Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 59 (23.7.1900)
- Date
- 1900-07-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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a«mi- «^y^* pa<.' - -*T/- 41. Jahrgang. ^Aeiläge zu X* 59 des „Israelis. Leitender Artikel. Ein Boxer Plakat. P e cf i ti g , tut Juli. Um bcn bis -?nr Tobsucht gesteigerten Frembenhaß zu illustrieren, geben wir aus einem Ausruf die folgenden Stellen wieder: „Zwei Völkerschaften bewohnen unser chinesisches 'Vaterland, die Chinesen und die Fremden. Auf die Dauer ist ein Vertragen zwischen diesen beiden ganz unmöglich, folglich uillst die eine „herausgeschmissen" »oerden. Das ist die einzig mögliche praktische Lösung der Fremdcnsrage. „Durchhauen und rausschmeisten, das ist das einzige." Die christliche Unverschämtheit geht über alle Beschreibung. Wir werden über alle Maßen mit Schmutz und Koth beworfen und die C hristenpresse nennt uns Boxer und Maulhelden. Ja wohl! Für ihre Frechheiten verdient die Christenpresse, Vast >vir sie in die Rippen boren, dast die Knochen im Leibe krachen und sie endlich ihr Maul hält und auf!)ört, mit ihrem Geschmiere Unheil anzustiften. Uns treibt die Liebe zu unserm Volt und Vaterland hinaus, nin den Chinesen aufzuriitteln, damit wir Zusammenhalten gegen das Fremdenpact und gemeinsam kämpfen. Wir müssen vereint kämpfen, vereint schlagen, dann werden wir nntviderstehlich sein und den Sieg auf immer an unsere Fahnen fesseln. „Trostlos ist unsere Knechtschaft in den Christenbanden. Weg darum mit der tbörichten Humanität und der albernen Gesühlsdriselci." Kein Mitleid dürfen wir mit dem christl. Ungeziefer haben, sonst bleiben wir aus der Strecke. Der Himmel hat das chinesische Vaterland u n § gegeben, nicht der „ekelhaften, dreckigen Christengesellschaft." Freie chinesische Männer wollen wir sein und werden. Wir leiden unter schimpflicher Verfremdung der Verhältnisse und stehen unter dem Drucke des christlichen Großkapitals. Die Freude am Vaterland ist uns verloren gegangen. Die finsteren Mächte sind rastlos an der Arbeit zu unserer Vernichtung. CS ist hohe Zeit, daß wir das „llnlraut von unserem Acker aus jäten. Dem frechen Christenthunre müssen wir den Krieg erklären auf Tod und Leben, bis auf's Messer, bis zur völligen Vernichtung;" denn freie Männer wollen wir sein im freien schönen Vaterlandc. Cs ivird gedroschen, so lange bis die Fremden windelweich vernichtet und zerschmettert am Boden liegen. Cin Elend ist es, daß in den Reihen der Christen so viel Chinesen mitkäinpfen. Eine Schmach ist es, daß mit der Christenbande so viele mitlaufen. Das ist das Furchtbarste an der ganzen Sache. Wir sind die Avantgarde für Freiheit und Chinesenthum und empfinden den Herzschlag des Volkes. Uns treibt die Liebe zu unserm Vaterlande zum Kampfe gegen die Fremden. Wenn die Fremden verständige Leute wären, würden wir ihnen ihr Geld von Herzen gönnen. Aber die „Lumpen, Spitzbuben, Halunken und Gauner" treiben mit ihrer Geldmacht den größten Unfug. Darum erfüllt uns nicht Haß und Neid, sondern „heiliger Zorn." Den Sturm der Begeisterung wollen wir erwecken und „dem hinterlistigen Fremdenpack zu Leibe gehen." Wir stehen vor einer entsetzlichen Katastrophe. Ich habe Angst vor dem dunklen Schicksal des chinesischen Volkes. Raffen wir uns darum auf. Vielleicht ist uns noch eine kurze Gnadenfrist gegönnt. Wir muffen den Kanipf aufnehmen mit aller Energie gegen das internationale Christenthum. Besiegen wir dieses, dann blüht uns eine herrliche Zeit, drum frisch auf in den Kampf! Sehen wir uns die Boeren an, die sich kräftig gegen ein fremdes hinterlistiges Volk wehren. Applizieren tvir den Fremden kräftige Boerenhiebe. Hinaus rniissen die Christen, sonst wird es nicht besser." Man könnte den wahnwitzigen Haß dieses Aufrufes begreifen, entschuldigen, wenn man bedenken dürfte, daß in der That die Fremden die Unterjochung des chinesischen Vaterlandes planen, daß sie dazu — als Gäste — von der Regierung die Hinrichtung der nationalen Fremdenfeinde verlangt haben. Aber man darf diese Entschuldigung nicht geltend machen, weil das obige — gar kein Boxerplakat ist, weil es sich um kein Kriegsgeschrei gegen Fremde, sondern gegen eigne Staatsgenossen handelt, kurz, weil wir nur dieneueste Rede des Dreschgrasen Pückler gegen die deutschen Juden mitgetheilt haben; im Original ist statt Fremden und Christen immer Juden zu lesen und statt Chinesen Deutsche. Es wäre also höchst ungerecht, die Garde des Dreschgrafen auf eine Stufe mit den Boxern zu stellen, die sich doch wirklich gegen die Unterjochung durch fremde Eindringlinge zur Wehr setzen. Um aber gleich ein zweites europäisches Kulturdokument anzuführen, sei noch die folgende Notiz der „Staatsbürger-Zeitung" wiedergegeben: ,.F i l e h n e. Ein hiesiger Jude, dessen Stellung vielfache Berührung mit der christlichen Hautevolee bedingt, bezeichnete kürzlich in einem Restaurant die zweite Tochter eines christlichen Beamten als das s ch ö n st e Mädchen von Filehne, sie sei gesund und frisch, so etwa . . . Wollte dieser Jude, der verheirathet ist und seine 60 Jahre und mehr zählen kann, nur seinen ästhetischen Geschmack damit bekunden? Oder sollte es sich um andere Gesichtspunkte handeln? Im ersten Falle müßten wir die Frage aufwerfen: Was hat sich