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Der Israelit · 1900-08-06 · Heft 63 (6.8.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 63 (6.8.1900)
Date
1900-08-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1286 „Sab ich doch einen seit langem ausgetretenen Fußsteig," — woraus der Knabe schlagfertig zurückgab: „Ja, das waren eben Räuber deines Schlages, die ihn gebahnt." Wir können kaum annehmen, daß es Josua b. Ehananja entgangen war, daß er fremden Boden zu betreten im Begriffe stand. Bedenken, die sich etwa dagegen erheben mochten, glaubte er beschwichtigen zu können, indem er den Einfluß der Zeit in Betracht zog. Sie ist es doch gerade, die alte Rechte verjähren und neue der Gewohnheit sickern läßt. Der Knabe jedoch machte demgegenüber geltend, daß mit solchen Ausflüchten sich wohl die stumpfe Gedankenlosigkeit abfinden mag. Wir jedoch können aus dem Einflüsse der Zeit Folgen von so großer Tragweite nimmer ableiten. Recht verstanden, was es gerade die Verkennung dieser Wahrheit, die Israels staatliches und nationales Unheil, das wir eben erst beklagt, verschuldet hatte. Das war um so weniger zu verzeihen, als Moses eben erst in unserem Wochenabschnitte mit so gewaltigen Worten davor gewarnt hat. :iwr cr~r“‘ pxc':z -Pt -z mr bzc „Wenn du Kinder und Enkel wirst gezeugt haben und ihr werdet euch alsdann als Alteingesessene im Lande fühlen und in Folge dessen ausarlcn und euch Abbilder von allerlei Gestalten machen." Moses fürchtet hier das Unheil aus keinem andern Grnnde, als ans dem Umstande „thr werdet euch alteingesessen fühlen." Israel konnte alsdann drm Jrrthuin verfallen, daß die Rechte, die Gott darauf besitzt, nunmehr verjährt, die Verhältnisse demnach dahin gediehen seien, der Zeit Rechnung zu tragen und die von ihr geheiligten Anrechte ie nach Bedünken in Anspruch zu nehmen. Moses kündigt auf diese Verirrung jene Strafe an, die sich noch immer in ihrer ganzen Furchtbarkeit an uns bewährt hat. pxrx' nx cvn ms *m,n -ni: p-isxn “ix w „Ich rufe Himmel und Erde wider euch zu Zeugen an, daß ihr gar schnell zu Grunde gehen werdet." In der Zeit soll der Einzelne Linderung für seine Schmerzen suchen. Sie darf aber für uns kein Element bilden, in welchem sich uns alles Hohe und Heilige — die unveräußerlichen Rechte Gottes — ausloß n. II. Wenden wir nun den trostreichen Ankündigungen des Propheten unsere Aufmerksamkeit zu. Unser Schmerz, ob des Unheiles, das uns widerfahren, soll mit der Verheißung himmlischen Trostes beschwichtigt werden crpSx xw vsv Tn: *ar: „Tröstet, tröstet mein Volk, — das ist die Botschaft enres Gottes.". Es sind dies keine Beruhigungen landläufiger Art, mit denen er unser Herz wieder aufrichten will. Tröstungen laufen gewöhnlich darauf hinaus, Hoffnungen auf neue Errungenschaften zu erwecken, nachdem alte verloren worden. Hier aber legi der Prophet das ganze Geivicht auf die Thatsache, daß ivir in unsere alten Rechte ivieder eingesetzt werden sollen, nachdem Ivir uns derselben schon längst entschlagen. pSx xx‘ — tv Tn: Tn: „Tröstet, tröstet mein Volk, fordert euer Gott." „Euer Gott" — „mein Volk," das sind die beiden trostreichen Hoffnungssterne, die er an dem nächtlichen, tief umwölkten Himmel, der um Israel ach gar zu lange sich ausspannt, aufleuchten läßt. Der Prophet will damit unsere sichere Zuversicht auf's neue erivecken. Mag unsere Verstoßung auch eine Trübung unseres Verhältniffes Gott gegenüber bewirkt haben, so bedeutet dies deßwegen noch längst nicht dessen völligen Bruck. Wir begreifen nunmehr den Sinn eines uns gar seltsam anmuthenden Ausspruches unserer Weisen: xx 'ip\s‘ n pTv *r -rbv rtjrrs bv ‘n -ptr: cr:tr*:’S y-rntr bxxx x*y rpx xV.y „Gott hat mit Eifer gewaltet, um über uns das Unheil zu bringen, dieweil gnadenvoll Gott, unser Herr." Ulla erläutert diesen Spruch dahin, Gott habe sich an Israel gerade dadurch als gnadenvoll bewiesen, daß er es zwei Jahre, bevor sich dessen Sünde einnisten konnte, vertrieben hat. Der Gedanke geht wohl dahin, daß auch in unserem llngernach das barmherzige Walten Gottes nicht zu verkennen sei. Wenn andere Völker ans die abschüssige Bahn der Sünde gerathen, so läßt Gott dem Verderben freien Lauf. Es nagt so lange an dessen Kräften, bis sie völlig verheert sind. Israel war ebenfalls auf schiefe Wege gerathen. Schon wandelte es am Rande des Abgrundes, als Gott es mit gewaltiger Hand ergriff, um es in alle Welt hinauszuschleudern. Eine heilsame Ernüchterung war erreicht. Es war daher eine grundfalsche Folgerung, zu der unmittelbar nach der zweiten Zerstörung gewisse einflußreiche Kreise innerhalb des Jndenthums gelangt waren. Der Verzweiflung gänzlich verfallen, suchten sie aus derselben die letzte Folgerung — die Berechtigung zum Selbstmord nämlich — abzuleiten. Nun, meinten sie, ist Israel ein gehetztes Wild, in die Gewalt der Völker gerathen. Ohne Stütze und ohne Halt dieser rauben Welt preisgegeben, bleibe ihm keine andere Wahl, als in den Völkern auf- und als Israel nnterzngehen. Diese Lehre der schmählichsten Feigheit ist von den modernen Leuchten Israels — frisch aufgewärmt — als die neueste Erleuchtung einer ivahren Hcilslchre ansgegeben worden. Recht gesehen bildet dieses Für und Wider den Angelpunkt eines Disputes, der zwischen einem derartigen, erleuchtet sich geberdenden Abtrünnigen und R. Josua b. Ehananja vor dem Kaiser Trojan stattgefunden. Jener verwies .tex? rrvx nJ’vrrtn Key auf die Jämmerlichkeit „eines Volkes, dem sein Herr selbst den Rücken-gekehrt," worauf dieser entgegnete "’iBJ *Ty

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