Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 60 (26.7.1900)
- Date
- 1900-07-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1222 doch selbst als Minister seiner Zeit von der eigenen Partei gezwungen worden, das Gesetz, betreffend die Nichtausnahine der Juden in die rumänischen Schulen, anzunehmen. Die Ursache hiervon liegt in den eigenthümlichen parlamentarischen Verhältnissen. Denn da jede Regierung in der Lage ist, durch die Wahlen eine gewaltige Majorität zu erlangen, so kann die Opposition nur aus zwei Wegen zur Regierung gelangen, entweder infolge persönlicher Streitigkeiten der Minister untereinander, oder durch Erregung von Straßenunruhen. Für letztere wird stets die Judenfrage als dankbares Mittel bereit gehalten und bei der geringsten Gelegenheit werden dann die bei jedem Regimewechsel zahlreich entlassenen Beamten der vorigen Regierung mobilisirt. Es ist aber keinem Minister lieb, über die jiidische Frage zu fallen. Im Uebrigen zeigt auch die Zusammensetzung des neuen Ministeriums, das; Herr Earp selbst, wenn er judenfreundliche Maßregeln treffen wollte, bei den eigenen Kollegen Widerstand finden würde. Der einflußreichste Minister nächst Herrn Carp, Herr Filipescu, ist einer der Führer des wüthendsten, erbarmungslosen Antisemitismus u. er wird unterstützt von den Ministern Gradisteanu und Maiorescu." •*- Dersonatien. -f Clailingen, im Juli. Eine erhebende Abschiedsfeier wurde am Sabbat Pinchas seitens der Chevrah tadischa zu Ehren ihres von hier wegziehenden bisherigen Präsidenten, Herrn Wilhelm Moos, veranstaltet. Eine halbe Stunde nach Schluß des Morgengottesdienstes begab sich eine Deputation in die Wohnung des Herrn Moos, um demselben den Dank für die vielen Verdienste, die er sich um das Aufblühen des Vereines erworben, auszusprechen. Hierbei wurden demselben als Zeichen der Anerkennung eine Dankadresse und ein Pokal überreicht und derselbe zum Ehrenmitgliede dieses Vereins ernannt. Nachdem der Vereinsvorstand, Herr Max Jakob llttmann, die Dankadresse vorgelesen, hielt Herr Hauptlehrer Schwan eine Ansprache, worin er der von allen Vereinsmitgliedern dankbar anerkannten Verdienste des Herrn Moos gedachte und ihm die Wünsche des Vereins für sein und seiner Familie Wohlergehen aussprach. Dabei hob er hervor, daß die Mitglieder dem Wirken ihres bisherigen Präsidenten keine schönere Anerkennung zollen können, als daß sie wünschen, es möchte dessen Rachfolger von der gleichen Hingabe und Opferwilligteit für den Verein beseelt sein. Tiefbewegt dankte Herr Moos für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit, wobei er erwähnte, daß er keinen Dank begehre, da er nur seine Pflicht gethan und daß er jederzeit an dem Gedeihen des Vereins den innigsten Antheil nehnien werde. Einsender dieses möchte hier noch anfügen, wie sehr die ganze Gemeinde den Wegzug des Herrn Moos bedauert, indem derselbe als Mitglied des Synagogen rathes und verschiedener wohlthätigen Vereine überall ersprießliche Dienste leistete, sich auch bei Gründung des isr. Krankenhauses und des Greisenasyls Friedrichsheim mit namhaften Beiträgen betheiligte und jedem Einzelnen, der sich um Hilfe an ihn wandte, mit Rath und That zur Seite stand. Wenn wir diese Zeilen der Oeffentlichkeit übergeben, so möchten wir hier auch mit Anerkennung der edlen Bestrebungen der Chevrah kadischah gedenken, eines Vereines, der Gemillus chesed den Lebenden urib Todten gegenüber ausübt, und jährlich Mk. 300 Stipendien an hiesige schulentlassene Knaben und Mädchen vergibt, welche sich dem Studium oder der Krankenpflege widmen, oder ein Handwerk erlernen. Möchte dieser wohlthätige Verein, der mit Gottes Hilfe jetzt 224 Jahre besteht, sich auch weiter günstig entwickeln und noch viel Gutes ausüben! Feuilleton Lin Schritt vom Wege. Jüdische Wovelle von Arnold Mann, lj I. Am Chanukka. Seit vor etwa zwei Jahren der Rentner Gott schalt nach Wallstedt gezogen war, hatten die seit langem schon herkömmlichen Chanukka-Abende neuen Aufschwung genommen. Diese Abende pflegten alljährlich von einigen Familien veranstaltet zu iverden. die je an einem Abende des schönen Festes die Freunde zu sich luden, um bei allerhand Spiel und harmloser Belustigung der alten Sitte gerecht zu werden, die an diesen Tagen oft dem frömmsten Juden die Spielkarten in die Hand drückt. Gottschalk mußte sehr reich sein, sonst hätte er wohl nicht die schöne Villa kaufen können, die hoch oben am Abhange des Berges malerisch gelegen war. Er hatte früher in M., einer großen Stadt im südlichen Deutschland gewohnt und sich nun am Abend seines Lebens hierher nach Wallstedt, mehrere hundert Kilometer von M. entfernt, zurückgezogen. Wie er sagte, hatte ihn die romantische und gesunde Lage Wallstedts hauptsächlich zum Kauf der Villa veranlaßt. Schon längst habe er den Wunsch gehabt, von M. mit seinem ungesunden Klima sortzukommen, da er aber nicht nur in einer gesunden Gegend, sondern auch an einem Orte untertommen wollte, wo wirklich fromme Juden wohn-