Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 58 (19.7.1900)
- Date
- 1900-07-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1181 nunmehr für seine segensreiche Thätigkeit auch die wohlverdiente Auszeichnung durch Se. 'Majestät erhalten. Wodianer ist ein fromm-gläubiger Jude, der sich durch patriotische Gesinnung, Frömmigkeit und Wohltbätigkeit die höchste Achtung seiner Mitbürger errungen hat. — Kultusminister Dr. Julius Wlaffirs hat den jiidischen Oberrcalschulprofess. Dr. Heinrich Si ö r ö ft ,',11111 königl. ungarischen Schulinspertor in Budapest ernannt. Der Minister-Präsident Eoloman Szell hat den jüdischen Gerichtsnotar Dr. Simon G l a t t st c i n zum königl. Ungar. Matrikelsiihrer ernannt. — Aus Anlaß des 70. Geburtstages Karl Gold, in a r k s hat der Budapester Journalist und Maler Adalbert Feleki eine Gratulationsadresse an den lvelkderühuiten jüdischen Meister gesandt. Gr inalt dessen Portrait, um dasselbe zum Roschhaschono-Feste dem greisen 'Meister als Geschenk einzuschicken. Binnen Kurzem ivird zum 70. Geburtstage des Kaisers Franz Joseph ein ungarisch hebräisches Gedickt und Musik-Eomposition (Psalm 21) erscheinen. Der Verfasser ist der berühmte Dberlautor 'Max Gold, stein in Steinamanger. — Mit dem Dampfer Hildegard traf am 10. Juli neuerdings eine Gruppe israelitischer Auswanderer aus Rumänien in Budapest ein. Die armen Leute, die aus der israelitischen Volksküche verköstigt und von den siidischen Gemeinden mit Geld für die Weiterreise versehen Ivnrden, traten, ohne das Schiss verlassen zu dürfen, die Weiterreise nach Wien au. Gin elf Wochen alter Säugling und eine etwa 00 Jahre alte Frau mustten in Budapest zurückgehalten werden, da ihr durck mangelhafte Nahrung herabgetoinmeucr Zustand die Weiterreise nicht gestattete. Frankreich. Pnrio, 10. Juli. In der gestrigen Nummer der „Aurore" ist eine Antwort aus den Artikel Bernard Lazares „Roumains et Juiss" veröffentlicht, über den ick in 'Nummer 00 des „Israelit" eingehend berichtet habe. In dieser Antivort, die einen aus Rumänien stammenden und in Frankreich schon lange ansässigen Herrn zum Verfasser hat, ivird ungefähr Folgendes ausgcführt: Die Union des Etudiants latin zählt zu ihren 'Mitgliedern Leute mit den verschiedensten politischen Anschauungen und daher hat sie kein Recht, die Handlungen dieser oder jener Regierung zu tadeln oder gut zuheißen. Was hat die Judenfrage mit dem Studen ten-Eongreß zu thun? Wir wenden uns an Alle, Judcnfreunde und Judenfeinde. Wir dürfen uns keinesivegs in die inneren Angelegenheiten der Völker einmifchen, an die wir uns ivenden. Will denn etiva Lazare den französischen Studenten das Zusammenarbeiten mit den russischen verbieten, weil man in Rußland die Finländer und Polen, die ihre Rechte verthcidigen, nach den Wüsten Sibiriens schickt? Oder mit den englischen Studenten, tveil England einen Krieg gegen das heldenhafte Bnrcnvolk führt? Dem Verfasser dieses Aufsatzes möchte ich er. tviedern, daß die Behandlung der rumänischen Juden keinesivegs eine interne Angelegenheit der rumänischen Negierung ist. War es denn nur Sache der Türkei, daß Taufende von Christen von wilden Fanatikern nieder gemetzelt ivnrden? Haben es denn nicht die enropä ischcn Großmächte — leider mit sehr ivenig Erfolg — für ihre Pflicht gehalten, einzuschreiten, um dem Blutbad ein Ende zu machen? Wenn jetzt in Rumänien den Juden gegenüber die elementarsten Regeln der Menschlichkeit mit unbeschreiblicher Grausamkeit verletzt iverden, so hat auch jeder gebildete und menschlich fühlende Ausländer das Recht und sogar die Pflicht, mitzureden und zu protestiren, er hat auch das Recht, die Angehörigen dieses Staates zu bitten, ihre Ansicht über die niederträchtigen Handlungen ihrer Regierung zum Ausdruck zu bringen. Bon diesem Rechte hat Bernard Lazare in glänzender Weife Gebrauch gemacht. Dieses blecht ihm ab sprechen wollen, hieße die Beden, tung und die Traglveite des Gegenstandes verkennen. Pi. England. London, im Juli. Als Warnung für die rumänischen Juden, nach London auszuwandern, mögen die Verhandlungen des „Board of Guardians" vom 0. Juli dienen. Der Vorsitzende, Vir. Leonard L. Eoheu, tbcilte mit, daß vom 10. Juni bis 0. Juli von 211 rumänischen Juden, die sich beim Board gemeldet haben, nur 10 nach Amerika befördert ivnrden. 07 wurden aus eigenen Wunsch „nach Rumänien zurückbesördert," während weiteren 120, weil sie sich geiveigert haben, nach Rumänien zurückzukehren, vom „Board" jede Un. terstiitzung versagt wurde. Als Grund für dies sonderbare Benehmen gab Mr. Eoheu die Thatsache an, daß die Emigration völlig planlos vor sich gehe. Weder ivird in Rumänien selbst bei der Erpatriirung nach irgend einem Shstcm verfahren, noch sind bis jetzt in 'Amerika Vorkehrungen zum Empfange der Emigran ten getroffen, noch haben endlich die Auswanderer selbst eine Ahnung, wohin sie eigentlich ivollen. Die meisten haben in Rumänien gehört, daß in Eanada die Regierung den eiuwaudernden Juden pro Familie 10<) Acres Land gibt. Dabei eignen sich alle bis jetzt in London cingetroffenen Emigranten am allerlvenigstcn für Eanada, da sie von der Laudlvirthschaft nichts verstehen. Im Lause der darauffolgenden Debatte ivnrden vom Vorsitzenden sotvohl lvie von verschiedenen Vorstandsmitgliedern gegen einige Eorporationeu eine ganze 'Reihe von Vorivürfcn erhoben. Die Eomitees von Bukarest und Galatz ivnrden von 'Mr. Eohen beschuldigt, die Emigration „künstlich zu fördern" und