Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 58 (19.7.1900)
- Date
- 1900-07-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1180 ihm der Herr Pfarrer, der sich auf's leutseligste mit ihm unterhielt und auch nach den anderen Israeliten sich erkundigte. Der Einwohner von A. konnte sich nicht zurückhalten zu sagen: Herr Pfarrer, in A. kamen Sie allen Israeliten so freundlich entgegen, ivie auch heute wieder mir selbst und in B. haben Sie den Namen eines Antisemiten, der den Juden nicht wohlgesinnt ist. — Ja, entgegnete der Pfarrer, in A. hatte ich die Israeliten gerne, weil sie noch was auf ihren Glauben hielten, aber hier in 39.?! Die halten ja nicht einmal ihren Schabbes, die sind weder Juden, noch Protestanten, noch Katholiken, die sind in meinen Augen gar nichts und von solchen Leuten tvill ich nichts wissen. — Kommentar überflüssig. Würzbnrg, 16. Juli. Anfangs März ds. Js. war gegen den ledigen Handelsmann Moritz Sichel von Vcitshöchheim vor dem unterfränkischen Schwurgericht wegen eines Sittlichkeitsreates verhandelt worden. Der antisemitisch bauernbündlerischen „Neuen Bayer. Landeszeitung" war die Strafe zu gering und sie beschuldigte in ihrer Kritik den Pfarrer Röder von Veitsböchheim, er habe an seinen Konfrater in Stetten einen Brief geschrieben, damit dieser auf einen Zeugen zu Gunsten des Juden Sichel einwirken solle. Pfarrer Röder stellte Beleidigungsklage, und der zeichnende Redakteur Thomas Memminger wurde vorgestern vom Schöffengericht zu einem Monat Gefängnis; verurtbeilt. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Ungarn, im Juli. Der römisch-katholische Bischof von Oberungarn, Paul Szmrcsanyi, lveilte dieser Tage im Arvaer Komitate. Die jüdische Kultusgemeinde aus Also-Kubin benutzte diese Gelegenheit, um dem illustren Kirchenfürsten bei der auch sonst üblichen Huldigung für das hochherzige Hirtenschreiben, »velches er anläßlich des Nameßtoer „Falles" an die Geistlichkeit seiner Diöcese gerichtet, den tiefgefühlten Dank der ungarischen Judenheit auszudrücken. Der edclsinnige Kirchensürst hat sehr viel zur Beruhigung der Gemütber beigetragen, indem er rechtzeitig eingcgriffen und gewissenlose Hetzer daran verhindert, ein zweites „Tißza-Eßzlar" aus dieser „Affaire" zu schmieden. Eine zwölfgliederige Deputation erschien unter Führung des Also-Kubiner Oberrabbiners I. H o r o - v i tz und des Gemeindepräses Dr. W. Reicher beim Bischof, wobei ersterer folgende Ansprache hielt: Hochwürdigster Herr Bischof! Unsere altehrwürdigen Traditionen gebieten uns, beim Anblick eines weisen Mannes, mag derselbe lvelcher Religion immer angehören, Gott zu danken dafür, daß er einen Menschen von seiner Weisheit betheiligt hat. In Folge dieser Tradition, hauptsächlich aber unseren eigenen Gefühlen folgend, erachten lvir es für ein Glück, in der Person Ew. Hochwürden Gottes Weisheit preisen zu können, welche aus Ihrem oberpriesterlichen Wirken hervorleuchtct; ist doch — Dank dein Himmel — auch in unserem engen Kreise die Wirkung Ihres Waltens zu fühlen. Die Judenschaft unseres Bezirkes, unseres Komitates, ja unseres Vaterlandes, dankt Ew. Hoch würden für Ihr mildes Walten, für Ihre mit göttlicher Weisheit gepaarte Gerechtigkeitsliebe, welche Sie mit Ihrem oberpriesterlichen Aufrufe in schweren Tagen uns gegenüber bekundet. „Ohne hohepriesterliche Lehre verwildert das Volk." heißt es im Propheten, und dasselbe ist nur dann glücklich, wenn es die Lehre der Liebe bewahrt. Die wahre religiöse Liebe aber kennt keinen Vorbehalt, kennt keine Vorbedingungen, sie hat keine Grenzen, kein Maß und kein Ende. Im Dienste dieser erhabenen Idee standen die großen Geister; sie war es, welche die Propheten begeisterte, sie beschäftigte die Weisen und Gelehrten, und für ihre Verbreitung und für ihren Sieg kämpfen auch Sie, Hochwürden, der Sie, sich über den engen Kreis des Konfessionalismus erhebend, die heiligen Interessen der Menschlichkeit und Frömmigkeit in Ihrem edlen Herzen tragen. Der Rabbiner schloß mit einein Segensspruche, tvorauf Bischof Szmrccsanvi in einer längeren Rede ernüederte. Derselbe sagte u. A.: Mit tiefgefiihltem Danke nehme ich die warme Begrüßung des sehr geehrten Redners entgegen. Der Hinweis auf den Hirtenbrief berührt inich angenehm, aber dafür gebührt mir kein Dank. Ich habe blos meine Pflicht gethan, indem ich die Geistlichen Kollegen meiner Diöcese, sowie die Gläubigen zur Rübe gemahnt und es verhindert habe, daß die Verirrung der VollSinassen größere Dimensionen annehine. Es freut mich sehr, daß die Herren erschienen sind, und ich erwidere die schöne Ansprache des geehrten Redners mit patriotischen und religiösen Empfindungen. Ziehen Sie doch auch Ihre Begeisterung aus einer Religion, die die Grundlage unseres Glaubens ist. Aus einer Quelle schöpfen wir und eine m Ziele streben wir zu: das ist unser Aller Sehnsucht zu Gott. Die Verherrlichung Gottes bleibt unser gemeinsames Streben, diese äußert sich aber zu allererst und hauptsächlich in der reinen gegenseitigen Liebe und Werthschätzung. Und wenn in dieser Beziehung gewisse Vorurtheile noch wahrnehmbar sind, so bestreben Sie sich doch nur weiter bei treuem Festhalten an der eigenen Religion, die Sache des ungarischen Nationalstaates mit allen Kräften zu fördern. Erziehen Sie Ihre Söhne in diesem Geiste, und das friedliche Einvernehmen wird sich auch dadurch besser gestalten, was ich von Herzen wünsche und hoffe. Ich danke Ihnen nochmals, geehrte Mitbürger, für Ihr freundliches Erscheinen. Aus Ungarn. Se. Majestät der König hat dem jüdischen kais. königl. Hofbuchhändler Arthur W o - dianer de Vasarhely den Titel eines königl. Rathes verliehen. Wodianer hat auf dem Gebiete des Erziehungs- und Unterrichtswesens, sowie als Buchhändler und Verleger Hervorragendes geleistet, und