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Der Israelit · 1900-08-02 · Heft 62 (2.8.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 62 (2.8.1900)
Date
1900-08-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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-M-Z, MYMWWWMffWM 1270 in der That nickst, 100 man beginnen und wo man aufbören soll, um auch nur ein annähernd zutreffendes Ebarattervild dieses großen, edlen Geistes zu entwerfen. Denn so übertrieben es auch klingen mag, es ist vollständig wahr, was einer seiner Schüler mir damals sagte: „Man lernt Israel nie in seiner ganzen Größe kennen, man müßte, um seine Bedeutung ganz zu würdigen, dieselbe selbst erreicht haben, und von den Tausenden. die ihn zu kennen glauben, besitzen sehr wenige die Befähigung, ihn in Wirklichkeit zu beurtheilen." Dieses Wort gilt in erster Reihe seiner immensen Gelehrsamkeit, nicht minder aber auch seiner hervorragenden Tugenden, die als reine, herrliche Blüthen seiner Thorawissenschaft, dieselbe hoch über das Niveau einer bloß speknlativen, theoretischen Kathederweisheit bluaushobeu. Sein Leben war der treue Ausdruck seiner Thora, er war die vollendete Verwirklichung des Gvttesgesetzes, welches er lehrte. Nie prunkte er mit seinem Wissen und nie machte er bei seinen vielen Reisen von der Erlaubniß Gebrauch '".w .-vN' »bi jorxs xjx psis jcts iv'Sb sich an Orten, an welchen man ihn nicht kannte, als Gelehrten erkennen zu geben. Rührende Züge erzählt man sich in Rußland von dieser seiner ängstlich zurückhaltenden Bescheidenheit; wie er als Fremder das Beth Hamidrasch der Stadt besuchte, in die er gerade kam, und in ferner Ecke den Diskussionen zuhörte, ohne durch ein Wort sich zu betheiligen, olnvohl er durch eine einzige Bemerkung die subtilsten Meinungsverschiedenheiten hätte zum Austrag bringen können. Man sagte daher vielfach in Rußland: Während Andere jede Gelegenheit aufsuchen, ihr Wissen zu zeigen, ist Rabbi Israel ängstlich bemüht, die Meinung zu erregen, als ob er nichts wisse." Wie peinlich er darauf bedacht war, auch nicht den geringsten Aortheil aus seiner weit berühmten Thorakunde zu ziehen, mag folgender Zug beweisen, den ich ans seinem eigenen Munde habe. Als Rabbi Israel s. A. zum ersten Male nach Deutschland reiste, kam er morgens früh in Königsberg an, sein Gepäck war aber durch irgend einen Zufall zurückgeblieben und mit demselben auch die Tefillin. R. Israel ging in die Synagoge und sprach, nachdem man dort das Morgengebei beendet hatte, mehrere an, ihm ihre Tefillin zu leihen. Hätten die Angesprochenen eine Ahnung davon gehabt, wer diese Bitte an sie stellte, man hätte sich sicher um die Ehre gestritten, einem Rb. Israel Salanter Tefillin leihen zu dürfen. Aber R. Israel ließ sich lieber abweisen, als daß er seinen Namen nannte. Als er aber den Mienen seiner Umgebung ansah, daß man ihm die Tefillin nur deßhalb verweigerte, weil man befürchtete, es mit irgend einem hergelaufenen „Schnorrer" zu thun zu haben, machte er einen letzten Versuch. Er zog seine goldene Repetiruhr vor den Augen eines eben seine Tefillin ablegenden Beters aus der Tasche, ließ sie schlagen und fragte den betreffenden Herrn, ob er ihm ivohl sagen könne, lvie viel die Uhr sei. Der Angercdete antwortete sofort. „Würden Sie mir vielleicht Ihre Tefillin für einige Minuten leihen?" fuhr R. Israel fort. „Mit größtem Vergnügen," lautete die Antwort, und die List hatte ihr Ziel erreicht. Rabbi Israel lebte in dürftigen Verhältnissen. Trotzdem wies er, wie in dem bxie»' nx 's erzählt wird, eine große Summe, die ihm ein deutscher Mäcen in delikatester Weise zuwenden wollte, entschieden zurück. Als es nicht gelingen wollte, R. Israel zur Annahme des Geldes zu bewegen, wollte der Gönner, da er den ärmlichen Tallis sah, in den R. Israel beim Gebete gehüllt war, ihn wenigstens bestimmen, einen kostbaren Tallis als Geschenk anzunehmen. Als R. Israel auch diesen verweigerte, setzte sich der Spender mit einem Freunde R. Israels in Verbindung, damit dieser ihn zur Annahme des Geschenkes veranlasse. Der Freund suchte sein Ziel auf Umwegen zu erreichen und sprach von der Verdienstlichkeit, Gott auf ansprechende und geschmackvolle Weise zu verehren, u. auch in einem schönen Tallis sein Gebet zu verrichten, er selber wolle sich, sobald es seine Verhältnisse gestatten, auch einen schönen Tallis anschaffen. R. Israel, der sofort wußte, worauf der Sprecher hinzielte, unterbrach ihn lächelnd: „Ich bin ganz mit Ihnen einverstanden und falls meine Verhältnisse es mir gestatten, kaufe auch ich mir einen schönen Tallis; aber geschenkt will ich keinen." Das Wort der Weisen, daß die Ehre den aufsucht, der sie flieht, hat an R. Israel sich in seltener Weise bewahrheitet. Die geradezu schwärmerische Verehrung, mit der die Schüler R. Israels an ihrem Meister hingen, steht ganz einzig da und wird nur erklärlich, wenn man selbst das Glück gehabt hat, längere Zeit in der Nähe dieses großen Mannes zu leben. Wer Israel in seinem täglichen Verkehr sah und ihn danach beurtheilte, konnte keine Ahnung von der Höhe des Geistes und der Tiefe des Gemüths bekommen, die diesen Mann zu einem -itp im buchstäblichen Sinne des Wortes machten. Und welche Größe barg sich hinter dieser Einfachheit! Stundenlang konnte er wortlos und verstimmt einhergehen, weil er eine "2"d ohne mis gesprochen, und man darf sicher sagen, daß bei dem f'b'.n nrp bei der gewöhnlichen Unterhaltung nicht ein einziges Wort über die Lippen dieses Mannes gleitete, das nicht sein unergründlicher Verstand und seine tiefe Gottesfurcht reiflich vorher abgewogen hatte. Ebenso sind seine Briefe gehalten, in welchen der Kenner jedes einzelne Wort zu würdigen weiß, während der flüchtige Leser nichts Besonderes darin zu finden vermag. Wenn unsere Zeit, dem Himmel sei es gedankt, Männer besitzt, die mit Hingebung ihrer ganzen Persönlichkeit in dem Streben aufgehen, dem sie ihr ganzes Leben weihen, mw'b muyn innnb, dem Judenthum wieder seine alte Würdigung zurück zu erobern, so ist

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