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Der Israelit · 1900-07-23 · Heft 59 (23.7.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 59 (23.7.1900)
Date
1900-07-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1304 des akademischen Lehrkörpers, die Chargierten von sechs akademischen Verbindungen u. s. w., das Geleit gab. sprachen die Herren Rabb. Dr. R o s e n t h a l . Geh. Medicinalrath Professoer Dr. Haße und Pros. Dr. U h t h o f f. F. boblenz, 18. Juli. Einer jener Männer, die. wie die alten knorrigen Eichen. Sturm und Wetter trotzen, Leute mit den heute immer seltener werdenden Eigenschaften: Charakter, Treue und Frömmigkeit, wurde heute Morgen 5 Uhr plötzlich in die Ewigkeit abberusen: Herr Leopold S a l o m o n. Seit Jahrzehnten im Vorstand der Gemeinde, an der Spitze eines der ersten Handelshäuser der Stadt, hochangesehen bei allen Confessionen, stand der Verblichene, ein bescheidener, und bei seiner Bescheidenheit um so höherer Charakter, an der Schwelle der Jahre, die der Prophet als Zeitdauer des menschlichen Lebens bezeichnet. Der Verstorbene — es ist traurig, daß solches überhaupt erwähnenswerth. in Coblenz jedoch, der Hochburg des religiösen Jndifferentismus, verdient das hervorgehoben zu werden — versäumte nie einen Gottesdienst, bis in jüngster Zeit die skandalösen Vorgänge in der Gemeinde, die sich auch auf den Gottesdienst verpflanzt hatten, ihn mit den meisten der besseren Elemente von der Synagoge fernhielt. Es wurde ihm damals eine Dupirung zu Theil, die vom religiösen wie menschlichen Standpunkte aus nicht leicht ihresgleichen finden dürste. Herr Salomon hatte aus Anlaß der Vermählung seines jüngstens Kindes einen kostbaren Vorhang für die hl. Lade gestiftet. Damals vertrat er noch das Amt eines Reprcisentanten-Dorstehers. Als bald darauf, nachdem gewiffe Elemente an die Spitze der Verwaltung gelangt und im Nu mit Reformen bei der Hand waren, jener unselige Zwist aus Anlaß der brutalen u. unrechtmäßigen Kündigung des Rabbiners in der Gemeinde ausbrach, legte Herr Salomon. ein warmer Vertheidiger des so grausam und unmenschlich behandelten todtkranken Mannes, nachdem er vergebens versucht, die Sache in Güte und Frieden beizulegen, für seine humanen Bemühungen indeß nur Spott und Hohn seitens einiger jüngerer und dafür um so unreiferer Kollegen in der Verwaltung geerntet, legte Herr Salomon sein Amt nieder. Bald nachher erwachte in den Köpfen einiger jener Männer, die die unüberbrückbare Kluft in der Gemeinde geschaffen zu haben, sich rühmen dürfen, ein merkwürdig ästhetisches Gefühl, mit dem der Anblick jenes Vorhanges sich nicht vereinigen ließ. Man faßte den Beschluß, den Vorhang abzunehmen und ihn anders zu verwenden. Indeß erfuhr Herr Salomon von dem sauberen Plane und erbat sich mittels eingeschriebenen Briefes sein Geschenk zurück; u. seinem Wunsche wurde willfahrt. So geschehen in Coblenz mit einem Manne, unter dessen Aegide Friede und Ruhe in der Gemeinde stets geherrscht, der nie Jemanden brüskirt, der allen ein Wohlthäter, Freund und Berather gewesen. Der traurige Verlust, den die Gemeinde erlitten, rief in mir die Erinnerung jener skandalösen Affaire wieder wach. Mit dem Tode dieses Mannes, den man übermorgen in's Grab senkt, geht die Erinnerung an die ihm angethane Schmach in den Herzen seiner zahlreichen Freunde wieder frisch auf. (Wir bemerken, daß wir persönlich den Verhältnissen in Coblenz ganz fern stehen. Die Vorgänge dort entziehen sich unserer Beurtheilung. Der gegenwärtige Herr Correspondent scheint auf einem anderen Standpunkte zu stehen, wie der. der uns im vergangenen Jahre mit Berichten vom genannten Platze versorgte. Red. d. „Jsr.") München, 19. Juli. An Stelle des kürzlich verstorbenen Herrn Commerzienrath Reichenberger, wurde vom Gemeindecollegium Herr Simon L e b r e ch t als Magistratsrath gewählt. Dies veranlaßt den so rllhmlichst bekannten Tugend- und Wahrheitshelden Wenng, im „Deutsch. Volksbl." ein wahres Jndianergeheul loszulassen und mit Berserkerwuth gegen den „Judenliberalismus" zu Felde zu ziehen. Dies an und für sich kann nicht Wunder nehmen, denn wie es Aufgabe der Meute ist, zu Hetzen und zu kläffen, so ist cs der Beruf mancher Größe von der Presse, die öffentliche Meinung zu vergiften und Lügen und Verleumdungen in alle Winde hinauszustreuen. Nur muß ein solches Beginnen doch immerhin mit etwas Ueberlegung vollzogen werden. sonst ist e§ nicht allein schändlich und niederträchtig. sondern es verfällt auch dem Fluche der Lächerlichkeit. Denn wie könnte es anders als so wirken, wenn in dem geistvollen Artikel neben so vielem anderen Blödsinn zu lesen ist: „Man hat von Bankier Lebrecht, wenn wir uns recht erinnern, s. Zt. behauptet, er habe im Jahre 1870 mit Rothschild und so und so vielen anderen seiner Stammesgenossen die französische Kriegsanleihe gezeichnet." „Wenn ivir uns recht erinnern!" O gewiß, erinnert sich Wenng sehr recht. Im Jahre 1870 war Lebrecht sage und schreibe achtzehn Jahre alt und war als Anfangskommis in einer Schnittwaarenhandlung beschäftigt; lvarum hat er da nicht lieber ganz für sich allein die gesammtc französische Kriegsanleihe gezeichnet, sein Gehalt hätte ja sicher hierzu gereicht! Es ist zu erwarten, daß Wenng ans seine so verdienstvolle Leistung die gebührende Antwort erhalten wird. F-iirlh, 18. Juli. (S ch l u ß f e i e r.) Auch an der Israelit. Realschule fand dieses Jahr — am 13. d. — eine Schlußfeier statt. Gesänge sowie Deklamationen in deutscher, französischer und englischer Sprache gelangten unter dem Beifall der Anwesenden zum Vortrag u. legten schöne Proben von dem Können der Zöglinge dieser Anstalt ab. In einer wohldurchdachten Ansprache legte der derzeitige interimistische Direktor. Herr Dr. S. Herzstein, von den wiederum erzielten guten Resultaten ausgehend, dar, worauf der

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