Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 60 (26.7.1900)
- Date
- 1900-07-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1220 terpellation des Herrn von Hertzberg-Lottin nicht zu unterstützen. Aus einer in den nächsten Tagen erscheinenden kleinen Schrift „Sind die Juden Verbrecher von Religionswegen?", Leipzig 3900, I. C. Hinrichs, 85 S. (Preis 50 Pfg.), deren Aushängebogen uns durch den Versaster, Prof. Dr. H. L. Strack, zugegangen sind, ersieht man, das; die Erwartung, die In terpellation sei endgiltig beseitigt, eine irrige gewesen zu sein scheint. Einer der Führer der konservativen Fraktion hat nämlich am 4. Juni dem Verfasser geschrieben: „Von der Interpellation des Herrn von Hertzberg ist nicht wegen grundsätzlicher Gegnerschaft gegen ihren Sinn, sondern aus anderen Gründen vorläufig Abstand genommen worden." Dieses Schreiben hat dem Herrn Prof. Strack Anlaß zur Veröffentlichung seiner neuen Broschüre gegeben. Er erörtert in ihr erstens den sog. „Fleischbesudelungs Ritus", d. h. die thörichte gegen die Juden neuerdings namentlich in unsren westlichen Provinzen und in Bayern erhobene Beschuldigung, die Juden mußten Fleisch, das zum Verkauf an Christen bestimmt sei, vorher besudeln. Dann spricht er, unter Benutzung der Veröffentlichungen über jüdische Sekten und Ge Heimschriften und zeigt, daß der seinerzeit viel zitirte Brief eines ..Strafanstaltsgeistlichen" über den Konitzer Mord und jüdische Geheimgerichte von großer Unwissenheit zeugt. Schließlich gibt er zwei von allen Rabbinern Deutschlands 1885 und 1895 unterschrie bene feierliche Erklärungen über die Sittenlehre des gegenwätigen Judenthums. Wir schließen uns dem Wunsche de-'' Verfassers an, daß seine kleine Schrift aufklärend und beruhigend wirken möge. ftoiiih, 20. Juli. Die hiesige Strafkammer ver nrtheilte heute vier Burschen, im Alter von 16 bis 17 Jahren, welche sich am 10. Juni an dem Straßenkrawall und der Zerstörung der Synagoge betheiligt hatten, wegen Landfriedensbruchs und Sachbeschä digung zu Gesängniß von drei Monaten bis zu einem Jahre. Lübeck, 20. Juli. Die Zinssreiheit und tlnkünd barkeit des der Israelitischen Gemeinde gewährten Darlehens von 22,000 Mk. wird die Bürgerschaft nochmals beschäftigen. In seinem 8. Anträge fordert der Senat eine Aenderung des bezüglichen Rath und Bürgerbeschlnsses vom 28. Mai d. I. Jrrthümlich war damals beschlossen worden, daß die Zinsfreiheit vom Jahre 1901 ab gewährt werden sollte, wahrend der Beschluß eigentlich hätte lauten müssen: vom Jahre 1900 ab. Der damals untergelaufene Jrrthum muß nun berichtigt werden. Bad-Brückenau, 20. Juli. Heute Nachmittag bot sich den Besuchern des Hotel Kauffmann hier ein erhebender Anblick. An einem Tische saßen ungefähr 15 Herren mit großen Folianten vor sich und lauschten be geistert den Worten ihres verehrten Lehrers, des Herrn Provinzialrabbiner Dr. C a h n '"j aus Fulda, der seit einigen Wochen hier weilt. Es waren die Mit glieder der von Herrn Dr. Cahn begründeten Schaß Chebrah, die täglich ihren Gemoroh Schiur lernt. Hatte doch in der ehrtviirdigen Rehillah Fulda einst der berühmte Maharani Schiff getvirkt und im Bes Hann drasch gelehrt. Seit Jahren ist der allgemein und mit Recht hochverehrte Fuldaer Rav beinüht, eine Stätte dauernd zu begründen, wo Thauroh gelehrt und ge lernt tvird. Hoffentlich gelingt es dem edlen Rabbi, seinen Lieblingswunsch erfüllt zu sehen. Die betr. Mit glieder der Chevrah hatten es sich nicht nehmen lassen, ihren geliebten Rabbi zu besuchen imb in Würdigung seines edlen Strebens ihm auch in der Sommerfrische Gelegenheit zu geben, seinen Jüngern einen Labetrunl aus deni Duell des lebendigen Wassers zu spenden. Die Freude des Herrn Provinzialrabbiner Dr. Cahn über die ihm gebotene tleberaschung war groß. Aus seinen Augen leuchtete aufrichtige Freude, die man mit dem Ausdruck nn rnj bezeichnen könnte, und in den Blicken Atter spiegelte sich die Begeisterung. Verehrung und Liebe toieder, die das Herz der treuen Schüler gegen den verehrten Rabbi erfüllt. Wahrlich, ein Mann wie Herr Dr. Cahn, der wie ivenige die Fahne des In dcnthums hoch hält, verdient auch, geehrt zu tverden. Die Wünsche, die die Mitglieder der crtvähnteu Ehen rah ihrem Lehrer zum Ausdruck trachten, fanden ein treues Echo in unserer Brust. Mögen sic in Erfüllung gehen. D e st e r r. U n g a r. M o n a r ch i e. Paks, 20. Juli. Heute früh passirte mit dem Drsovaer Schisse eine (Gruppe rumänischer Juden, be. stehend ans 50t) Seelen, unsere Stadt. Jedesmal ist unser geehrter Gemeindevräses, Herr Ignatz F r c u n d, beim Landen des Schiffes und werden die armen Emigranten nach Möglichkeit unterstützt. Seit Beginn dieser Auswanderung passirtcn zu Schiff hier vorbei schon 2500 Seelen. Baja, als Stadt der Mildthätigkeit bekannt. überbietct sich mit Unterstützungen. Frankreich. C ontrez ville. lJ n t e r v i e Um Der zur Suite oes Schatz von Persien gehörende Minister des Verkehrswesens, Mamalek, hat tu Eontrexville, wo bet Schah bekanntlich im ognito zur Cur geweilt l,ai. einen Vertreter des „Wohschod" empfangen und sich von ihm über die Juden in Persien intervietoen lassen. llnsere Regierung, sagte der persische Grop, Würdenträger, hat keine Ursache, mit den Inden nuzu frieden zu sein, sie folge daher gerne dem Gebot unserer Religion, Freunde und Andersgläubige zu beschützen. Die Zahl der Juden in Persien beläuft sich auf 50,000. von denen die größte Mehrzahl Handel treibt. Sie dürfen überall in Persien wohnen und jedes beliebige Getverbe treiben. Ein Staatsamt dürfen sie jedoch nicht bekleiden, weniger deßhalb, weil sie Juden sind,