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Der Israelit · 1900-07-23 · Heft 59 (23.7.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 59 (23.7.1900)
Date
1900-07-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1210 denn ein Jude überhaupt um christliche Frauen, resp. Mädchen zu bekümmern? Mag er dach Umschau halten unter denen seiner Nasse. „Um aber einer anderen Möglichkeit ea. begegnen zu können," so haben lvir den Fall registrirt und werden ihn im Auge behalten. Der Teufel mag einem alten Juden trauen, lvir nicht." Daß sich der alte Jude erfrechte, ein Mädchen für schön zu halten, findet darin — so deutet die „Staatsbürger-Zeitung" sinnig an — eine Erklärung, daß der alte Jude lüstern das Mädchen als geeignetes Objekt für einen künftig vorzunehmenden Ritualmord bezeichnen wollte. Auf, verkünden wir diese staatsbürgerliche Kultur den chinesischen Bestien! — Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Breslau, 17. Juli. Jahraus, jahrein, wenn die Reisezeit beginnt, macht sich für den religiösen Juden, der für einige Wochen der Glut und dem Staub der Stadt den Rücken kehren möchte, um im Bade, an der See oder im Gebirge, Heilung oder Erholung zu suchen, ein Uebelstand in seiner ganzen Schwere bemerkbar: Wir meinen den Mangel an streng-rituellen Restaurationen. Gilt dies mehr oder minder für die verschiedenen Gegenden des Landes, so ist die Calamität doch besonders groß in Schlesien. Schlesien mit seinen herrlichen Bergen und heilkräftigen Quellen, die alljährlich das Ziel von Tausenden und Abertausenden von Erholungs- und Heilungsbedürftigen bildet, Schlesien mit seinen zahlreichen Badeorten hat nur einen einzigen aufzuweisen — und auch da erst seit neuerer Zeit — der über eine Restauration mit genügenden Cautelen für die wirkliche Zuverlässigkeit in ritueller Hinsicht verfügt, und das ist Salzbrunn. Dort führt seit einem Jahre das hiesige Rabbinat in einer der beiden jüdischen Restaurationen die Aufsicht durch von ihm gestellte Personen. In allen anderen schlesischen Bädern jedoch ist man ausschließlich auf die Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit der betreffenden Restaurationsinhaber angewiesen. Das heißt: man meidet entweder die betreffenden Orte ganz, oder — man drückt ein, manchmal der Sicherheit halber auch beide Augen zu. Diesen betrübenden Zuständen gegenüber muß etwas gethan werden, stellen doch zu den Besuchern der schlesischen Bäder unsere Glaubensgenossen ein recht erhebliches Contingent und es kann etwas gethan werden. Entweder von Seiten des „Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser" in Hamburg oder des hiesigen Rabbinates. In den meisten Bädern gibt es bereits vorzüglich prosperirende jüdische Restaurationen. Man veranlasse nur diese, sich unter Aufsicht zu stellen. Wollen sie dies nicht, dann veranlasse man die Errichtung einer zweiten jüd. Restauration am selben Platze. Ich bin liberzeugt, daß in den meisten Fällen die Drohung mit einem Coneurrenzunternehmen, das dann officiell als unter Aufsicht stehend bezeichnet und besonders unterstützt werden müßte, seine Wirkung nicht verfehlen würde. Jedenfalls scheint mir ein Versuch ernste Pflicht und nicht ohne Aussichten. Metz, 11. Juli. In höchst feierlicher Weise fand gestern Nachmittag in der Synagoge die Amtseinführung des neu ernannten Ober'rabbiners Herrn Dr. Netter statt. Die staatlichen und städtischen Behörden waren dabei vertreten durch den Stadtkommandanten Herrn Generalmajor von Wedel, die Herren Oberregierungsrath Pöhlmann, Bürgermeister Freiherr von Kramer, Landesgerichtspräsident Lellbach, Ersten Staatsanwalt Kiefser, Oberrealschuldirektor Pfeiffer u. A. Nachdem der neue Seelenhirt, begleitet von den Präsidenten urtb Mitgliedern des Conststoriums, den Präsidenten und Mitgliedern der Synagogenverwaltung, sowie z>vei seiner Amtsgenossen seinen Eintritt in das Gotteshaus gehalten und auf der dem Consistorium reservirten erhöhten Estrade Platz genommen, begann die eigentliche Feier mit dem abwechselnd von den: Kirchenchor und dem Vorsänger vorgetragenen Ehorgesang Ma Taufu, worauf nach Verlesung der landesherrlichen Verordnung der Präsident des Consistorinms, Herr Sylvan Caen, in französischer Sprache herzliche Worte der Begrüßung an den neuen Oberhirten richtete, die dieser in gleicher Mundart dankend erwiederte. Hierauf richtete der Herr Oberrabbiner von der Kanzel in deutscher Sprache die erste Predigt an die Gemeinde. Ein Programm war es, welches der offenbar hochbegabte Redner da entwickelte, aber ein Programm, dem jeder der Anwesenden, welchem Bekenntnisse er auch angehörte, freudig zustimmen konnte; waren es doch Gottesfurcht, Menschenliebe, Duldung, Friedsamkeit, Wohlthun und, nicht am wenigsten hervorgehoben, Vaterlandsliebe, die der neue Obnhirte in die Herzen der ihm anvertrauten Gemeinde, besonders der Jugend, pflanzen und pflegen zu wollen versprach. Mit Erflehung des göttlichen Segens für Kaiser und Reich, für Stadt und Gemeinde, ja für Alle, auch für die jetzt in ferne Länder ausziehenden Söhne des Vaterlandes schlossen die eindrucksvollen Worte, denen die Aushebung der Thora-Rolle folgte, mit der im Arm der Oberrabbiner das Gebet für den Kaiser sprach. Mit gleicher Feierlichkeit wie vorher ward dann die Rolle wieder in das Allerheiligste eingehoben, worauf ein wirkungsvoll vorgetragener Halleluja-Sang die erhebende Feier schloß. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 22. Juli. Nach Mittheilungen der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" werden neuerdings zwei Mm«sSsfefc«®!

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