkeit gewaltet, das während der Dauer seiner Amtsführung eine bedeutende Arbeitsvermehrung erfahren hat. Im Jahre 1880 hatte die Schechita-Kommission zehn Schochtim und sieben Aufseher unter sichjetzt sind 29 Schochtim und 26 Aufseher ihrer Aufsicht unterstellt, was nicht nur eine entsprechende Zunahme der Bevölkerung, sondern auch eine erfreuliche Steigerung des Bedarfs an koscherem Fleisch bedeutet. Die Dankadresse, die der Chief-Rabbi Dr. Adler im Aufträge der Geber mit einer Anrede überreichte, ist mit großem Geschmacke ausgestattet und mit dem Wappen Sir Samuel Montagu's geschmückt. Sämmtliche Mitglieder des Verbandes, die Schochtim und Aufseher und alle Beamten der Schechita-Kommission haben die Adresse unterzeichnet. Feuilleton. Äin Schritt vom Wege. Iüöische Wovelle von Arnold Mann. 4] Was mich selbst betrifft, so hatte mich das eben gehörte Gespräch in meinen längst gefaßten Vorsätzen nur befestigt. Ich hatte nun mit eigenen Ohren gehört, wie himmelweit die sreigeistige Anschauung Salomon's von der des Vaters verschieden war; mit Schmerz gewahrte, welch' tiefe Kluft die beiden mir so nahestehenden Menschen von einander trennte. Da flammte in mir heißer denn je der heilige Wunsch auf, in m e i - n e m Leben die beglückende Harmonie mit dem Elternhause so fest zu begründen, daß ich den Eltern für die kurze Stunde des Kummer, in der ich sie eben noch verzweifelt sah, ein Dasein voll Freude und voll Zufriedenheit zu bereiten vermöchte. Ich wollte sie reichlich entschädigen. M i r sollte, nach des Vaters Wunsch, nichts in der Welt die heilige Empfindung des Herzens ertödten oder auslöschen. Ich würde wollen und darum auch können.-— Während ich über diese mündliche Verhandlung des Vaters mit Salomon genauen Bericht geben konnte, weil ich sie selbst mit angehört, bin ich über das, was in den nächsten Wochen folgte, nicht so im Klaren. Ich >veiß nur, daß hintereinander mehrere Briefe von Salomon ankamen, offenbar Vorschläge einzelner Lehrstellen enthaltend. Wie ich aus gelegentlichen Aeußerungen der Eltern entnahm, schien keine zu passen. Endlich handelte es sich um eine Stelle in M., wohin Salomon vor kurzem verzogen war. Da hörte ich dann, wie der Vater die Meinung aussprach, daß die Anwesenheit eines Bruders von der religiösen Anschauung Salomons an dem Orte meines künftigen Aufenthaltes unter allen Umständen gefährlich sei; es könne wohl schwer umgangen werden, daß ich bei Salomon verkehre. Wie nun, wenn das irreligiöse Vorbild seines Hauses gerade das heraufbeschwören würde, wovor die Eltern mich behüten wollten? Allerdings schienen alle anderen Bedingungen vollauf zuzutreffen; denn als der Vater von einer Reife nach M., die er zur Orientirung unternommen hatte, zurückkehrte, stand sein Entschluß bereits fest. Zwar befand sich in M. ein freisinniger Rabbiner und eine orgelgeschmückte Synagoge, aber man hatte auch demjenigen Theil der Gemeinde, der strengeren Ansichten huldigte, sein Recht gelassen, ihm gleichfalls ein schönes, aber von allem unjüdischen Beiwerk freies Gotteshaus überlassen. Demgemäß gehörte auch der zweite Gemeinderabbiner der strengeren Richtung an. Bei ihm hatte der Vater vorgesprochen. Die Auskunft über das Geschäft, welches mich aufnehmen sollte, war glänzend in jeder Hinsicht, und der Rabbiner selbst hatte dem Vater zugesagt, mich in seine besondere Obhut zu nehmen und meine geistige Weiterbildung im Sinne der Eltern zu leiten. So war es entschieden, daß ich nach M. kam, und der Tag brach an, an welchem ich abschiednehmend in den Armen der Mutter lag. Sie wußte, daß in mir der Vorsatz lebte, ihrem Wahlspruche treu zu sein. Darum bedurfte es kaum noch einer letzten Mahnung an mich.

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