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Der Israelit · 1900-08-02 · Heft 62 (2.8.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 62 (2.8.1900)
Date
1900-08-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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41* Jahrgang. Krste Anlage zu M 62 des „Israelit". Leitender rtrtikel. Ans iifin Sein eines V '[' . Von Rabbiner Dr. Ohrmann in Baden (Schweiz.) In Nummer f>7 des „Israelit" hat Herr Emil Benjamin aus Memel, das ixm” tx *ies von Rabbi Isak Blaser in .Kowno angekündigt, lvelcheS den gesummten litterarischen Nachlaß von R. Israel Salanter s. A. enthält. Die Ankündigung leitet mit der Bemerkung ein, daß die meisten Rabbi Israel Lipkin Satan ter s. A. heute kaum noch bem Namen nach kennen und daß daher die Ausgabe seiner gesammelten Schriften ein besonderes Verdienst sei. Herr Benjamin hat bescheidener Weise bei dieser Gelegenheit verschwiegen, daß er selber vor Jahresfrist eine Biographie des großen Meisters veröffentlicht und so für seinen Theil in erfreulicher Weise dazu beigctragen hat, das Andenken an diesen Großen Israels lebendig zu erhalten.*) Wie sehr sich diese Schrift durch sorgfältige Sammlung und Zusammenstellung des lveitschichtigen Materials auszcichnet, so bietet sie doch den zahlreichen Schülern und Verehrern des dahingegangenen Meisters noch Gelegenheit, aus seinem reichen Leben zahllose Eharakterziige nachzutragen, die in dieser Biographie nicht erwähnt sind. Daß auch dieser und jeder andere derartige Versuch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit machen,kann, lvird sich aus der folgenden Dar stellung von selbst ergeben. Aber selbst diese lvenigen Züge diirften als nicht unwillkommener Beitrag zur Würdigung des Talmud zu einer Zeit gelten, die so wenig vom Talmud kennt und ihn trotzdem so viel verlästert. Nicht wie ihn unwissender Haß darstellt, sondern wie er in Wirklichkeit ist, erscheint hier der Talmud iu einem Eharakter verkörpert, dessen vollendete Lauterkeit, Selbstlosigkeit und Heiligkeit nichts anderes ist, als eine ausschließlich am Baume des Talmud gereifte Bliithe. Nicht an theoretischen Abstraktionen, nicht nach der voreingenommenen Ansicht seiner Freiende und Feinde, an seinen Früchten soll man den Talmud erkennen, als deren edelsten eine das Leben und Wirten Rabbi Israel Salanter dasteht, aus dem hier einige Züge folgen, die ich theils schon *) Der volle ritel der Schrift lautet: Rabbi Israel Lipkin Salant. Sein Leben und Wirken. DargestcUt von Emil Beniamin. isr. RcligionSlehrer in Memel. (Selbstverlag des Verfassers). früher veröffentlicht und theils zum ersten Male hier der Deffentlichkeit übergebe. Rb. Israel Lipkin s. A.*), so war sein eigentlicher Name, war in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts geboren**) und erreichte ein Alter von 73 Jahren. Derselbe zeichnete sich schon in früher Jugend durch ungewöhnliche Geistesgaben aus und erregte bereits als in durch seine großen talmudischen Kenntnisse bei den Koryphäen seiner Heimath seltenes Ansehen. Der damaligen Sitte entsprechend verheirathete er sich sehr früh und widmete sich dann, unbeengt von materiellen Sorgen, ausschließlich dem Studium der Thora. Wie von Wenigen sonst, kann man von ihm sagen, irmri lrjisx daß die Thora sein ausschließlicher Lebensberuf war. Niemals hat er eine Stelle als Rabbiner bekleidet, nieinals hätte er ein Amt angenommen, das ihm pekuniäre Vortheile durch seine Thorawiffenschaft eingebracht hätte. Lernen und Lehren war die Aufgabe seines Lebens. Als nn'fc" irxi wirkte er in Wilna und anderwärts mit seltenem.Erfolge. Hunderte von Schülern, die als Zierden ihrer Zeit den Gemeinden als Rabbinen und geistige Führer voranleuchten, haben, erleuchtet von der Wissenschaft ihres Meisters, begeistert von dem Beispiel ihres Vorbildes, die Kunde seines hohen und uneigennützigen Denkens und Strebens in lveite Kreise getragen und so den Namen Rabbi Israels zu einer der gefeiertsten Berühmtheiten Rußlands - ja der ganzen Diaspora gemacht. In Rußland war Rabbi Israel s. A. die anerkannteste Autorität, deren unbestrittener Bedeutsamkeit sich alle Parteien lvillig unterordneten. Aber auch weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus drang sein großer Ruf. Rabbi Israel hat wiederholt Deutschland bereist und kehrte nur wenige Monate vor seinem Tode von Paris zurück, woselbst er zwei Jahre lang mit Erfolg dafiir tbätig war, die zahlreichen, dort lebenden russischen Israeliten zu einem einheitlichen Gemeinwesen zu verbinden und sie zur Berufung eines besonderen Rabbiners zu bestimmen. Als derselbe vor ca. 27 Jahren sich in Berlin mehrere Jahre zur Heilung seiner angegriffenen Gesunoheit aufhielt, hatte ich das Glück, ein Jahr lang mit ihm in einem und demselben Hause zusammen zu leben. Der Eindruck, den dieser seltene Mann bei mir zurückließ, läßt sich schwer in Worte fasten. Man weiß *) Auf dem Titelblatt des 'iniet iin ist ausfallender Weise der Name ppn'1 angegeben, während der Verewigte sich in zahlreichen Briefen zeichnete, die ich von ihm besitze. **> Herr Benjamin giebt den 3. Nov 1810 als Geburtstag und Sagaren in der Provinz Samogitien (Rußland) als Geburtsort an. Salant war der Geburtsort keiner Iran, in welcher R Israel nach feiner Verheirathung mehrere Jahre lebte. D^3C

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