Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 63 (6.8.1900)
- Date
- 1900-08-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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128- „das; noch immer sein Arm über uns walte." Es mag ja sein, daß Gott sein gnadenvolles Antlitz uns abwendet, aber nichtsdestoweniger versucht er noch unausgesetzt die Zuchtmittel seiner Liebe an uns. *]\n::cx in nnps^ c*Bnn „9JIÜ jedem Morgen neu, erweist sich Deine TreiErv'^ bz* ppc: Wina naa \PxP "pn^cx y-rv -x Weil Deine Schickungen mit jedem Morgen neue Gestalt annehmen, daran erkenne ich, daß unwandelbar Deine Treue, die mir die Erlösung verheißen." Der Kranke ist noch längst nicht aufzugeben, an welchem sich die unerschöpfliche Geduld des Wärters mit immer neuen Heilmitteln versucht. Es liegt etwas unendlich Erhabenes in dem Gedanken, daß Israel auch in seiner Erniedrigung noch ein Werkzeug in der Hand seines Gottes bildet. Es tritt damit aus der Reihe der wandelbaren, bloß zeitlichen Erscheinungen heraus und erhält den Charakter einer über die Einwirkungen der Zeit erhabenen Naturgewalt. bxirr" 7i'2 22?,x vittns ew,i nnn y:*iX3 o bxis" xbz obiyb “irex x -p nnr xbz abwb “rcx xr er: „Wie die Welt ohne Winde nimmer bestehen kann, so auch nicht ohne Israel." Sind doch die Winde das Urelement der Bewegung in diesem mannigfachen Spiel der Kräfte. Israel ist in gleichem Maße die große Triebkraft, welche die moralische, sagen wir besser, die göttliche Weltordnung in Gang hält." Der Gedanke, daß der Einzelne, und sei es auch der Größte, in Folge seiner Sünde stirbt, mag eine große Ernüchterung in sich bergen. Das ist das Schicksal unseres Geschlechts. Erhaben und trostreich ist aber die Botschaft der Propheten, daß die Gesammtheit Israels diesem Gesetze nicht unterliegt. Auch in seiner Erniedrigung bleibt es ein Werkzeug Gottes, an dem er mit unerschöpflicher Geduld die Zuchtmittel seiner Gnade versucht. In dieser Erkenntniß findet der Widerstreit zwischen Entsagung und Hoffnung seinen schönsten Einklang. Zeitungsnachrichten ttttfc Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 31. Juli. Herr Pros. Dr. Hermann L. Strack hat seine vortreffliche „Einleitung in den Talmud" soeben in dritter Auflage herausgegeben (Leipzig, I. C. Hinrichs). Die Vorzüge des ausgezeichneten Buches sind bei seinem ersten Erscheinen von herusenster Seite hervorgehoben worden, sodaß dasselbe eines erneuten empfehlenden Wortes nicht mehr bedarf. Welche hochherzigen Absichten den gefeierten Verfasser bei dem Neudruck geleitet haben, davon gibt er in nachstehendem Vorwort Kenntniß, das von dem Gesinnungsadel dieses unermüdlichen, unerschrockenen .Kämpfers für Wahrheit und Gerechtigkeit erneutes, wohlthuendes Zeugnis; ablegt: Gerade wie in den Jahren 1892—1894 erheben gegenwärtig nicht nur Unkundige, sondern auch Böswillige lautes Geschrei wider „die jüdischen Geheimschriften." Im Anfang des Maimonats 1900 durchlief die Tagesblätter die Kunde, das Mitglied des Preußischen Herrenhauses, von Hertzberg-Lottin, wolle in einer an den Minister des Innern gerichteten Interpellation „eine authentische Uebersetzung aller jüdischen Geheimschriften" fordern. Und von der Unterstützung dieser Interpellation hat die „Konservative Fraktion" des Herrenhauses, „nicht aus grundsätzlicher Gegnerschaft gegen ihren Sinn, sondern nur vorläufig Abstand genommen!" Hierdurch wurde ich genöthigt, meine seit geraumer Zeit vergriffene „Einleitung in den Talmud" schleunig wieder dem öffentlichen Nutzen zugänglich zu machen. Ueberbürdet mit anderen Arbeiten (z. B. die Neubearbeitung der Schrift über den Blutaberglauben hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen) mußte ich mich jetzt darauf beschränken, einen anastatischen Neudruck der zweiten Auflage (1894) Herstellen zulassen und die wichtigste neue Litteratur nachzutragen. Wer ernsthaft wünscht, über den Talmud oder irgend einen Theil seines Inhaltes Aufschluß zu erhalten, kann, wie die S. 106—130 und jetzt auch S. 5 bis 6 von mir verzeichnete Litteratur beweist, gegenwärtig auch ohne Kenntniß der Sprachen des Grundtextes eine im Allgemeinen ausreichende Belehrung sich verschaffen. Gleichsam um den Thatbeweis zu liefern, daß auch für ein wissenschaftliches Urtheil der Christ nicht mehr von dem abhängig ist, was Juden ihm über den Talmud mitzutheilen für gut halten, habe ich die erste Auflage dieses Buches geschrieben, ohne auch nur eines Fadens oder eines Schuhriemens Werth an Mittheilung von Juden oder Judenchristen erbeten oder angenommen zu haben. „Der Talmud enthält schlechterdings keine Nachricht oder Aeußerung, welche, selbstverständlich wenn sie wirklich darin sieht, der sprach- und sachkundige christliche Gelehrte zu finden nicht vermöchte." (Was speziell die Zensurlücken betrifft, so sind in Deutschland schwerlich zehn Rabbiner zu finden, welche alle vier S. 75 genannten, in meiner Bibliothek befindlichen'Schriften besitzen.) „Ueberhaupt gibt es innerhalb des gestimmten Judenthums weder eine Schrift, noch eine mündliche Tradition, welche kundigen Christen unzugänglich wäre." Weder suchen die Juden vor den Christen etwas zu verbergen, noch können sie vor ihnen etwas verbergen. „Für die Richtigkeit dieser Erklärung setze ich auch hier meine Ehre als Mann und Gelehrter ein." Der Talmud, der Schulchan Aruch und andere jüdische Schriftwerke sind Geheimbücher nur für diejenigen — Juden nicht minder als Christen — welche die zum Lesen erforderlichen Vorkenntnisse nicht erwwrben haben. Und eine grobe Unwahrheit sprechen die aus, die dem christlichen deutschen Volke