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Der Israelit · 1900-07-23 · Heft 59 (23.7.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 59 (23.7.1900)
Date
1900-07-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1203 Assimilation und ihr erster Wortführer hat eine Nichtjüdin zur Frau. Sie nehmen unter der Form ihres Schekel armen, gottesfürchtigen Leuten ihre letzte Kopeke für „Erez Israel" ab und unterhalten dainit eine Presse u. eine Propaganda, die alles spezifisch Jüdische der Verachtung preisgibt. Sie geben vor, Bildung und Gesittung unter allen Schichten des jüdischen Volkes zu verbreiten und ihm so die Erlösung zu bringen, und verbinden sich mit Messerhelden und Todtschlägern, um durch Terrorismus lästige Gegner einzuschüchtern. Sollen wir die Reihe der Widersprüche zwischen den Worten und Thateu unserer Zionisten noch fortsetzen? Ich denke, die Proben genügen, um jeden aufmerksamen Beobachter dagegen zu schützen, daß er sich durch dieses Blendwerk nicht täuschen läßt. Sie mögen nun in London auf's neue ihre salbungsvollen Phrasen drechseln und in hohlen Tiraden sich ergehen; sie haben alle kurze Beine. Sie werden über das Sinken ihres Kredits, das Fiasko ihrer ganzen Mache nur diejenigen täuschen, die ein Interesse daran haben, sich täuschen zu lassen. Zeitungsnachrichten ttttfc Corre-pan-enzen. Deutschland. Perlin, 18. Juli. Der Geh. Sanitätsrath Dr. Samuel K r i st e l l e r ist nach längerem Leiden am 15. Juli, 80 Jahre alt, hier gestorben. Der wissenschaftlichen und gemeinnützigen Thätigteit Kristellers, eines der ältesten und angesehensten Aerzte Berlins, ist in der „Vostischen Zeitung" an seinem achtzigsten Geburtstage gedacht worden. Die Mittheilungen seien durch einiges über Kristellers Lebensgang ergänzt. Zu Lions geboren, erhielt Kristeller seine Schulbildung auf dem Gymnasium zu Glogau. Seine medizinischen Studien machte er von 1839 an in Berlin. 1843 proinovirte er hier mit einer unter Mitscherlichs Leitung gefertigten Arbeit über die Wirkung des Brechweinsteins, insbesondere nach Thierversuchen, zum Doktor. Nachdem er im Jahre daraus die ärztliche Staatsprüfung abgelegt hatte, kehrte er in seine Heimathsprovinz Posen zurück und ließ sich in Gnesen als praktischer Arzt nieder. 1850 wurde ihm das Physikat des Kreises Gnesen übertragen. Einige Zeit später siedelte Kristeller nach Berlin über. Zuerst betrieb er hier die allgemeine Praxis. Dann bevorzugte er die Thätigkeit als Frauenarzt und begründete hier eine private Heilanstalt fiir Frauenkrankheiten. 1860 habilitirte er sich als Privatdozent für Frauenheilkunde an der Universität. Zweimal war Kristeller auftragsweise mit der Leitung der Abtheilung für Frauenkrankheiten im Charitee-Krankenhause betraut. Während der Kriege von 1866 und 1870—71 wirkte Kristeller als leitender Arzt an Berliner Militärlazarethen. 1867 wurde er durch den Sanitätsrathstitel ausgezeichnet. Seit 1873 war er Geheimer Sanitätsrath. Kristeller war einer der ältesten Führer und Leiter des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Er hat seine Leiche verbrennen lassen. Breslau, 17. Juli. Die Scenen, welche sich vor wenigen Jahren abspielten, als die Opfer grausamer Unduldsamkeit, von der väterlichen Scholle verstoßen, mit dem Wanderstabe in der Hand, das ungastliche Rußland verließen, um in der Ferne sich eine neue Hei math zu suchen, erleben ihre Wiederholung. Am ver gangenen Sonntag Abend pastirte wiederum ein Trupp von 178 rumänisch-jüdischer Auswanderer, von der österreichischen Grenze kommend, unsere Stadt. Die Rumänen, ausschließlich Männer in den besten Jahren, unterscheiden sich vortheilhaft von den russischen Emigranten dadurch, daß sie fast durchwegs kräftige, arbeitsgewohnte, arbeitsfähige und arbeitswillige Gestalten sind, die den harten Kampf um's Dasein mit Erfolg bestehen zu können versprechen. Die Auswanderer haben unter Verzichtleistung auf die ihnen von der rumänischen Regierung angebotene freie Beförderung, ihren Marsch bis zur österreichischen Grenze zu Fuß zurückgelegt. Die Führer, meistens Studenten, haben sie sich aus ihrer Mitte selbst gewählt. Die Disciplin ist ausgezeichnet. Am hiesigen Bahnhof wurden die Auswanderer in einem angrenzenden Schuppen von einem Comitee, bestehend aus Mitgliedern der Synagogengemeinde und des Vereins jüdischer Studenten empfangen und während ihres mehrstündigen Aufenthaltes mit Bier und Wurst bewirthet. Der Zug ist nicht der erste, welcher unsere Stadt passirt und wird leider wohl nicht der letzte bleiben. Möge den Armen in der neuen Heimath ein besseres Loos beschieden sein, als in der alten, die sie grausam verstoßen. Breslau, 18. Juli. Nach längerem Leiden verschied Hierselbst am 6. dss., im Alter von 49 Jahren, der ordentliche Honorarprofessor der hiesigen Universität Dr. med. Gustav Born. Der Verstorbene gehörte seit mehr als 25 Jahren dem Lehrkörper an. 1875 wurde er Privatdozent, 1886 außerordentlicher Professor und 1899 ordentlicher Honorarprofessor. Gleich hervorragend als scharfer Forscher, wie als hochbegabter, mit seltener didactischer Fähigkeit und glänzender Redegabe ausgestatteter Lehrer, bildete der Verstorbene eine Zierde der hiesigen Hochschule, welche an ihm ein verdienstvolles, pflichttreues, hingebungsvolles Mitglied verliert, ebenso wie die Wiffenschaft einen bewährten, schaffensfrohen Jünger, und das Judenthum einen Mann, auf den es stolz sein konnte. An der Bahre, welcher eine außerordentliche große «Schaar von Leidtragenden, darunter eine Anzahl Stadträthe u. Stadtverordnete, der Rector Magnificus, zahlreiche Vertreter

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