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Der Israelit · 1900-07-19 · Heft 58 (19.7.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 58 (19.7.1900)
Date
1900-07-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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'-’ •'SjUf1 n»srr^;-v i^-rr*--7,^-7- - - .*■• 1183 Feuilleton M crcH ei« er wcrHre « Me gebender t. I Von Friedrich Rott Hoffend und dennoch ztveifelnd blickte der kraute 5tnabe zu dem Vater empor. „Wenn Du mir die Hand darauf geben wolltest!" „Dir die Hand darauf geben, daß der Doktor dem Hotelier schon am vorigen Tage gesagt hat, daß Mrs. Kyler schwerlich die Nacht überleben werde — nein, mein liebes Kind, das kann ich nicht, da ich doch nicht dabei gewesen bin. Ich kann mir jedoch nicht denken, daß der Doktor es mir gesagt hätte, wenn es nicht wahr wäre — und daß er es mir gesagt hat, darauf will ich Dir gerne die Hand geben. — Hier, Du kleiner, närrischer Junge, hier hast Du meine Hand darauf." Henry drückte sie mit Innigkeit. „Dank," flüsterte er, während Thränen seine Augen füllten, „o, Gott sei Dank! daß ich kein Mörder bin. Aber." fuhr er nach kurzer Pause von Neuem zweifelnd fort, während er die Hand an die Stirn preßte, „hat nicht Jemand gesagt, daß sie gestorben wäre, weil ihr Sohn nicht gekommen ist?"'- „Liebes Kind," siel die Mutter ein, „der Droschkeuiuischer hat gesagt, was er gehört hat — wer weiß, aus wie vielter Quelle. Du weißt doch, wie dergleichen Gerüchte sich verbreiten, Jeder setzt ein Wort hinzu." „Wer wüßte das besser als ich," flüsterte Henry, desien Antlitz dunkele Gluth überzogen hatte. „Q mein Gott, wenn ich auch hoffen könnte, daß ich an dem Tode der armen Frau nich! Schuld bin — ein schweres Verbrechen habe ich dennoch begangen —" „Ein Verbrechen hast Du nicht begangen," entgegnete der Vater, indem er sich aus einen Sessel am Bette niederließ, „aber einen ernsten Fehler allerdings. Doch ich glaube, durch Deinen tiefen Schmerz über diesen Fehler hast Du ihn bereits gesühnt. — Und wenn Du mit Gottes Hülfe recht bald gesund sein wirst und dann die Verzeihung des armen Kyler zu erlangen suchst, dann bin ich sogar fest überzeugt, daß Du alles gesühnt hast." Henry athmete einigemal tief auf, die Fiebergluth wich aus seinen Wangen, sein Blick ward klar und ruhig. „Ich danke Dir, Papa - - o, iw danke Dir!" — Auch Elsa drückte die Hand ihres Mannes und ihre Lippen flüsterten Worte des innigsten Dankes gegen Gott. „Du mußt Dich niederlegen, Elsa," bat Viktor, „ich bleibe bei Henry und werde fleißig die Eistücher wechseln." „Das weiß ich wohl, aber —" „Ja, ja, liebe Mama," fiel Henry ein, „bitte, gehe zu Bett, Papa wird ja bei mir bleiben, da kannst Du ruhig schlafen." „Wenn Du nur schlafen würdest, liebes Kind —" „Wenn ich weiß, daß Du schläfst, Mama, dann werde ich auch bester schlafen." „Dann muß ich wohl nachgeben," versetzte sie lächelnd, indem sie sich erhob, und jetzt erst empfand sie eine unsägliche Müdigkeit. Sie umarmte ihren Knaben, drückte dem Gatten innig die Hand und verließ langsamen Schrittes das Zimmer. Dem Knaben waren die Augen wieder zugefallen, der Vater wechselte unaufhörlich die kühlenden Compresten und allmählich wurden die Athemzüge des Kranken ruhiger, gleichmäßiger, das Fieber ließ sichtlich nach. Schon glaubte Viktor, daß er schlafe, als er seinen Namen nennen hörte. „Papa — lieber Papa!" „Was gibt's, Henry? warum schläfst Du nicht?" „Wenn Du mir einen Gefallen thun wolltest — einen großen Gefallen —" „Wenn ich's kann, mit Vergnügen. Was möchtest Du denn?" „Den Mr. Kyler um Verzeihung bitten. — Wenn Du mir Papier und Schreibzeug geben wolltest —" „Was fällt Dir ein! — jetzt, mitten in der Nacht wolltest Du schreiben? — Morgen, wenn der Doktor es erlaubt, will ich Dir gerne geben, was Du verlangst. Aber jetzt mußt Du schlafen, wie Du es der Mama versprochen hast." „Aber ich kann nicht schlafen," flüsterte Henry, dessen Athem wieder rascher ging, „wenn ich ihn um Verzeihung gebeten hätte, würde ich's vielleicht können." „Ich darf Dich jetzt nicht schreiben lasten, aber wenn es Dich beruhigen würde, so würde ich für Dich schreiben, Du könntest mir diktiren." Henry blickte dankend zu ihm auf. Der Vater nahm Papier und Schreibzeug und schrieb, was sein Sohn ihm diktirte. „Lieber Herr Kyler! „Ein unglücklicher Knabe, den sein Leichtsinn zur Verzweiflung gebracht hat, bittet Sie inständigst um Verzeihung, daß Sie durch ein unbedachtes Mort von ihm an jenem traurigen Abend verhaftet worden sind. Verzeihen Sie mir, lieber Herr Kyler, verzeihen Sie mir. — Wenn Sie wüßten, wie leid, wie so sehr, sehr leid es mir thut, würden Sie sich vielleicht entschließen, mir zu verzeihen. Ich bitte Sie flehentlichst, verzeihen Sie mir, ich könnte sonst in meinem ganzen Leben nicht wieder froh werden —" „Genug, lieber Henry, jetzt hast Du vollauf das Deinige gethan, jetzt wirst Du schlafen können. Ich werde noch hinzufügen, daß Du aus Schmerz über

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