Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 58 (19.7.1900)
- Date
- 1900-07-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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ijv *■;>' 1182 jeden, der sich bei ihnen meldet, ohne Wahl nach London zu dirigiren. Den Comitees in Wien und Frankfurt wurde vorgeworfen, die ihnen aufgehalsten Emigranten planlos weiter abzuschieben. Endlich wurde der „I. K. A." ein Vorwurf daraus gemacht, daß sie vom 1. bis 8. Juli 170 auserlesene Emigranten nach Canada befördert habe. Schließlich forderte Mr. Cohen im Namen des „Board of Guardian" kategorisch die einstweilige Sistirung der Emigration, bis in Rumänien sowohl wie in Canada die nöthigen Vorkehrungen getroffen sind. Zur Erläuterung des obengesagten theilte Mr. Green mit, daß das Bukarester Comitee —falls es nicht die Mittel hat, alle sich bei ihm zur Emigration meldenden Personen nach London zu expediren — einfach das Loos entscheiden läßt. Ferner erzählte er von einem Manne, der provisorisch bei der jüdischen Gemeinde in Bukarest beschäftigt!var. Um ihn los zu lverden, gab man ihm das Reisegeld nach London, wo es ihm ge lang, gegen ein Salair von 20 Shilling die Woche, Beschäftigung bei der jüdischen Nationalbank zu finden. Sechs Wochen darauf wurde ihm nicht allein seine eigene Familie, sondern noch zehn Verwandte von Bu karest aus nachgeschickt. Auf die Anfrage des Mr. I. Seligmann, ob nicht in London, resp. England selbst eine größere Anzahl von Emigranten noch untergebracht werden könnten, erwiederte Mr. Asher I. Myers, daß das East End keine 1000 Juden mehr aufnehmen könnte. Dabei sprach er gegen die Comitees in Bukarest, Wien und Frankfurt die Beschuldigung aus, diese dirigiren die Flüchtlinge mit der Absicht nach London, um den Londoner Juden eine „handgreifliche Lertion" zu ertheilen. Endlich entschuldigte Mr. Lousada die Handlungsweise der „I. K. A." mit dem Umstand, daß den 170 Flüchtlingen unterwegs von einem Comitee feierlichst versprochen wurde, sie in Canada unterzubringen. Die „I. K. A." mußte nun das Versprechen einlösen. Er versprach aber, daß so etwas sich nicht mehr wiederholen werde. T. London, im Juli. Den rumänischen Flüchtlingen geht es bei uns herzlich schlecht. Unser „Board os Guardians" weist prinzipiell alle rumänischen Emigranten zurück, die sich in Gruppen bei ihm nielden und fordert die Mitglieder der Gruppen aus, einzeln Eingaben bei ihm einzureichen, worauf dann bie Sache von Fall zu Fall und jede sür sich allein, ihre Erledigung finde. Weigern sich die Emigranten, dieser Aufforderung nachzukommen, und bestehen sie auf einer gemeinsamen Abfertigung, so wird gegen sie die P o - l i z e i in Anspruch genommen. Ein solcher Fall ereignete sich am 11. Juli, wo 100 Emigranten durch die Polizei aus dem Bureau des „Boards" vertrieben werden mußten. Hunderte von rumänischen Juden irren obdachlos auf den Straßen Londons umher, wo sie auch die Nächte zubringen. Das Elend ist so groß, daß die christlichen Arbeiter auf den Quais Mitleid empfanden und die darbenden fremden Juden mit Geld und Nahrungsmitteln unterstützen. Am Eingang zur Synagoge in der Scarborough-Street sitzen sie zu Hunderten beisammen und warten, bis die Synagogenbesucher, von denen manche selber kaum zu essen haben, ihnen Brot, Milch oder Kaffee bringen. Aus Mitleid gehen viele Londoner Juden von Thür zu Thür, um sür die Verhungernden Brot zusammen zu betteln. Unsere reichen Juden aber haben ihr ganzes Geld zur Ausrüstung von Freiwilligen gegen die Buren ausgegeben und haben für jüdische Zlvecke nichts mehr übrig! Hat doch in diesem Jahre selbst die Anglo Jewish Asso eiation in ihren Londoner Einnahmen gegen das Bor jahr eine Einbuße von KO Pfd. St. zu beklagen. T. R u ß l a n d. Petersburg. Wie die Warschauer Zeitungen berichten, hat die Gattin des verblichenen Fabrikanten Israel P o s n a n S k y in Lodz zu seinem Gedächtnisse den Betrag von 240,000 Rubel als einen ewigen Fonds für folgende lvohlthätige Anstalten gespendet: 200,000 Rubel für das jüdische Hospital der „Gatten Israel und Leonie Posnausty" (in diesem Hospital werden Kranke ohne Unterschied des Glaubens ausgenommen); 20,00t) Rubel für ein Heim für jüdische Mädchen; 20,000 Rubel für eine jüdische Handwerkerschule lTalmud-Thora). Die Erben des Verewigten schenkten ihrerseits 200,OOo Rubel als einen außerordentlichen Fonds für das Dienstpersonal und die Arbeiter „der Attiengesellschast der Manufaktur I. K. Posnansty in Lodz"; 10,000 Rubel zu Gunsten der christlichen Wohlthätigkeitsgesellschaft; 3000 Rubel zur Neriheilung an Nothleidende durch die jüdische Wohlthätigkeitsgesellschaft; 3000 Rubel zum gleichen Zwecke durch die jüdische Gemeinde; 9000 Rubel zur Einrichtung einer Wasserleitung auf dem jüdischen Friedhofe; 8000 Rubel zur Gründung zlveier Stipendien, die den Namen des Heimgegangenen tragen sollen (in der Handelsschule ein Stipendium sür einen jüdischen, und das andere sür einen christlichen Schüler); 2000 Rubel zu Gunsten der Gesellschaft gegenseitiger Hilfe der Meister der Stadt Lodz; 1000 Rubel der freiwilligen Feuerwehrgesellschaft: 1000 Rubel der Gesellschaft rascher medizinischer Hülse; 1000 Rubel der Gesellschaft zur tlnterstützung Kranker (Bikor Cholim); 000 Rubel dem jüdischen Kinderasyl; 000 Rubel für arme jüdische Wöchnerinnen; 000 Rubel dem christlichen Lehrerverein; 1000 Rubel der Synagoge in Wlosebtow; 000 Rub. der Synagoge in Alerandrowo (Lodzer .Kreis); 00,00'> Rubel zur Gründung eines Ambulatoriums am Hospitale der Gatten Posnansty." Der verewigte Jsr. Posnansty vermachte in seinem Testamente für jüdische und christliche lvohlthätige Anstalten in Lodz eine halbe Million Rubel.