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Der Israelit · 1900-08-02 · Heft 62 (2.8.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 62 (2.8.1900)
Date
1900-08-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1264 wollte, war er verschwunden. Eine begreifliche Aufregung bemächtigte sich des Publikums, als der Text des Liedes bekannt wurde. Die Aufregung steigerte sich, als die .Kapelle sich weigerte, das Borkumlied zu spielen, angeblich, weil sie fürchtete, daß das Pekinglied gesungen werden würde. Da also die Kapelle nicht wollte, so wurde das Borkum-Lied ohne Musik gesungen, der letzte Bers wiederholt. Als die Kapelle dann in ihrein Programm fortfahren wollte, wurde sie durch Pfeifen und Katzenmusik daran gehindert. Auch das nunmehr von der Kapelle angestimmke Borkum- Lied wurde niedergeschrieen. Am folgenden Tage galt es vor allem, den Berfasser des schmachvollen Ehinesen- Liedes festzustellen. Der Badearzt, Herr Doktor Kok, versammelte die Badewärter und ließ sich den Vertheiler des Liedes nennen. Nachdem dann dieser gefunden war, wurde den ganzen Tag über nach dem Herrn gefahndet, der den Auftrag zur Bertheilung des Liedes gegeben hatte. Endlich, Abends 6 Uhr, wurde er, ruhig in seinem Zelte ain Strande sitzend, angetroffen. Sofort sammelte sich eine größere Menge um das Zelt. Ein Knabe, der mit den Worten: „Ist es denn ein Jud?" in das Zelt hinein sah, erhielt von dem Insassen einen Schlag. Da sprang ein Herr, ein preußischer Major, vor. faßte den Judenfreund am Halse u. schlug ihm rechts und links hinter die Ohren, indem er ausrief: „Was. der gemeine Schuft wagt noch, unsere Jungens zu schlagen!" Ein anderer Herr, der den Geprügelten fragte, ob er wirklich der Berfasser des Liedes sei, bekam zur Antivort: „Ja, ich rechne es mir zur hohen Ehre, das Gedicht verfaßt zu haben. Der gestrige Moment, als es vertheilt wurde, war einer der schönsten meines Lebens." Ein dritter Badegast, ebenfalls ein Major, trat auf ihn zu und sagte: „Sie sind der gemeinste Schuft, den die Erde trägt, u. ich nenne Ihnen hiermit meinen Namen, Major K. aus H., wenn Sie vielleicht wünschen sollten, dies auch an anderer Stelle bestätigt zu sehen." Als Herr Hensel trotz dieser Zurechtweisung keine Miene machte, den Strand zu verlassen, wurde er am Arm gefaßt und abgeführt. Damen schlugen mit Schirmen aus ihn ein, alles wies mit Fingern nach ihm hin. Nachts wurde das Haus durch einen Gendarmen bewacht, trotzdem hatte man die Borsicht gebraucht, den „Dichter" selbst auszuquartieren. Das nächste Dampfschiff trug Herr Hensel mit Familie am frühen Morgen von dannen. (Jade-Ztg.) O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Pttdapcst, 30. Juli. In allen Schichten der Gesellschaft regt sich das lebhafteste Interesse für die rumänisch-jüdischen Auswanderer, denen auch zahlreiche Nicht-Juden helfend beistehen. Gestern erschien bei denselben der Prioor des ungarischen Piaristen- Qrdens und vertheilte an die Armen Geld und Viktualien, auch der Staatssekretär vom Ministerium des Innern, Herr Gullner, erschien bei den Auswanderern und versprach ihnen, im Rahmen des Gesetzes der Humanität vollständig Rechnung zu tragen. Aufsehen erregt eine Rede des Bischofs Wolafkas aus Anlaß seines gestrigen 26jährigen Priesterjubiläums. Er sagte, daß. wenn sich Nichtswürdige finden sollten, welche die Christen gegen die Juden aufhetzen, mit denen der Bischof und seine Gläubigen stets in gegenseitiger Liebe und Achtung gelebt hätten, wäre er bereit, auch um den Preis seines Blutes das bestehende gute Berhältniß zu vertheidigen. — Zwischen der ungarischen Regierung und Rumänien hat durch Vermittelung des Auswärtigen Amtes ein lebhafter Notenwechsel stattgehabt, dessen Resultat das Versprechen Rumäniens ist, die zurückkehrenden Auswanderer iviedcr aufzunehmen. Trotzdem verwehren in Orsova rumänische Gendarmen 660 Auswanderern, ivelche keine Mittel zur Weiterreise haben, die Rückkehr. — Herr Polizer. der Ehef der Gruppe, die dieser Tage aus Bukarest ausgewandert ist, hat von Wien aus geschrieben, daß die Auswanderer daselbst von der „Alianee Jsraelite" empfangen worden sino, und daß sich noch mehrere Auswanderergruppen aus Rumänien in Wien befinden, die sich zur Weiterreise rüsten. — Der Kronstädtcr Rabb. Dr. Ro send a u m hielt gestern in der großen Synagoge eine Predigt, in der er den Versammelten den Rath gab, nicht auszuwandcrn, sondern Geduld und Ausdauer zu haben. Pudapcst, 61. Juli. Das Hilfscomitee für die aus Rumänien vertriebenen Juden hat am Montag eine Sitzung gehalten. Es ist Aussicht vorhanden, für die noch hier befindlichen 360 Flüchtlinge die Kosten der Fahrt nach Amerika, ivelche sich auf etwa 32,000 fl. belaufen, aufzubringen. — Staatssekretär Gulner versicherte bei seinem bei den Emigranten stattgefundenen Besuche, daß die ungarische Regierung die strengen Maßregeln gegen die Auswanderer nur getroffen habe, um zu verhindern, daß das Land von denselben überschwemmt Werbe, unb daß ihr jede andere Tendenz ferne gelegen habe. In dem Augenblicke, wo die österreichischen und die übrigen auswärtigen Behörden die Auswanderer nicht mehr zurücksenden, tverde ihnen die ungarische Regierung den Durchgang gerne gestatten. Die ungarische Regierung hat auch bereits den hier befindlichen rumänischen Juden eine weitere Frist von zwei Tagen zugestanden, innerhalb welcher das Hilfseomitee die für ihre Weiterbeförderung nöthige Summe aufzubringen hofft. — Da Rumänien die sich an der Grenze befindenden rumänischen Juden noch immer nicht zurück ließ, richtete der Ministerpräsident Szell abermals eine dringende Zuschrift an den Minister des Aeußern in Rumänien, in der er auf das entschiedenste auffor-

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