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Der Israelit · 1900-07-23 · Heft 59 (23.7.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 59 (23.7.1900)
Date
1900-07-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1205 Erfolg eigentlich beruhe. Gottesfurcht, aller Weisheit Anfang, fei der Quell und die Summe aller Tugenden; ans ihr entsprängen auch Hochachtung vor den Lehrern, Gehorsam gegen dieselben, Friedfertigkeit den Mitschülern gegenüber, Fleiß, Ordnung und Pünktlichkeit. Gr verlangte auch Vertrauen zu den Lehrern und zu ihrer Gerechtigkeit; dieselben vermöchten leider nicht immer, gute Noten zu ertheilen. Gr tröstete die schwachen, aber fleißigen Schüler mit dem Bewußtsein, ihre Schuldigkeit nach Kräften gethan zu haben, und ermahnte diejenigen, die eS an Fleiß hatten fehlen lassen, dringend, sich zu bessern. Den Abiturienten legte der Anstaltsleiter an's Herz, an den guten Lehren festzuhalten, die sie auf der Schule empfangen hätten und auch durch ihr künftiges Verhalten der Israelit. Realschule Ghre zu machen. Das Glück des Lebens sei treueste Pflichterfüllung. Treffend zitirte Redner die goldenen Lehren, die in Shakespearc's Hamlet Polonius seinem in die Fremde ziehenden Sohne Laertcs mit auf den Weg gibt, und ermahnte die Scheidenden besonders, wählerisch in ihrem llmgange zu sein, da böse Beispiele gute Sitten verdürben. Den Herren Kollegen dankte Herr Doktor Herz stein für die bereitwillige Unterstützung, die sie ihm bei seiner kurzen Amtsführung hätten zu TbeN Iverden lassen, und wünschte, daß die Schule auch unter dein künftigen Direktor -- Herrn Dr. Veilchenfeld - weiterhin gedeihen möge. Dem Kuratoriiiiii, das aus Liebe zun, Prinzip der Anstalt, unermüdlich Opfer an Zeit und Geld bringe, mit die wachsenden materiellen Bedürfnisse der Schule zu befriedigen, zollte der Redner lebhaften Dank, darauf hinlveiscnd, daß jede gute That ihren Lohn in sich selbst trage, und hoffend, daß es auch künftig der Anstalt an Gönnern nicht fehlen möge. Bildungsanstalten, führte der Redner endlich aus, ge beiden nur bei äußerem u. innerem Frieden, als dessen Hort in unserem engeren Baterlande den geliebten Landesregenten feiernd und dem Hause Wittelsbach bei die ser Gelegenheit auch viel Glück lvünschend zu der jüngst erfolgten Vermählung des Prinzen Rupprecht und der Herzogin, nunmehrigen Prinzessin Marie Gabriele. Möchte auch in Zukunft in unserem Lande religiöse Duldung, Achtung vor der Ueberzeugung und den Glaubensmeinungen der Nebenmenschen herrschen, wodurch sich Bayern so vortheilhaft vor manchen anderen Ländern auszeichnet. Dem Schirmherrn des Friedens und der Toleranz, des Bayernlandes weisen Berlveser, Sr. Kgl. Hoheit dem vielgeliebten Prinzregenten Luitpold brachte der Redner ein dreifaches Hoch aus, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Mit dem Absingen der Königshymne fand die erhebende Feier ihren Abschluß. Sie legte Zeugniß ab von dem patriotischen, religiösen und ernsten wissenschaftlichen Geiste, der die Anstalt beseelt. Möge sie wachsen, blühen und gedeihen. R u ß l a n d. Kischinjew. (D a s H i l f s w e r k inBessar a b i e n.) Dieses humane Werk nimmt die Kraft der russischen Juden bis zur völligen Erschöpfung in Anspruch. Glücklicherweise haben unsere Brüder in Rußland in den letzten zwei Dezennien die Kraft der Selbsthilfe erlernt, so daß sie in erfreulichem Gegensatz zu den Glaubensgenossen in Rumänien, es nicht mehr nöthig haben, in Zeiten der Noth ihre Blicke in bangem Harren gegen Westen, nach Berlin, Paris und London zu richten. Die Zahl der Hilfsbedürftigen hat inzwischen erheblich zugeuommen, da, je länger die Hungersnoth anhält, desto mehr selbstständige Existenzen vernichtet iverden, und so kommt es, daß Leute, die noch vor zwei Monaten den Armen ihres Ortes die hilfreiche Hand bieten tonnten, jetzt bei der Fortdauer der Roth selbst nothlcidend geworden sind und nunmehr die Zahl der „heimlichen" resp. verschämten Armen vergrößern helfen. Das Hauptcontingent dieser Armen liefert die große Schaar der Kleinhändler, welche mit einem Kapital von 40—50 Rubel einen kleinen Handel beginnen und durch häufigen Umsatz cs wirklich fertig bringen, mit Hilfe dieses winzigen Kapitals sich ehrlich durch die Welt zu schlagen. Da die Kaufkraft der Bevölkerung jetzt fast aus Rull gesunken ist, sitzen nun diese kleinen Leute alle auf de:n Trocknen und müssen, vis bessere Zeiten kommen, unterstützt werden. Die Untcrstiitzung dieser Leute ist Verhältnis; mäßig kostspielig, tveil sie kein Handtvcrk besitzen und überdies jede andere 'Art von Hilfe, als durch baares Geld, aus Furcht, dadurch ihren Eredit zu schädigen, ha rt nä cki g z u rü ckwci sc u. Weit leichter läßt sich den öffentlichen Armen helfen. Für diese lverdcn Läden etablirt, in denen das Mehl zum Selbstkostenpreis abgegeben tvird. Ferner werden überall Volksküchen errichtet, bei deren Gtabli rung und lveitcre Leitung der ivohlhabcnderc Theil der jüdischen Bevölkerung, namentlich aber die besser situ irtcn Frauen ganz Hervorragendes leisten. Am meisten tvird jedoch der Roth durch Getvährnng von Eredit und Organisation der prodilktiven Arbeit gesteuert. So tvnrde am 10. Juni in Orgejew eine 'Niederlage für Böttcher errichtet, tvo die Hilfsbedürftigen Dauben. Reisen u. t^rifen nebst einem baaren Vorschuß erhalten, die dann bei der Ablieferung der fertigen Fässer verrechnet tverden. Unter denselben Bedingungen tvird ebendaselbst jetzt ein Magazin für Gl Schuster etablirt. In Jsmael wurde von dem Organisator des dortigen Hilfstverkes, dem Dr. Allenstein, ein Kapital von 8.GX) Rubel hinterlegt, aus dem 28 Familien ein Eredit in Maaren, Wagen, Pferden etc. bis zu 2F Rubel gelvährt tvird. Die armen Leute ertverben sich durch diesen Eredit nun schon seit sechs Wochen ihren Unterhalt. Derselbe Dr. Allenstein hat die Fabrikation von Knuten organisirt, für die er in Moskau einen Markt entdeckt hat. —

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