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Der Israelit · 1900-07-30 · Heft 61 (30.7.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 61 (30.7.1900)
Date
1900-07-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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) 124« Vermischtes. Literarisches. Hosfnrann'S litterarisch - historischer Abreih« kalender für das Jahr 5661. Frankfurt a. Dt., A. I. Hof mann, Hebr. Buchhandlung. 80 Pfg. Es ist eine nicht hinwegzuleugnende Thatsache, daß, so traurig die antisemitische Bewegung mit ihren furchtbaren Folgen in Rumänien, Oesterreich und leider auch in Preußen sein mag, sie doch auch in vielfacher Hinsicht gute Früchte gezeitigt hat. Es ist hier nicht die Stelle die Folgen der Bewegung in Bezug auf religiöse und soziale Fragen zu behandeln, worauf wir aufmerksam zu machen eine günstige Gelegenheit zu haben glauben, das ist die Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins. Bor wenigen Jahren, glauben wir, wäre es einem Verleger noch kaum möglich gewesen einen jüdischen Abreiß-Kalender, wie den vorliegenden, auf den Markt zu bringen und wenn er es gewagt hätte, so hätte er wohl den größten Theil seiner Auflage dem Papiermüller zurückbringen können. Heute liegen die Verhältniffe anders. DieAssimilationswuth ist im Hinblick auf die Abstoßungsbestrebungen der Anderen im Erlöschen begriffen, sie glüht nur noch in den Herzen einiger alten Geheimräthe. Stolz darauf, ein Jude zu sein, ist heute wohl jeder, der die Kämpfe der jüngstverflossenen Jahre mitgemacht hat und sind heute Dinge, wie jüdische Kalender, jüdische Zeitungen, jüdische Bücher, allüberall gern gesehene Gäste. Der vorliegende Hoffmann'sche Kalender ragt nun über seine Kollegen um Haupteslänge empor. Das muß schon ein grundgelehrtes Haus gewesen sein, zum mindestens ein Profeffor der jüdischen Geschichte und ein Talmudgelehrter dabei, der auf den 364 Blättern des vorliegenden Kalenders alle die Daten und Sentenzen zusammengetragen hat. Da erfahren wir, daß am 30. Aw 5505 — 1745 — die Juden aus Prag vertrieben wurden, ebenso gut, wie wir mitgetheilt bekommen, daß Rabbenu Hai, der Letzte der Gaonim, am 20. Nissan 4798 — 28. März 1038 — gestorben ist. Der Geburts- und Todestag einer großen Anzahl bedeutender Männer in Israel, sowohl aus alter wie aus neuerer Zeit, sind angegeben. Daß das jüdische Parlament am 11. Aw 5566 — 26. Juli 1806 — in Paris eröffnet wurde, ist ebenso in dem Kalender zu finden. Coblenz, 29. Juli. Rabbiner Dr. Singer ist heule seinen langwierigen Leiden erlegen. Die Beerdigung findet morgen Montag statt. Nürnberg, 17. Juli. Die gestrige Ausführung der „Fledermaus" im Apollotheater, zum Besten der auswandernden rumänischen Israeliten war mäßig besucht, was aber dem finanziellen Erfolg der menschenfreundlichen Veranstaltung wohl kaum einen Eintrag gethan haben wird, da anzunehmen ist, daß die Abnehmer der Plätze in Anbetracht der heißen Tage auf den Besuch verzichteten. wie, daß im Jahre 1244 ebendaselbst eine große Anzahl Talmudexemplare verbrannt wurden. Und nun erst die vielen Sprüche aus Bibel, Talmud und Midrasch. In dieser Beziehung ist unser Kalender eine wahre Fundgrube. Wenn unsere Antisemiten nur einmal da Hineinblicken möchten. Wir glauben es ruhig aussprechen zu dürfen, eine solche Fülle von Ethik, Geist und edler Gesinnung haben sie wohl noch kaum zu Gesicht bekommen. Auf der Vorderseite des Kalenders ist das jüdische und deutsche Datum in großer und klarer deutscher Schrift angegeben. Die Anfänge und Ausgänge der Sabbathe und Festtage sind für Berlin, Mainz und Frankfurt angegeben verzeichnet; es wäre zu wünschen, daß bei einer späteren Ausgabe dieser Theil auf noch einige bedeutende Städte ausgedehnt würde. Feuilleton. Mn Schritt vom Wege. Jüdische Wovelke von Arnold Mann. 2] 2. Zu Hause. „In einer ähnlichen Sorge wie unser lieber Freund Elfinger um seinen Hugo, befand sich vor langen, langen Jahren mein seliger Vater um mich. Wir wohnten in E., einem kleinen Marktflecken, der aber eine sehr zahlreiche jüdische Gemeinde, über siebzig Familien, aufzuweisen hatte. Welch' reges Gemeindeleben sich an einem so winzigen Orte entfaltet, wenn so viele jüdische Familien sich in ihr vereinigen, davon kann sich Jemand, der umfassendere Verhältnisse gewöhnt ist, kaum eine Vorstellung machen. Da umkleiden sich unwillkürlich alle Interessen mit dem Schimmer des Religiösen; die gottesdienstlichen Veranstaltungen gewinnen an Weihe und Innigkeit, der Sabbat zieht ein wie ein Fürst, die Festtage werden empfangen wie lichttragende Gottesboten, und wenn auch alle religiöse Hebungen bei diesen jüdischen Dorfbewohnern etwas Naives, etwas Gewohnheitsmäßiges haben, so erscbeint eben gerade dadurch die Religion so eng mit dem Leben verknüpft, daß sie einen sicheren Schutz gegen jede sündhafte Abweichung bietet. „Mein Vater, der in E. ein kleines Handelsgeschäft betrieb, war einer der Frömmsten am Orte. Er konnte etwas „lernen", versah, so lange ich denken konnte, das Amt des Parnes in der Gemeinde und betete an den hohen Festtagen mit tiefer Inbrunst, unterstützt von einer klangreichen Stimme und genauer Kenntniß der herkömmlichen Melodien, die Mussafim

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