Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-08-06 · Heft 63 (6.8.1900) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 63 (6.8.1900)
Date
1900-08-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449108--51276-2501780
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1368 Vorreden, daß das Judenlhum „den Talmud mit allen nur erdenklichen Mitteln geheim halte," Bekannttverden seines Inhaltes fürchte, ja dessen Bekanntmachen seitens eines Juden für ein todeswürdiges Verbrechen erkläre. Demgegenüber genügt es, einige Namen neuerer Talmudübersetzer zu nennen: E. M. Pinner, I. M. Rabbinowicz, M. Rawicz, I. Sammler, M. Schwab, D. O. Strachun. Sie alle sind unangefochten geblieben. Und wie Bedeutendes hat Wilh. Bacher in seinem sechsbändigen deutschen Werk über die Geschichte der Hagada dazu beigetragen, einen Haupttheil des Inhaltes des Talmuds Jedem, der darüber sich belehren will, bekannt zu machen! Möge mein Buch auch bei seinem dritten Ausgange in die Öffentlichkeit dazu helfen, daß Erkenntniß der Wahrheit gefördert werde und dadurch auch Gerechtigkeit im Urtheilen!" Soll dieser Wunsch, dem aus vollen Herzen wir Juden uns anschließen, in Erfüllung gehen, dann muß das Buch möglichst ausgedehnte Verbreitung finden, und hierzu beizutragen, erscheint uns die Pflicht eines Jeden in unserer Mitte, der sich für unsere religiöse Ehre Empfindung bewahrt hat. Frankfurt a. M. Am 24. Mai d. I. fand hierselbst in der vom Schulrath der „Jsr. Religionsgesellschaft" freundlichst zur Verfügung gestellten Turnhalle die Generalversammlung des „Unabhängigen Vereins israelitischer Lehrer im Großherzogthum Hessen" statt. Dieselbe war von 45 Mitgliedern besucht. Auch die Herren Rabbiner Dr. Breuer und Dr. H o r o v i tz beehrten dieselbe durch ihr Erscheinen. Der Vorsitzende, Herr Dr. B a r n a ß - Pfungstadt, begrüßt die Versammlung und gibt einen kurzen Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr, sowie die Thätigkeit des Vorstandes. Insbesondere erwähnt derselbe die Ueberreichung der Denkschrift betr. „Organisation des israelitischen Religionsunterrichts" an das Großh. Ministerium und bemerkt, beim Ausblick auf die Zukunft, wenn auch nicht zu optimistisch, so doch vertrauensvoll auf die in Aussicht gestellte Geneigtheit der Regierung bei Behandlung der so wichtigen Sache zu hoffen. Die Bezirkskonferenzen, welche zum ersten Male im abgelaufenen Jahre abgehalten wurden, seien von Erfolg begleitet gewesen. Dennoch ersucht der Vorsitzende, daß namentlich die Lehrproben auf denselben mehr als sonst berücksichtigt werden. Dringend sei ferner zu wünschen, daß die Referate für die Versammlungen zahlreicher und bestimmter angemeldet und auch gehalten werden. Für die Verhandlungen mit anderen isr. Lehrervereinen behufs Gründung eines besonderen Lehrerverbandes erbittet der Vorsitzende die Ermächtigung der Versammlung, welche ertheilt wird. Mit der Bitte, in der gemeinsamen Mitarbeit für die Ziele des Vereins nicht zu erlahmen und alle Kräfte dafür einzusetzen, schließt der Vorsitzende seinen Bericht. Auf Antrag eines Mitgliedes wird hierauf die dem Großh. Ministerium überreichte Denkschrift verlesen. Aus formellen Gründen schreitet man jetzt zum dritten Punkt der Tagesordnung: „Aus- und Fortbildung des jüdischen Lehrers in den rabbinischen Fächern." Referent H. Ehrmann - Friedberg, bemerkt einleitend, daß das Thema zwar nicht zeitgemäß sei, da unsere heutigen Anforderungen auf diesem Gebiete von großer Bescheidenheit zeugen, im Gegensatz zu den nichtjüdischen Kollegen, bei denen mit der Steigerung in profanen Fächern auch eine solche in den religiösen Fächern verknüpft sei. Ueberall sei ein Fortschritt zu konstatiren, nur nicht auf dem Gebiete, welches das eigentliche Lebenselement des jüdischen Lehrers bilden solle. Schon die israelitischen Lehrerseminare lassen in dieser Hinsicht viel zu wünschen übrig, und darunter habe auch die Religionsschule zu leiden. Vor allem sei in den Seminarien eine Erhöhung des Lehrzieles in den rabbinischen Fächern zu fordern. Die bisherigen Resultate seien völlig ungenügend. Namentlich sei diese Forderung angezeigt mit Rücksicht auf die Fortdauer der angeeigneten Kenntnisse. Nach wenigen Jahren sei bei der bisherigen Behandlung alles vergessen; ferner in Hinsicht auf die Möglichkeit der späteren Fortbildung und Hebung des inneren Dranges hierzu; besonders aber seien die praktischen Bedürfnisse in der späteren Stellung zu beachten. Hilflos wie ein Kind trete der Lehrer vom Seminar in die Praxis. Zu bedauern sei besonders der Mangel jeglicher Methodik in den rabbinischen Fächern. Müßten schon bei beschränkter Zeit alle Feinheiten derselben in den Dienst dieses Unterrichts gestellt werden, so sei dies um so nöthiger, als in manchen Seminarien viele Stunden dem Religionsunterrichte gewidmet seien. Referent schildert hierauf „den Weg des Lernens" in Präparandenschulen und Seminarien, mit allen Vor- und Nachtheilen. Von der nothdürftigen Kenntniß des Pentateuch dürfte nicht direkt zu rwo und iHM übergegangen, sondern zuvor müßte der *pri Unterricht gründlich gepflegt werden. Dies sei der natürliche Weg, aber auch der methodisch richtige, da sonst dem Gebäude die Grundlage fehle. Alle Faktoren in Präparandenschulen und Seminarien müßten aber auch ihre Schuldigkeit thun und in beständigem Zusammenhang bleiben. Deßhalb sei der Unterricht interessant und methodisch, vom Leichten zum Schweren fortschreitend, zu gestalten, und besonders der Unterricht sowie die Kenntniß der hebräischen Sprache als Grundlage zu pflegen. Erst wenn die Begriffe des tpem fest wurzeln, solle mit dem „Lernen" begonnen werden. Im ersten Jahre sollte daher in Seminarien und Präparandenschulen nur *pn behandelt, dagegen vom zweiten Jahre ab nv$

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.