Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 61 (30.7.1900)
- Date
- 1900-07-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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>''^' A' -IßPgfWPIP Jk*y'! 1244 annehmlichkeiten bereitet hatte, wurde anscheinend als strafmildernd nicht anerkannt. Selbstverständlich ist gegen das Urtheil sofort Berufung eingelegt worden. Bad Salzbrunn, im Juli. In unserem Kurplatz hat sich dieser Tage ein trauriges Ereigniß abgespielt: Herr Rabbiner Dr. Rosen st ein aus Graudenz, der nach schwerer Erkrankung hier Kräftigung suchte, ist nach nur kurzem Leiden am 12. d. M. verschieden. Der Verblichene, der neununddreißig Jahre in seiner Gemeinde gewirkt, hat es verstanden, die unbegrenzte Liebe und Verehrung nicht nur in den Kreisen der jüdischen Bevölkerung, sondern auch bei den Bekennern anderer Konfessionen sich zu erwerben. Auch bei den Behörden genoß er ein sehr großes Ansehen. Dem Einflüsse des Verblichenen war es zu danken, daß in der Graudenzer Gemeinde der religiöse Sinn stets ein reger war und die Institutionen derselben streng nach den Vorschriften unserer Religion erhalten wurden. Sein zielbewußtes, geschicktes Auftretn hat im Jahre 1893 das die Provinz Westpreußen bedrohende Schächtverbot abgewehrt. Durch das Vertrauen seiner Kollegen, denen allen er stets ein treuer Freund und Berather war. zum Vorsitzenden des Westpreußischen Rabbiner- Verbandes berufen,h at er besonders segensreich für die Ueberwachung des Religions-Unterrichtes und dessen Ausgestaltung gewirkt. Wem es jemals vergönnt war, mit dem edlen Heimgegangenen in näheren Verkehr zu treten, der mußte sich dem Zauber seines bescheidenen und überaus liebenswürdigen Wesens hingeben. Sein Tod reißt eine schmerzliche Lücke in die Reihen der auf dem Boden des altüberlieferten Judenthums stehenden Rabbiner, in dessen Sinne er auch seine Kinder, oft unter überaus schwierigen Verhältnissen, wirken zu sehen, die hohe Freude hatte. — Bevor die sterblichen Reste von der hiesigen Leichenhalle nach dem Bahnhofe befördert wurden, um nach Graudenz überführt zu werden, veranstalteten in Gegenwart einer stattlichen Anzahl von Kurgästen die Herren Rabbiner Dr. B a e ck - Lifsa u. Dr. Eppenst e i n - Briefen dem entschlafenen Kollegen eine würdige Trauerfeicr. Möge der Allgütige den großen Schmerz der tiefgebeugten Kinder, denen vor acht Jahren auch die treffliche Mutter entrissen wurde, in Seiner Barmherzigkeit lindern!. O e st er r. - Ungar. Monarchie. Prag, 26. Juli. Eine mißglückte Judenhetze wird aus Alt-Benatek, einem Orte an der Bahn südlich von Jungbunzlau gemeldet: Sonntag nach 8 Uhr Abends kam es vor dem Hause des Kaufmanns Moriz Pick in Alt-Benatek zu einer Ansammlung. Die Menge, zumeist Arbeiter, etwa dreihundert an der Zahl, schlug die Fenster des Geschästslokales ein und schickte sich an, dasselbe zu plündern. Zu dem Attentate gab das Gerücht Veranlassung, Pick habe den dreizehnjährigen Sohn eines Feldarbeiters an sich gelockt und ihn ermordet. Die Gendarmerie schritt rasch ein und zerstreute nicht ohne Mühe die aufgeregte Menge, wobei ein arbeitsscheues, mehrfach abgestraftes Individuum verhaftet wurde. Der Gendarmerieposten in Alt- Benatek mußte verstärkt werden und auch am nächsten Tage einschreiten. Die Aufregung der Menge fand erst ein Ende, als sichergestellt wurde, daß der vermißte Knabe sich wohlbefinde und aus eigenem Antriebe den Eltern in die Gemeinde Cilec entflohen war. Jungbunzlau, 26. Juli. Im benachbarten Alt- Benathek.wo bereits am Sonntag antisemitische Ruhestörungen stattgefunden haben, wiederholten sich Dienstag Abend die Ansammlungen. Es gelang der Gensdarmerie, welche sechs Verhaftungen vornahm, die Menge zu zerstreuen. Vorkehrungen zur Verhinderung weiterer Ruhestörungen sind getroffen. Waag-Ncustadtl» Die jüdische Realschule Hierselbst hat mit Schluß dieses Schuljahres das 38. Jahr ihrer Thätigkeit beendet. In dem Jahresberichte der Anstalt werden folgende Momente, welche geeignet sind, das Interesse weiterer jüdischer Kreise wachzurufen, hervorgerufen. Diese Mittelschule wird von der Waag- Reustadtler israel. Cultusgemeinde, mit Hülfe einer vertraglich festgesetzten Staats-Subvention iin Betrage von 8000—10,000 Kronen erhalten. Im laufenden Schuljahre besuchten die Realschule l39 Zöglinge, unter denen 116 jüdischer und 24 christlicher Confession waren. Der Religionsunterricht wir auf breiterer Ba sis als an Staats-Mittelschulen ertheilt. Der Unter richt im Talmud ist nicht nur unengeltlich, auch kleinere Geldbeträge werden als Belohnung vorzüglichen Schülern ertheilt. Diese schöne Einrichtung verdanken tvir Herrn M. Tauber. Viele Schüler besuchen den täglichen Morgen- und Abendgottesdicnst. Am Sabbat und an jüdischen Festtagen wird selbstverständlich kein Unterricht in der Schule ertheilt; es wird jedoch ein besonderer Jugend-Gottesdienst nach altjiidischer Sitte abgehalten. Zur Thora werden ausschließlich Schüler der Anstalt gerufen. Das sittliche Betragen der Zöglinge war befriedigend; lein einziger erhielt „minder befriedigend" in Sitten. Intensiver könnte die Erziehung der Schüler geleitet werden, wenn unsere Schule mit einem Internate verbunden wäre; denn unter den 139 Schülern waren blos 40 nach Waag-Nenstadtl zuständig, die über, wiegende Mehrheit kam aus fremden Orken. Leider bleibt die Errichtung des Internates ein frommer Wunsch. Der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde fehlt es an den nöthigen Geldmitteln zur Errichtung einer solch' kostspieligen Wohlthätigkeitsanstalt. Denn sie erhält nebst der Realschule auch eine jüdische Volks¬ und eine Mädchen-Bürgerschule. Das jährliche Schulbudget der Gemeinde beträgt nahezu 40,000 Kronen. Von der ungarischen Judenschaft wird die Realschule weder moralisch, noch materiell unterstützt. Gleichsam eine Oase in der Wüste bildete im laufenden Schuljahre