Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-07-19 · Heft 58 (19.7.1900) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 58 (19.7.1900)
Date
1900-07-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449103--51152-2501650
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

MWMMWWMW 41. Jahrgang. Erste Aeikage zu Jß 58 des „Israelit". Leitender Artikel. M 11m Mas mehr VMcit im) Klarheit. Von Rabbiner Dr. Daniel Kink, Wien. 1Y. Treten mir nunmehr bet Erörternng jener Tatmiibltcllc naher, weiche vermut hl ich den ersten Anlaß /,n den Mißverständnisse» des .Ferrit Dr. Kelvin ne .zehen li.it. Dieselbe lautet: nros» man '^psn petw r-i enb 12X n^'- 11211 by pi rvoii rrtrj? fwpn vmvL' iej? D'pnyn rein fprb yntr eis L" c'zz~b ^'i^pw,(Berachotb 23 I>.) Simeon, der Baumwollhändter. brachte vor Nabbon C-tamalie! jii Jabne den Wortlaut dev?lcht.;ehnergebctes in Ordnung. Daraus sprach Nabbon tdainaliel zu den 'Rleisen: gibt es unter euch einen, der auch das die Ketzer betreffende Gebet herznstellen vermag? Sofort erhob sich Schmuel der Kleine und vollführte es. Allem Anscheine nach hat Dr. Lclvin unter dem A n-drucke ““ren by men die Abfassung des in Rede hebenden rdebetes verstanden. Das lann hierunter durchaus nicht gemeiut sein. Das Abfafscn von Gevete» bcip.t in der talmudischen Sprache ,pn, (Beratfmtf) 3.6 h erfolgt dies nach bestimmten Gesichtspunkten, so wird es mit "■"'■zn by fpn 01i,cgilla 176) bezeichnet. D ie Feststellung eines ursprünglichen Textes dagegen beißt 112 Zum Beweise dessen sei hier auf die Stelle <Beza 166) Awrw' iei ~v;p prs';ro 112:: 'ni x'Ec mn.i bingewiesen. Es wird lein Mensch behaupten, dast der dort erwähnte Blinde Mischnoth verfaßt hatte. Seine Tbätigkeit bestand vielmehr, wie schon Rasehi ausdrücllich bemerkt, darin si'A' 1712: nr>:cö y-m rrrtr bsw 12 \jc3 daß er die Mischnoth, deren ursprünglicher Text ihm geläufig war, dem Meir Samuel vortrug. iVergleiche noch Peßach 106.) In gleicher Weise batte sich auch der an unserer Stelle erwähnte Simeon der Aufgabe unterzogen nachdem bereits zu seiner Zeit sowohl der Wortlaut des Achtzehnergebetes wie auch dessen Anordnung mancherlei Umgestaltung erfahren hatte - denselben wieder in seiner Ursprünglichkeit berzustellen. Es ist ferner unrichtig, diesen Vorgang dem Rabbon Gamaliel II., welcher, rote bekannt, geraume Zeit nach der Zerstörung des zweiten Tempels als Patriarch gewirkt hat, zuzuschreiben. Es ist mir zwar nicht entgangen, daß auch Zacharias Frankel in seinem '211 .upon S. 70 dieselbe Ansicht äußert und sie m den nisDin Seite 6 des weiteren zu stützen sucht. Auch I. H. Weiß im zweiten Theile seiner vpim in in S. 73, schließt sich derselben an. Nichtsdestoweniger ist sie eine durchaus irrige. Die erwähnten Autoren scheinen wohl hauptsächlich aus dem Grunde zu dieser Annahme gelangt zu sein, weil das Ereigniß nach Jabne verlegt wird. Es ist jedoch übersehen worden, daß schon der ältere Gamaliel, und zwar zur Zeit des Tempels, das Synhedrium dorthin verlegt hatte. Darauf deutet auch der Ausdruck rrsrni 'b p-i „gib mir Jabne mit seinen Weisen" (Gütin 60z hin. Vergl. Raschi z. St.!) Die n‘in xnb'V'V die dort im Znsamenhange erwähnt und nur auf den älteren Gamaliel Bezug haben kann, ist nur dazu angclhau, diese Ansicht zu stützen. Im Uebrigen wird in Nosch. hasch. 31b ausdrücklich hervorgehoben, daß Jabne noch vor der Zerstörung Sitz des hohen Nathes war. Dasselbe ergibt sich auch aus dem Wortlaute der Mischnah das. 29b. (Vergl. noch bes. nri und s'tnriD zur Stelle. Wir gehen noch weiter und behaupten, daß der erwähnte Vorgang unter Gamaliel II. unmöglich stattgefunden haben konnte. Wie der Zusammenhang der oben im Wortlaute zitirten Boraitha erweist, fand beides, die Anordnung des Textes ans dessen ursprüngliche Verfassung und die Umformung des Gebetes wider die Ketzer in derselben Sitzung statt. Letzteres vollführte Samuel der Kleine. Zunächst wird von diesem Semaehoth 3 Eav. erwähnt, Nabbon Gamaliel der Aeltere und Nabbi Eleasar b. Aroch habe ihm die Leichenrede gehalten. Er kann den,nach die Zeit der TempelMstörung schon um deßwillen nicht erlebt haben, weil Nabbon Gamaliel I. selbst 13 Jahre vorher bereits starb. Samuel der Kleine hat ferner in seiner Todesstunde (Synh, 11) den Märtyrertod des Nabb. Simeon b. Gamaliel und des Nabb. Jsmael b. Eliser, die nach dem Falle Jerusalems umkamen, prophezeit, die Ereignisse selbst jedoch nicht erlebt. Das alles wird über allen Zweifel durch den Umstand erhärtet, daß Samuel der Kleine stets unter den Schülern Hillels und als Genosse Nabb. Joch. b. Sakkais erwähnt wird. Als Jünger Gamaliels 1 l. jedoch konnte er unmöglich zugleich ein solcher Hillels gewesen sein. Von allem abgesehen, verbieten es aber noch außerdem sehr gewichtige innere Gründe, den hier in Rede stehenden Vorgang Rabb. Gamaliel II. zuzuschreiben, während sie in demselben Maße für Gamaliel I. zeugen. Der erstere. welcher zur Zeit der furchtbaren Hadrianischen Verfolgungen wirkte, hatte wohl kaum Veranlassung, noch die nöthige Muße, sich um der Sadduzäer Willen viel Kopfzerbrechen zu machen, dies um so weniger, als es allgemein bekannt ist, daß das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.