Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 62 (2.8.1900)
- Date
- 1900-08-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1271 man in Deutschland vielfach geneigt, den glänzenden Erfolg dieser Bestrebungen lediglich dem Umstande zuzuschreiben, daß Thora und andere wissenschaftliche Bildung in jenen Männern sich glücklich vereinigen und daß nur diese Vereinigung die Lösung dieser Aufgabe möglich mache. So viel Berechtigtes diese Anschauung auch haben mag, so führt sie doch leicht zu einer Unterschätzung der geistigen Schwungkraft, mit welcher die Thorakenntniß ihre Jünger selbst dann auszurüsten vermag, wenn dieselben auch auf alle Wohlthaten verzichten müßten, welche ihnen die auf außerjüdischem Boden gewonnene wissenschaftliche Bildung gebracht. Wir können uns heute keine erfolgreiche Wirksamkeit für jüdische Anliegen denken, die von Männern ausginge, welche neben ihrer Thorawiffenschaft nicht auch eine ebenbürtige profane Bildung besäßen. Rabbi Israel aber war ein solcher Mann, besten Leben und Wirken lautes Zeugniß vor der Ermächtigen Kraft ablegt, mit welcher ausschließlich die Thora ohne jede andere Mitwirkung noch heute Geister und Gemüther zu gewinnen vermag, wenn sich eben nur der rechte Mann und für diesen Mann die rechte Umgebung findet. Rabbi Israel besaß neben seiner Liebe und Hingebung zur Thora einen mächtigen Trieb zum Studium aller anderen Wissenschaften. Aber in seiner Jugend fehlte es ihm an jeder Gelegenheit, seinen Durst nach profanem Misten zu stillen. Jedoch einen Zwiespalt zwischen der jüdischen und allgemeinen Wissenschaft kannte er nicht. Er war der erste, der in Rußland die alte jüdische Wahrheit von der harmonischen Vereinigung von rrrn und ps “p"J wieder zu Ehren brachte und so weit sein Einfluß reichte, drang er darauf, daß Schulen gegründet wurden, in welchen neben min mobn das Russische und alle für eine bürgerliche Schule erforderlichen Disciplinen vertreten waren. Er stieß mit diesen seinen Bestrebungen vielfach auf Widerstand, aber er setzte seine Autorität mit solchem Erfolge dafür ein, daß heute im jüdischen Rußland vollständig das Vorurtheil überwunden ist, .welches gediegene soziale Bildung mit Talmud Thora unvereinbar hielt. Dafür vor allem wird sein Andenken ein ewig gesegnetes bleiben. 2ivb pwi tv# "hst s“c. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Corr-fpondenzen^ Deutschland. Berlin, 30. Juli. Ein Antisemitenblatt berichtet: In Erszebetfalva bei Pest erklärten 150 jüdische Familien, wegen einer Erhöhung der Umlagen zur christlichen Kirche übertreten zu wollen. Da es die „Tägl. Rundschau" schreibt, so bleibt Bestätigung abzuwarten. Frankreich. Paris, ]. August. Die neunte Strafkammer verurtheilte heute die „Libre Parole" wegen Verleumdung des Barons Rothschild zu 10,000 Franken Entschädigung und Publikation des llrtheils in 20 Zeitungen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Budapest, 1. August. Auf Intervention des österreichisch-ungarischen Gesandten in Bukarest, gestattete die rumänische Regierung 1084 Auswanderern, welche in llngarn keinen Einlaß fanden, die Riickkehr nach Turn-Severin. Für die hier befindlichen mittellosen Auswanderer lvurden die gefammten Reifefpefen aufgebracht. Der erste Trupp geht morgen über Wien nach Bremen ab. — Die Sammlung für die hier weilenden rumänischen Auswanderer hat Dank der regen Theilnahme aller Schichten der Bevölkerung, bisher etwa 60,000 Kr. ergeben und morgen dürften die erforderlichen 70,000 Kr. beisammen sein. Da sich das Hilfscomitee telegraphisch an die Regierung von Canada mit der Anfrage gewendet hat, ob der Landung der Auswanderer kein Hinderniß entgegenstehe, hat das Ministerium des Innern gestattet, daß dieselben bis Sonntag in Budapest verweilen dürfen. Gegenwärtig wird auch mit den Bahnverwaltungen verhandelt, damit die Auswanderer über Oderberg-Berlin mittelst Extrazuges nach Rotterdam befördert werden . Rumänien. Bukarest, 1. August. Die „Agence Roumaine" meldet: Die ausgewanderten Juden kehren in großen Schaaren zurück. Die rumänischen Behörden gewähren Hilfe und Mittel zur kostenlosen Rückkehr für jeden Juden bis zum Heimathsorte. Die Zahl der von verschiedenen Ländern zurückgewiesenen und mit Hilfe und auf Kosten der Regierung zurücktehrenden Juden übersteigt 3000. In Wien, Frankfurt und Rotterdam thaten die rumänischen Vertreter Schritte, um von den Behörden die Erlaubniß zum Verweilen der Juden bis zum Eintreffen der zur Fortsetzung der Reise nöthigen Mittel zu erlangen. Die rumänischen Konsuln setzten sich auch mit den jüdischen u. christlichen Hilfskomitees in Verbindung und gewährten selbst Unterstützungen. Ein Rundschreiben des Ministers des Innern an die Präfekten vom 30. Juli ertheilt den Juden die bedingungslose Erlaubniß zur Niederlassung in kleinen Marktflecken, selbst wenn dies ländliche Gemeinden sind. Die Niederlassung in den ausdrücklich als ländliche Gemeinden bezeichneten Ortschaften wird solchen Juden gestattet, welche ihrer Militärpflicht genügten und ein kleines Kapital besitzen, welches genügt, um ein Handwerk oder Gewerbe zu betreiben. Griechenland. Athen. Gelegentlich der Wanderung rumänischer Juden gegen Osten, nach Cypern und Kleinasien, haben sich auch unsere Brüder in Athen rühmlichst als Rach-